Handball

Handball - Kommentar zur Prokop-Entscheidung: Es droht der Super-GAU

Christian Prokop bleibt trotz der enttäuschenden EM in Kroatien Bundestrainer
© getty

Die Entscheidung des DHB, Christian Prokop als Bundestrainer weitermachen zu lassen, kommt völlig überraschend. Das Risiko könnte größer nicht sein. Fest steht: Bob Hanning hat seine Muskeln einmal mehr erfolgreich spielen lassen. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Felix Götz.

Prokop bleibt trotz der enttäuschenden EM in Kroatien inklusive interner Grabenkämpfe Bundestrainer. Eine Tatsache, die nicht nur für Fans und Beobachter völlig unerwartet daherkommt. Auch unter den Nationalspielern gab es in den vergangenen Tagen kaum noch einen, der nicht von der Entlassung Prokops überzeugt war.

Zu schwer schienen die Vorkommnisse in Kroatien ins Gewicht zu fallen, als der 39-Jährige das Team mit fragwürdigen Nominierungen in Aufruhr versetzte, einigen Spielern in der Gruppenphase mit seinen Wechseln wie am Fließband das Selbstvertrauen und schließlich mit ausschweifenden taktischen Besprechungen die Lust raubte. Die EM-Pleite hat freilich nicht nur Prokop zu verantworten, sein großer Anteil am Misserfolg ist aber nicht wegzudiskutieren.

Nun darf dieser Trainer, der in der Mannschaft teilweise großes Misstrauen "genießt", weitermachen. Der DHB versuchte, die atmosphärischen Störungen herunterzuspielen. Fakt ist allerdings: Sie waren da. Und sie waren teilweise heftiger, als es nach außen gedrungen ist.

Das Verhältnis zwischen Mannschaft und Coach ist mindestens gestört, das haben die vergangenen Wochen immer mehr bestätigt. Selbst die Gefahr, dass Leistungsträger unter Prokop nicht mehr für Deutschland spielen werden, dürfte real sein. Die Entscheidung des DHB pro Prokop trotz einer üppigen Analyse ist deshalb schwer nachzuvollziehen.

Bob Hanning gebührt der Löwenanteil

Der Löwenanteil an dieser Entscheidung gebührt Bob Hanning, der seine ganze Macht ausgespielt hat. Der DHB-Vizepräsident knüpfte seinen persönlichen Verbleib an die Bedingung, mit Prokop weiterzumachen. Ohne diese Drohung wäre eine Pro-Prokop-Entscheidung des zehnköpfigen Präsidiums undenkbar gewesen.

Aber die Situation ist kompliziert. Erstens bescheinigt Hanning nahezu jeder im deutschen Handball richtigerweise eine unter dem Strich gute Arbeit. Zweitens stellt sich die Frage, wer seinen Posten überhaupt übernehmen könnte? Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Liste der Bewerber quasi nicht existent ist. Niemand reißt sich darum, Hannings Nachfolge anzutreten.

Christian Prokop hat jeglichen Kredit verspielt

Was nun bleibt ist das extrem große Risiko, mit Prokop in die Zukunft zu gehen. Mit der Heim-WM 2019 und den Olympischen Spielen 2020 stehen dem deutschen Handball zwei richtungsweisende Ereignisse bevor - und das mit einem Bundestrainer, der eigentlich jeglichen Kredit verspielt hat.

Prokop muss Überzeugungsarbeit leisten und mit den Nationalspielern ganz schnell und äußerst selbstkritisch in den Dialog treten. Klar ist: Die nun getroffene Entscheidung hat das Potenzial, für Prokop selbst und für den deutschen Handball insgesamt zum Super-GAU zu werden.

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