"Wir lernen es einfach nicht"

SID
Mittwoch, 26.11.2008 | 10:52 Uhr
Oliver Roggisch versucht manchmal vergeblich, seine Kollegen zur Abwehrarbeit zu animieren
© Imago
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Oliver Roggisch spricht in seiner aktuellen Kolumne für SPOX über die Probleme bei den Rhein-Neckar Löwen und erklärt, was er als Abwehrchef tun kann. Außerdem nennt er seinen großen Favoriten auf den Champions-League-Sieg.

Liebe Handball-Freunde,

als ich vor dem Spiel in Wetzlar am vergangenen Wochenende auf die Tabelle geschaut habe, war mir eines klar: Für uns bei den Rhein-Neckar Löwen ist trotz der Probleme, die wir in dieser Saison schon hatten, noch viel drin.

Jetzt ein Sieg in Wetzlar, dann geht noch was. Das hat unser Coach Wolfgang Schwenke uns auch vor dem Spiel nochmal gesagt. Leider hatten wir trotzdem wieder einen Aussetzer und haben verloren. Wir lernen es einfach nicht.

Natürlich war es kein einfaches Spiel, zumal wir vorher noch in der Champions League in Polen unterwegs waren und wenig Pause hatten, aber du musst so ein Spiel trotzdem gewinnen. Egal wie.

"Versuche, alle heiß zu machen"

Was wir gerade in der ersten Hälfte kämpferisch gebracht haben, war viel zu wenig. Wir sind in Gegenstöße gerannt und lagen zur Pause schon weit hinten. Das Schlimme war, dass wir dann in der zweiten Halbzeit kurz mal unser wahres Gesicht gezeigt haben, aber in der Schlussphase die Big Points nicht machen konnten. Es war ein ganz herber Rückschlag für uns.

Zu dem Vorwurf, dass es bei uns manchem Spieler an der Einstellung und an Leidenschaft fehlt, kann ich nur sagen, dass ich immer versuche, alle heiß zu machen.

Leider gelingt mir das an manchen Tagen nicht bei allen. Einige mögen introvertierter sein als ich, aber die kämpferische Einstellung muss trotzdem stimmen.

Das sind alles gute Handballer bei uns, alles Nationalspieler - wenn wir immer 100 Prozent bringen würden, sähe es in der Tabelle sicherlich anders aus.

Schnee-Chaos auf der Rückreise

Zu allem Überfluss sind wir dann auch noch bei der Rückreise ins Schnee-Chaos gekommen. Unser Torwarttrainer Maros Kolpak ist mit dem Auto stecken geblieben. Wir mussten dann auf der Raststätte auf ihn warten.

Klar, dass ich nach solchen Niederlagen richtig angefressen bin. Ich habe in der Nacht wenig geschlafen, am nächsten Morgen war dann schon um 8 Uhr Video-Analyse. 

Ein großes Problem, und da bin ich als Abwehrchef verantwortlich, ist sicher unsere mangelnde Abwehrarbeit.

Probleme in der Abwehr

Wir haben überall Weltklasse-Leute, aber viele haben in ihrer Karriere wenig oder gar nicht in der Abwehr gespielt. Ich versuche ihnen zu helfen, wo ich kann, aber wenn es zu viele sind, wird es für mich auch schwierig. Wir müssen uns da auf jeden Fall steigern.

Insgesamt kann man sagen, dass wir eine kleine Serie gestartet hatten und uns jetzt alles wieder kaputt machen. Einfach schade.

Gute Chancen haben wir immerhin noch in der Champions League. In der Hauptrunde haben wir Celje und Chambery zugelost bekommen. Zu Chambery kann ich nicht viel sagen, weil ich sie zu wenig kenne, aber auf Celje und die supergeile Atmosphäre in der Halle freue ich mich sehr.

Kiel gewinnt die Champions League

Und nicht nur ich, auch mein Mitspieler Sergej Harbok. Celje ist ja sein alter Verein. Ich habe eigentlich nur gute Erinnerungen, zuletzt haben wir mit der Nationalmannschaft dort gewonnen. Hoffentlich gelingt uns das auch. Die Gruppe ist reizvoll, aber auch machbar.   

Die beste Mannschaft der Welt ist, wenn ich mich entscheiden müsste, für mich ganz klar Kiel. Ciudad habe ich jetzt länger nicht gesehen, aber wie Kiel jetzt Barcelona auseinander genommen hat, war einfach stark.

Der THW hat mit Thierry Omeyer den besten Torwart der Welt. Und wenn man sieht, wer bei denen alles aufläuft und mit welchem Tempo sie spielen, habe ich keinen Zweifel, dass sie die Champions League gewinnen.

Noch ein Wort zur möglichen Champions-League-Reform. Es ist wieder im Gespräch, dass auf 24 Teams abgespeckt wird und dass es ein Final-Four-Turnier gibt. Wenn es bedeutet, dass am Ende weniger Spiele auszutragen sind, bin ich dafür.

Bis zum nächsten Mal.

Euer Oliver Roggisch

Oliver Roggisch, 30, spielt seit 2007 bei den Rhein-Neckar Löwen. Der 1,99 m große Kreisläufer und Abwehrspezialist startete seine Karriere beim TuS Schutterwald, bevor es ihn zu Frisch Auf Göppingen zog. Weitere Stationen waren TuSEM Essen und der SC Magdeburg. Mit der Nationalmannschaft wurde er 2007 Weltmeister. Mehr Infos zum SPOX-Kolumnisten gibt's unter http://www.oliver-roggisch.de/.

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