Mittwoch, 17.09.2008

Kolumne von Oliver Roggisch

Kein anderes Ziel als Meisterschaft

Liebe Handball-Fans,
ich freue mich, ab sofort hier bei SPOX regelmäßig über alles zu schreiben, was sich in meiner Handball-Welt so abspielt. Wie es mir und den Rhein-Neckar Löwen in der Bundesliga ergeht, was wir in der Champions League machen und vieles mehr. Auch zu den aktuellen Themen in der Handball-Szene werde ich natürlich meine Meinung sagen.

Roggisch, Handball
© Imago

Wie soll ich beginnen? Der Saisonstart war für uns erstmal gut. Der 33:32-Sieg zum Auftakt gegen Großwallstadt war zwar knapp, aber da waren wirklich nur die zwei Punkte wichtig. Mehr konnte man nicht erwarten. Das erste Spiel in einer Saison ist immer schwierig, weil niemand weiß, wo man genau steht.

Das erste Auswärtsspiel in Berlin war dann auch schon viel besser. Wir haben eine sehr gute Leistung abgeliefert und konzentriert gespielt. Natürlich hatten wir auch einen überragenden "Kasa" Szmal im Tor, der acht Siebenmeter gehalten hat.

Danach waren wir gut vorbereitet für das Spiel gegen Kiel. Dann haben wir ja auch super angefangen und schnell 3:0 geführt. Ich dachte, das wird unser Tag, aber stattdessen hat der THW gezeigt, warum sie eine Spitzenmannschaft sind. Drei Tore sind da gar nichts. Kiel hat ganz ruhig weitergespielt und sich überhaupt nicht beeindrucken lassen. In den entscheidenden Phasen waren sie einen Tick cleverer.

Auf Augenhöhe mit Kiel

Die 18 Tore von Stefan Lövgren waren der Hammer, aber man muss eben auch sehen, dass acht Siebenmeter dabei waren und viele Gegenstöße. Es war nicht eine One-Man-Show von Lövgren, es war für mich eine sehr starke Mannschaftsleistung von Kiel. Am Ende haben Kleinigkeiten das Spiel entschieden und die Niederlage war sehr ärgerlich für uns.

Dass 82 Tore gefallen sind, klingt für den Zuschauer erstmal brutal viel, aber wenn man gegen Kiel spielt, weiß man, dass es so oder so ähnlich kommt. Die spielen so ein hohes Tempo, das muss man mitgehen. Es ist wie beim Basketball, es geht die ganze Zeit hin und her, von Positionsangriffen ist nichts mehr zu sehen.

Wir hätten auf jeden Fall einen Punkt verdient gehabt, aber nun müssen wir auf das Positive schauen und das heißt: Wir sind auf Augenhöhe mit Kiel und brauchen uns nicht zu verstecken. Diese Niederlage wirft uns nicht um. Wir glauben weiter daran, dass wir stark genug sind, um ganz vorne mitzumischen und eventuell auch Meister zu werden. Ein anderes Ziel kann es für uns in den nächsten Jahren nicht geben.

Dormagen überrascht

Eine Mannschaft, die in den ersten Spielen der Saison überrascht hat, ist sicherlich Dormagen. Kiel hat sie im ersten Spiel klar unterschätzt, das kann dann schon mal passieren, dass man gegen einen Aufsteiger nur unentschieden spielt. Dass sie aber jetzt auch Hamburg geschlagen haben, hat mich schon sehr gewundert.

Aber es zeigt mal wieder, was möglich ist, wenn eine Mannschaft ohne Superstars mit großem Kampfgeist spielt und als echtes Team auftritt. Ich bin gespannt, ob Dormagen noch mal gegen die Spitzenklubs gewinnen kann. Weil die sind jetzt natürlich gewarnt.

Auf deutsche Talente setzen

Sicher interessiert euch auch, ob Olympia bei mir noch im Kopf ist. Ja und nein. Manchmal denkt man noch darüber nach, aber eigentlich habe ich das abgehakt und versuche es komplett auszublenden. Meine Konzentration gilt ganz klar den Löwen.

Es gibt immer wieder große Diskussionen um die Zukunft des deutschen Handballs, besonders nach einem nicht so guten Abschneiden der Nationalmannschaft. Meiner Meinung nach gibt es nicht Recht und Unrecht. Ich verstehe den Bundestrainer, der nicht zufrieden ist, aber ich verstehe auch die Bundesliga-Manager. Die Vereine sind heutzutage Wirtschaftsunternehmen und brauchen schnelle Erfolge. Es ist verständlich, auf Ausländer zu bauen.

Aber ich würde mir wünschen, dass im Zweifel auf unsere deutschen Talente gesetzt wird, die es ja gibt, und nicht auf mittelmäßige Ausländer. Es geht nicht um die großen Stars, die die Bundesliga braucht. Man muss insgesamt versuchen, einen Mittelweg zu finden.

Bis zum nächsten Mal.

Euer Oli Roggisch

Oliver Roggisch, 30, spielt seit 2007 bei den Rhein-Neckar Löwen. Der 1,99 m große Kreisläufer und Abwehrspezialist startete seine Karriere beim TuS Schutterwald, bevor es ihn zu Frisch Auf Göppingen zog. Weitere Stationen waren TuSEM Essen und der SC Magdeburg. Mit der Nationalmannschaft wurde er 2007 Weltmeister. Mehr Infos zum SPOX-Kolumnisten gibt's unter http://www.oliver-roggisch.de/.

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