Donnerstag, 17.01.2008

Sportpolitik

DOSB: Rechnungshof-Gutachten weltfremd

Berlin - Der Bundesrechnungshof hat sich in einem Gutachten für eine Eingrenzung der Sportförderung des Bundes ausgesprochen - der organisierte Sport reagierte mit harscher Kritik.

Der Präsident des Bundesrechnungshofes, Dieter Engels, zugleich Bundesbeauftragter für Wirtschaftlichkeit in der Verwaltung, hält es für geboten, dass sich der Bund "auf die Spitzensportförderung beschränkt", heißt es in dem jetzt veröffentlichen Gutachten unter dem Titel "Modernisierung der Verwaltungsbeziehungen von Bund und Ländern".

Dies solle auch im Grundgesetz, in einem Ausführungsgesetz oder in einer Vereinbarung im Rahmen der Föderalismuskommission II klargestellt werden.

"Die Schlussfolgerungen des Bundesrechnungshofes sind weltfremd, denn eine Konzentration der Spitzensportförderung auf wenige Top-Athleten ist erstens gar nicht machbar und widerspräche zweitens dem notwendigen Langfrist-Denken bei der Förderung", erklärte Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOS). Wer den Spitzensport effizient fördern wolle, müsse selbstredend auch den Nachwuchsleistungssport im Blick haben.

Es ist höchste Alarmstufe 

Auch der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert, kritisierte das von den Vorsitzenden der Kommission, Peter Struck (SPD) und Günther Oettinger (CDU), in Auftrag gegebene Gutachten. "Es ist höchste Alarmstufe. Wenn die Feststellungen des Gutachtens Allgemeingut werden sollten, dann ist die Förderung des Hochleistungssports mit einem jährlichen Volumen von 200 Millionen Euro Bundesmitteln in Gefahr.

Dann wären vom Bund nur noch eine Hand voll Top-Athleten zu fördern, B- oder C-Kader und Nachwuchsathleten flögen heraus", erklärte Danckert und erneuerte seine Forderung, den Sport als Staatsziel im Grundgesetz zu verankern: "Dann würden wir solchen abstrusen Empfehlungen einen Riegel vorschieben." Vesper fügte an: "Wir appellieren an Bundestag und Bundesrat, dies jetzt endlich umzusetzen."

Unsachgemäße Besteuerung 

In dem Rechnungshof-Gutachten heißt es weiter, der Bund fördere den Sport seit Jahrzehnten trotz unklarer und fehlender Ausgaben- und Finanzierungszuständigkeit: "Obwohl die Bundesregierung ihre Förderzuständigkeit nur als Ausnahme betrachtet und unter dem Gesichtspunkt der nationalen Repräsentation im Wesentlichen auf den Spitzensport bezieht, fördert sie auch den Leistungssport und Breitensport."

Mit seinem unbestrittenen Beitrag zur Integration und der Arbeit seiner Millionen Ehrenamtlichen entlaste der Sport die staatlichen Finanzen in beträchtlicher Weise, hielt Vesper dagegen.

Rechnungshof-Präsident Engels beanstandet die Förderung der beiden Kölner Sportakademien und die nicht sachgerechte Besteuerung von ausländischen Startern bei Sportveranstaltungen in Deutschland. Das verursache Steuerausfälle von bis zu sieben Millionen Euro im Jahr.


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