286 Tage nach seinem Rückzug

Martin Schwalb kehrt auf HSV-Bank zurück

SID
Freitag, 16.03.2012 | 13:56 Uhr
Am 1. Juni 2011 durfte Martin Schwalb (M.) die Meisterschale hochhalten - danach kam der Rückzug
© Getty
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Aus der Chefetage an die Seitenlinie: 286 Tage nach der rauschenden Meisterfeier auf dem Rathausbalkon wird Martin Schwalb am Sonntag auf die Trainerbank des HSV Hamburg zurückkehren. "Es geht jetzt darum, Erfahrungswerte einzubringen. Es macht Spaß, wieder mit der Mannschaft in der Halle zu stehen", sagte der 48-Jährige am Freitag.

Nach dem Titelgewinn im vergangenen Sommer hatte sich der Erfolgscoach auf das Amt des Präsidenten zurückgezogen. Für die Hamburger geriet die Handballwelt in den folgenden Monaten aus den Fugen.

Derzeit belegen die Hanseaten in der Bundesliga nur Platz vier und müssen sogar um die Qualifikation für die Champions League zittern. Da wäre ein gutes Ergebnis beim Achtelfinal-Hinspiel der Königsklasse am Sonntag bei den Füchsen Berlin (16.00 Uhr) Balsam für die Seele. Schwalb soll auf der Zielgeraden der verkorksten Saison retten, was noch zu retten.

Schwalb: "Bin kein Heilsbringer"

"Ich bin kein Heilsbringer. Wir wollen die Spieler wieder aufbauen. Was die eine oder andere taktische Frage betrifft, muss ich erstmal die Spinnweben aus meinem Kopf bekommen", sagte der Hamburger Hoffnungsträger, dessen Aufgaben als Präsident in den kommenden Wochen "klubintern verteilt" werden. Nur in der Königsklasse und beim Endturnier des DHB-Pokals Anfang Mai ist noch ein Titelgewinn möglich. In der Bundesliga enteilte Rekordmeister THW Kiel mit 48:0 Punkten bereits uneinholbar.

Noch vor neun Monaten hatte man sich das in Hamburg ganz anders vorgestellt. Mit dem THW wähnte sich der HSV mindestens auf Augenhöhe, der Rest der Liga sollte hinterherhecheln. Doch dann lief vieles schief. Schwalb-Nachfolger Per Carlen entpuppte sich als Fehlbesetzung, auch Interimscoach Jens Häusler schaffte die Wende nicht wirklich.

Füchse Berlin ohne Angst vor den Hamburgern

Also sah sich Schwalb zum Eingreifen gezwungen. Zumal die Hanseaten bei der Konkurrenz kaum noch für Angst und Schrecken sorgen. "Wenn man ehrlich ist, war dieses Los die einzige kleine Chance noch weiterzukommen", sagte Berlins neuer Nationalspieler Johannes Sellin: "Wir freuen uns, dass wir gegen den HSV spielen können. Es wird die Tagesform entscheiden und möglicherweise auch das Quäntchen Glück eine Rolle spielen."

Bei den Hamburgern will man sich gegen die Füchse nicht allein auf derartige Unwägbarkeiten verlassen. Leistung und Auftreten soll endlich wieder stimmen. Zumal der Hauptstadtklub dem HSV bereits in der Bundesliga den Rang abgelaufen hat und derzeit den zweiten Platz belegt. "Das Wichtigste ist jetzt, dass wir in der Bundesliga gute Ergebnisse einfahren. Aber wir wollen uns in Berlin auch in der Champions League eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel eine Woche später erarbeiten", sagte Schwalb.

In den kommenden Wochen muss der "Trainer-Präsident" einen neuen Coach für die nächste Saison finden. Eine weitere Fehlentscheidung können sich die Hamburger dabei nicht leisten. "Wir werden einen guten Trainer bekommen", sagte Schwalb: "Die Belastung ist hoch. Aber ich werde nicht jammern."

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