Dienstag, 24.11.2009

Andrej Kogut im Interview

"Lieber einen Ferrari als einen Golf"

Im August sind die deutschen Handball-Junioren in Ägypten zum ersten Mal Weltmeister geworden. SPOX kümmert sich ab sofort verstärkt um den deutschen Handball-Nachwuchs und stellt regelmäßig die besten Junioren vor, die sicher schon bei Bundestrainer Heiner Brand im Notizblock stehen. Diesmal: Andrej Kogut von der HSG Düsseldorf.

Andrej Kogut stieg in der Saison 2008/2009 mit der HSG Düsseldorf in die 1. Liga auf
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Andrej Kogut stieg in der Saison 2008/2009 mit der HSG Düsseldorf in die 1. Liga auf

Andrej Kogut hat sich beim Aufsteiger als Aufbauspieler etabliert. Bei der Junioren-WM wurde er bereits zum besten Spielmacher des Turniers gewählt. Im SPOX-Interview redet er über seine Zukunft, Privates und die Chancen der jungen Deutschen.

SPOX: Sie haben Ihr Abi am Wirtschaftsgymnasium gemacht und studieren seit diesem Semester Wirtschaftswissenschaften. Lässt sich das mit Ihrem Hauptberuf als Profisportler vereinbaren?

Kogut: Ich merke schon, dass es schwer zu vereinbaren ist. Ich kann nur zwei Drittel der Vorlesungen besuchen und dementsprechend auch nur zwei Drittel der eigentlich nötigen Klausuren schreiben.

SPOX: Aber die Dozenten haben für Ihre Situation Verständnis?

Kogut: Ja, absolut. Die, mit denen ich gesprochen habe, zeigen sehr viel Verständnis für meine Lage. Zum Glück gibt es kaum Pflichttermine in meinem Studiengang, aber wenn doch, lassen die sich durchaus mal verschieben. Hin und wieder kommt es aber schon vor, dass ich etwas verpasse. Ich denke, es wird wohl darauf hinaus laufen, dass ich einfach etwas länger studieren muss als andere.

SPOX: Man liest und hört des Öfteren von studierenden Handballern. Gibt es einen Grund, dass sich gerade diese Sportler so oft weiterbilden?

Kogut: Das hängt sicher damit zusammen, dass mit Handball allein die wenigsten ihr Leben lang auskommen können - nicht wie etwa viele Fußballer. Deswegen muss man sich auch Gedanken über die Karriere hinaus machen. Das ist, denke ich, der Grund, warum viele Handballer sich entschließen, nicht nur einen Weg zu gehen, sondern auch einen zweiten aufzubauen.

SPOX: Planen Sie mit Ihrem Studium schon jetzt eine zweite Karriere im Handballsport nach der aktiven?

Kogut: Das wäre natürlich ein Traum. Ich glaube, das wünscht sich jeder, dass man auch nach der Profikarriere dem Sport treu bleiben kann. Für mich wäre eine Management- oder Marketingposition in einem Verein wirklich traumhaft. Aber ich weiß auch, dass ich mir die Möglichkeit offen halten muss, auch eine andere Richtung einzuschlagen, falls das nicht klappen sollte.

SPOX: Profisport plus Studium - bleibt da noch Zeit für weitere Interessen oder Hobbys?

Kogut: Eigentlich nicht. Diese zwei Dinge nehmen mich tatsächlich komplett ein. Wenn ich vormittags mal kein Training habe, gehe ich in die Uni. Das bisschen Zeit, was dann noch übrig bleibt, verbringe ich mit meiner Freundin und Freunden.

SPOX: Also auch keine Zeit, andere Sportarten zu verfolgen?

Kogut: Tatsächlich nicht sehr viel. Ich bin zum Beispiel überhaupt kein Fußballfan. Da stehe ich im Verein ziemlich alleine da. Es gibt da zum Beispiel ein Fußball-Tippspiel, bei dem viele im Verein mitmachen. Aber da ich mich dafür überhaupt nicht interessiere, mache ich da nicht mit.

