Montag, 19.05.2008

Handball

Mission Olympia-Medaille ohne Kapitän Baur

Leipzig - Die deutschen Handballer müssen die "Mission Medaille" bei den Olympischen Spielen in Peking überraschend ohne ihren Kapitän Markus Baur in Angriff nehmen.

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© Getty

Zwölf Wochen vor dem Auftaktspiel im National Indoor Stadium gab Bundestrainer Heiner Brand den Verzicht des 37 Jahre alten Spielmachers auf dessen vierte Olympia-Teilnahme in Serie bekannt.

"Seit Sonntag steht fest, dass er nicht mit nach Peking fährt", sagte Brand dem Internetportal "Sport Bild online", "ich verstehe Markus' Entscheidung. Dennoch ist das ist ein herber Schlag. Es ist schon eine Enttäuschung, dass der Mann, auf den ich bisher gebaut habe, nicht mitfahren kann."

Konzentration auf Traineramt

Nach Angaben seines Vereins TBV Lemgo will sich Baur ganz auf seine Tätigkeit als Trainer des Bundesligisten konzentrieren. "Das ist auch seine Intention. Es wird zwar noch ein abschließendes Gespräch mit dem Bundestrainer geben, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es so kommt, ist sehr hoch", sagte Lemgos Geschäftsführer Volker Zerbe der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Baur hatte am 1. Januar offiziell sein Amt als Trainer bei den Lemgoern als Nachfolger von Peter Meisinger angetreten und den ehemaligen deutschen Meister nach Startschwierigkeiten noch als Meisterschafts-Siebten in den EHF-Cup geführt. "Entscheidend ist, dass Markus hier seine neue Laufbahn startet und formt", sagte Zerbe, "das ist eine Entscheidung, die er für sich durchgemacht hat. Er ist ein professioneller Mensch, der die Dinge nicht Laissez-faire angeht."

Veto von Lemgo 

Im verlorenen EM-Spiel um Platz drei hatte Baur sein 227. und nun wohl letztes Länderspiel bestritten und nur drei Tage nach EM-Ende den TBV Lemgo übernommen. Eine ähnlich knappe Vorbereitungszeit soll nun ausgeschlossen werden. "Zum einen wollte es der TBV Lemgo nicht akzeptieren, dass Markus durch die Beanspruchung bei Olympia erst zehn Tage vor Saisonbeginn der Bundesliga die Leitung des Trainings übernommen hätte.

Zum anderen hätte Markus ein in Anführungszeichen schlechtes Gewissen gehabt hätte, wenn er als Trainer seine Mannschaft zwei Monate nicht gesehen hätte", sagte Brand. Er hatte seinem Strategen auch im kürzlich reduzierten Olympia-Kader einen Platz offen gehalten: "Ich will in Peking gut abschneiden, da werde ich Markus Baur brauchen."

Kraus soll's richten 

Damit wächst der Erwartungsdruck auf Baurs 24 Jahre alten "Kronprinzen" Michael Kraus (Lemgo), der nun unerwartet zur Nummer 1 auf der Spielgestalter-Position avanciert ist.

Wegen des Ausfalls von Oleg Velyky (Hamburg), der wegen eines Kreuzbandrisses und einer Hautkrebserkrankung seit Januar kein Spiel mehr bestritten hat, stehen als Alternativen nur der 21-jährige Junioren-WM-Zweite Martin Strobel (Balingen-Weilstetten) und der drei Jahre ältere Michael Haaß (Minden) zur Verfügung.

"Beiden fehlt natürlich die internationale Erfahrung auf der Spielmacherposition", gab Brand zu bedenken.


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