Handball-WM 2017: Frankreich zwischen Titeljagd und Verjüngungskur

Der letzte Auftrag für "Les Experts"

Von Jannik Schneider
Mittwoch, 11.01.2017 | 12:03 Uhr
Didier Dinart versammelt seinen WM-Kader eng um sich
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Die Fußstapfen Claude Onestas könnten größer nicht sein. Acht große Titel hat Frankreichs legendärer Nationaltrainer seit 2001 mit "Les Experts" gewonnen. Vom neuen Trainer-Duo Didier Dinart und Guillaume Gille wird bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land nicht weniger als der Titel erwartet - und die dringend notwendige Verjüngung des Kaders.

Die Parallelen sind fast beängstigend: Exakt vor 16 Jahren ergatterte die französische Handball-Nationalmannschaft im eigenen Land den WM-Titel. Es war das zweite sportliche Großereignis nach der Fußball-WM im eigenen Land 1998. Und wie drei Jahre zuvor verzauberte ein Team die Sportfans der Tricolores mit erfrischendem und emotionsgeladenem Teamplay.

Der Erfolgsgarant: Claude Onesta, der die Jahre zuvor in Toulouse hervorragende Trainerarbeit geleistet hatte. Er formte bei seinem ersten Turnier - ausgerechnet vor Heimpublikum - aus Individualisten eine Mannschaft, die den Handballsport erst im Turnierverlauf und dann ganze anderthalb Jahrzehnte lang dominierte.

Nach acht großen Titeln, darunter dem zweimaligen Triple aus EM-, WM, und Olympiasieg, beendete Onesta - mittlerweile 57 Jahre alt - nach der Finalniederlage gegen Dänemark bei den Olympischen Spielen 2016 aus eigenen Stücken eine Ära und wechselte im fließenden Übergang in den Verband als Manager. Sein Nachfolger wurde ein Weggefährte.

Ein "Baumschüttler" übernimmt

Didier Dinart ist eines der Gesichter des französischen Handballs der vergangenen Jahre. Der frühere Kreisläufer, den die Süddeutsche Zeitung ob seiner rustikalen Spielweise mal liebevoll "Baumschüttler" taufte, holte unter Onesta dreimal (!) den WM-Titel und trug zu zwei Goldmedaillen bei Olympia und zwei EM-Siegen bei. Seit 2013 war er Co-Trainer Onestas. Sein Führungs- und Trainersystem ähnelt damit unweigerlich dem seines großen Vorgängers.

Und diese Erfahrungswerte sind mehr als wertvoll für Dinart, dessen erstes Turnier die am Mittwoch beginnende Weltmeisterschaft ist. Wie sein früherer Chef beginnt auch er seine Trainerlaufbahn mit einer Weltmeisterschaft vor der eigenen Haustür.

Die Euphorie im Land des Weltmeisters ist groß. Die Fans sind von Erfolgen verwöhnt. Dinart muss zwischen kurzfristigem Erfolg und einer langfristigen Entwicklung abwägen. Der von Experten geforderte große Umbruch wird - wer will es dem Trainerneuling verdenken - wohl erst nach dem Heimturnier erfolgen.

Und so haben der 39-Jährige und sein gleichberechtiger Kollege, der ehemalige HSV-Profi und zweifache Olympia- und WM-Sieger Guillaume Gille, der sich vor allem um die physischen Belange in der Vorbereitung gekümmert hat, ein immer noch brutal erfahrenes Team aus Olympiasiegern und Weltmeistern um sich geschart.

Ist das Ende nah?

Freilich haben etliche Helden der Onesta-Ära wie eben Dinart und Gille oder auch Jerome Fernandez ihre Karrieren beendet, doch das Gerüst aus alten Tagen steht immer noch. Die "Goldene Generation" ist nicht am Ende. "Les Experts", wie sie genannt werden, können sich den Titel im eigenen Land schnappen.

Im 16-köpfigen Aufgebot stehen mit dem vielleicht besten Torhüter der Handball-Geschichte Thierry Omeyer, mittlerweile 40 Jahre alt, Nikola Karabatic und Daniel Narcisse (beide Rückraum) drei ehemalige Welthandballer, die in großen Spielen den Unterschied ausmachen können. Narcisse und Omeyer waren sogar bereits 2001 bei besagtem WM-Erfolg als Spieler aktiv dabei - ein unglaublicher Erfahrungswert gepaart mit sehr gutem Leistungsvermögen!

"Dieses Vergnügen 2001 zu haben, ich weiß, wie priviligiert ich bin, das erlebt zu haben", erklärte Omeyer gegenüber Handballworld. 2017 sei nochmal viel größer, mit riesigen, ausverkauften Arenen. "Mit diesem ohnehin schon erfolgreichen Team einen Heimtitel zu gewinnen, das wäre etwas unvergleichbar Starkes."

Omeyer warnt bei all den positiven Gedanken aber vor einer nicht ungefährlichen Vorrundengruppe. "Wir treffen dort auf Teams wie Polen und Norwegen, die wir ähnlich wie Brasilien nicht unterschätzen dürfen." Danach beginne laut des Schlussmanns mit den eigenen Fans im Rücken ein "eigenes Turnier."

Letzte Chance für Rekord-Champ

Spätestens dort wird dem sprunggewaltigen Luc Abalo von Paris St.-Germain auf Rechtsaußen mit den drei erfahrenen Recken eine Schlüsselrolle zukommen. Mit so viel Qualität auf den Schlüsselpositionen zählt die Équipe auch 2017 noch zu den Top-Favoriten.