SPOX: Ihre Familie lebt seit zwei Jahren wieder in Moskau. Wie ist der Kontakt? Und ist das schwer für Sie?

Kogut: Ich versuche schon, sie zweimal im Jahr zu sehen, zum Beispiel, indem ich in der Winterpause hinfliege. Wenn sie mich besuchen kommen, ist es natürlich nicht immer die ganze Familie, manchmal kommt die Mutter, manchmal der Vater. Irgendjemanden sieht man glücklicherweise doch recht häufig.

SPOX: Und ich nehme an, dass Ihre Karriere von der Familie auch dort aufmerksam verfolgt wird.

Kogut: Ja, auf jeden Fall. Mein Vater ist ja mein Handballtrainer in der Jugend gewesen, und er verfolgt alles sehr genau übers Internet.

Bilder des Tages - 24. November
Tja. So kann man nach einem wilden Ritt auf verschlammten Wegen schon einmal aussehen. Das stört Tony McCoy beim Lingfield-Rennen aber nicht weiter
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Da bekommen selbst Golf-Muffel Lust auf den weißen Ball. Beim Omega Mission Hills World Cup in Shenzen (China) taucht die Sonne das Grün in eine malerische Landschaft
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Unliebsamer Bandenkontakt für Ryan Whitney von den Anaheim Ducks. Gegen die Calgary Flames gab es in der NHL zur Wiedergutmachung ein 3:2 nach Shootout
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Pakistans Bowler Mohammad Aamer versucht im Cricket-Testmatch gegen Neuseeland, den Schiedsrichter mit einem Urschrei zu beeindrucken
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"Group-Hug" für Andre Johnson. Der Wide Receiver vom NFL-Team Houston Texans unterlag mit seinem Team am Ende aber den Tennessee Titans mit 17:20
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Zwei Kurze für Boris: Becker trinkt bei der Verleihung des Laureus-Awards Schnaps, seine schwangere Frau Lilly bleibt nüchtern
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Das klassische "nimm du ihn, ich hab ihn sicher", hier gezeigt von den Synchronspringern Al Jefferson (l.) und Corey Brewer von den Timberwolves im Spiel gegen die L.A. Clippers
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Roy Jones Jr. im Sparring mit seinem Trainer. In zwei Wochen steigt Jones' Kampf gegen Aussie Danny Green in Sydney
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SPOX: Gab es in der Familie jemals eine Diskussion bezüglich Ihrer Einbürgerung? Hätten Ihre Eltern gerne gesehen, dass Sie für Russland spielen?

Kogut: In der Familie war das gar kein Thema, weil sie mir da völlig freie Hand bei der Entscheidung gelassen haben. Und für Deutschland entschieden habe ich mich, weil ich einfach den größten Teil meines Lebens in Deutschland gelebt habe, und ich kann mich eher mit diesem Land identifizieren als mit Russland. Ich glaube nicht, dass ich mit der russischen Kultur so einfach klar kommen würde.

SPOX: Aber vermutlich gab es auch rein sportliche Beweggründe, Deutscher zu werden.

Kogut: Klar. Zum einen kannte ich schon viele Leute, gerade im Juniorenbereich. Mit vielen habe ich schon zusammen gespielt, zum Beispiel in der Landesauswahl. Da war es natürlich von Anfang an leichter rein zu kommen. Und auf der anderen Seite spielte natürlich auch eine Rolle, dass die deutsche Nationalmannschaft doch etwas mehr zu bieten hat als die russische. Und die deutsche Liga ist auch eine der besten.

SPOX: Düsseldorf steht zur Zeit auf Rang 14. Nach zwei Siegen hintereinander gab es zuletzt wieder einen kleinen Rückschlag. Wie ist Ihre Einschätzung der Saison bisher?

Kogut: Der Sieg gegen Wetzlar war extrem wichtig. Er hat gezeigt, dass wir wirklich mithalten können in der Liga. Ich denke, wir müssen uns nicht nur auf die Teams aus dem Tabellenkeller konzentrieren, sondern können auch gegen die Vereine aus dem Liga-Mittelfeld bestehen.

SPOX: Wird es dennoch zum Saisonende gegen den Abstieg gehen, oder sind die Ziele jetzt höher gesteckt?

Kogut: Ja, ich denke schon, dass wir letztendlich gegen den Abstieg spielen. So weit sind wir dann doch noch nicht, dass es nicht so weit kommen wird. Aber wenn wir unseren augenblicklichen Weg weiter gehen, werden wir den Klassenerhalt schaffen.

SPOX: Wie sehen sie Ihre persönliche Entwicklung in Düsseldorf?

Kogut: Ausschließlich positiv. Ich kam ja von der WM zurück und habe dadurch fast die gesamte Vorbereitung mit dem Verein verpasst. Deswegen habe ich am Anfang natürlich wenig gespielt, aber das wurde dann immer mehr, und die letzten Spiele stand ich dann immer in der Startformation. Das ist gerade für einen jungen Spieler sehr positiv, vor allem auf meiner Position im Rückraum, wo ich ja tatsächlich im Spiel die Fäden ziehe.

SPOX: Düsseldorf setzt auf junge Spieler wie Sie. Ist das bei anderen Vereinen in der Liga auch erkennbar oder hat Heiner Brand Recht mit seiner Kritik, die Topteams in Deutschland tun nicht genug für den deutschen Nachwuchs?

Kogut: Natürlich wollen wir Jungen noch mehr unterstützt werden. Ich habe großes Glück mit meinem Verein, der es sich finanziell auch gar nicht leisten kann, große Stars einzukaufen. Wir greifen also in gewisser Weise auch zwangsläufig auf jüngere Talente zurück. Aber dass das funktionieren kann, sieht man zum Beispiel bei Vereinen wie Wetzlar, die auch durch junge Spieler nach vorne kamen. Man kann das mit Autos vergleichen: Wenn man das große Geld hat, kauft man sich vielleicht lieber einen Ferrari als einen Golf, aber ans Ziel kommt man doch mit beiden. Aber in der Tat, die großen Vereine mit dieser Einkaufspolitik sind einfach die erfolgreichen, und darunter leiden wir jungen Spieler schon manchmal. Und ich fürchte auch, dass sich das sich nicht so schnell ändern lässt.

SPOX: Sie sind inzwischen auch im Blickfeld des Bundestrainers. Ist das Motivation oder Belastung für Sie?

Kogut: Da wird sehr viel spekuliert. Persönlichen Kontakt hat er jedenfalls noch nicht aufgenommen. Ich mache mir da noch gar keine Gedanken, sondern versuche einfach, mein Spiel im Verein durchzuziehen.

SPOX: Aber ein Ziel wäre es schon für Sie, die A-Nationalmannschaft?

Kogut: Ja, natürlich ist das ein Ziel, sicher für jeden jungen Spieler. Aber ich habe auf keinen Fall immer im Kopf, wann es da vielleicht einen Anruf gibt oder nicht.

SPOX: Wie schaut es denn mit Fernzielen in der Liga aus. Zieht es Sie vielleicht ins Ausland?

Kogut: Eigentlich nicht. Wir haben in Deutschland eine super Liga. Da ist fast jedes Spiel ein Topspiel, insofern ist Deutschland für mich der größte Anreiz.

SPOX: Was halten Sie für Ihre Stärken und Schwächen?

Kogut: Meine größte Schwäche ist, dass ich in der Deckung fast nur außen decke. Meine Stärken liegen im Angriffsspiel. Besonders meine Variabilität im Wurf und die Spielübersicht.

SPOX: Zum Abschluss: Vermissen Sie gewisse russische Traditionen, seit Ihre Familie nicht mehr in Deutschland lebt?

Kogut: Wir haben in der Familie eigentlich kaum nach russischen Traditionen gelebt. Was anders war bei uns, ist, dass wir kein Weihnachten am 24. Dezember feiern. Und auch unser Fest am 6.1. ist lange nicht so groß gewesen wie das normale deutsche Weihnachten. Insofern habe ich jetzt eigentlich nur eine Tradition dazu bekommen, da ich ja jetzt oft Weihnachten in der Familie meiner Freundin feiere.

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