Nach der Final-Niederlage gegen Dänemark in Rio ist es in der Konstellation wohl die letzte Chance für die Truppe einen großen Titel zu gewinnen. Zeitgleich ist die WM der letzte Titel, den die Mannschaft zu verteidigen hat. Frankreich ist Rekordtitelträger mit fünf Erfolgen. Alleine Omeyer kann das vierte Mal Weltmeister werden.

Nach dem letzten, erfolgreichen Test gegen Slowenien am Wochenende (33:26) blickt Dinart jedenfals optimistisch Richtung Turnierstart: "Wir hatten in diesem teilweise engen Match viele Spieler auf dem Court. Das Team hat sich gut präsentiert." Ein Sonderlob gab es für William Accambray, der bei PSG mit nur wenig Einsatzzeit auskommen muss. "Wir haben heute William gesehen mit einer exzellenten Performance. Es ist gut, dass ein Spieler wie er trotz der Probleme so gut funktioniert", erklärte der Nationaltrainer der L'Equipe.

Umbruch versus Realität

Accambray, mittlerweile 28, verpasste die olympischen Spiele wegen eines Kreuzbandrisses. Der Rückraumspieler ist froh, wieder im Kreise der Nationalmannschaft zurück zu sein. "Es fühlt sich gut an, wieder das Niveau zu haben. Vor Olympia war ich so enttäuscht. Jetzt versuche ich, einfach nur noch Spaß zu haben."

Accambray ist eine der Antworten, die Dinart und Gille bereits jetzt auf die Frage liefern müssen: Was passiert nach dem Großevent? Das Durchschnittsalter des endgültigen WM-Kaders unterbietet mit 29,6 Jahren gerade so die 30. Lediglich drei Akteure sind jünger als 25. Hier sind Dinart und Gille gefordert, Nachwuchskräfte wie Außen Ludovic Fabregas (20) und PSG-Rückraumtalent Nedim Remili (21) Spielzeit und Einblick in Abläufe zu gewähren, damit sie in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen können.

Mittzwanziger wie Kentin Mahe (Flensburg), Barcelonas linker Rückraum Timothey N'Guessan und Rechtsaußen und letztjähriger Olympia-All-Star Valentin Porte, die jetzt noch im Sog von Karabatic und Co. mitgezogen werden, könnten schon bald zu alleinigen Führungspersönlichkeiten aufsteigen. Gleiches gilt für Accambray, wenn er verletzungsfrei bleibt.

Nachwuchs muss schnell lernen

Ein weiterer Fingerzeig Dinarts, in welche Richtung es in Zukunft geht, ist die Nominierung von Außenspieler Yanis Lenne als Ersatzmann. Das Talent aus Selestat gilt als großes Versprechen für die Zukunft. Der 20-jährige Außen darf als Nummer 17 zwar nicht bei der WM spielen, wird aber während der Endrunde mit dem Team reisen, um Erfahrungen zu sammeln.

"Wir hatten den Luxus, zwischen vielen sehr guten Spielern auswählen zu können", erklärte Dinart der L'Equipe. Gänzlich dürfe er die Zukunft aber nicht außer Acht lassen.

Ein weiteres Stichwort für die Zukunft lautet Flexibilität. Diese Gabe, auf mehreren Positionen einsetzbar zu sein, bringt der Flensburger Kentin Mahe mit. In der Bundesliga meist im Rückraum eingesetzt, kommt er in Frankreichs Nationalteam nicht nur auf mehreren Positionen des Rückraums zu Einsatzminuten, auch auf Außen und in der Defensive bei verschiedenen Deckungsvarianten sei er schon jetzt gefragt, behauptet sein Vereinstrainer Ljubomir Vranjes auf fl-arena.de.

Flexibilität wird Trumpf

"In der Nationalmannschaft spiele ich meistens auf Linksaußen - wenn ich da Weltmeister werde, unterschreibe ich das sofort", sagte Mahe im Gespräch mit der Tageszeitung Flensborg Avis.

So hat auch er seinen Platz im Kader sicher und wird in Zukunft immer mehr zur tragenden Säule. Am Dienstag strichen die Trainer Nantes-Akteur Nicolas Claire (29) - der oben erwähnte Accambray ist der Nutznießer.

Timothey N'Guessan (24) hat sich einer MRT-Kontrolle untergezogen, die nur eine simple Entzündung der Ferse gezeigt hat. Der linke Rückraumspieler wird also dabei sein. Eine Erleichterung für das Team und den Spieler, der die EM 2016 wegen einer Verletzung am Knöchel verpasst hatte.

Keinerlei Überraschungen waren die restlichen Streichungen. Dika Men, Benoit Kounkod und Torwart Cyrill Dumoulin, die auch im letzten Test fehlten, nehmen nicht an der Endrunde teil.

Für das Heimturnier ist die Erfahrung als Spieler und das quasi mit der Muttermilch aufgesogene Gewinnergen von Dinart und Gille ein großer Vorteil. Sie könnten wie ihr Vorgänger und Förderer Onesta eine Heim-WM nutzten, um alle sportbegeisterten Franzosen zu vereinen und für einen kleinen Boom zu sorgen.

Langfristig stehen die beiden vor einer großen Herausforderung. Ob sie nach einem WM-Sieg, wie Onesta 2001 eine ganze Ära prägen können, ist bei der momentanen Altersstruktur ungewisser denn je.

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