Montag, 12.05.2008

Rudelbildung und Nervosität

Kiel verpasst das Triple

Kiel - Höchststrafe für den THW Kiel: Mit versteinerten Mienen mussten die Spieler des deutschen Meisters zusehen, wie in ihrem "Wohnzimmer" Spaniens Meister BM Ciudad Real der Champions-League-Pokal überreicht wurde.

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© Getty

Wenige Minuten zuvor hatte sich der Frust der Hausherren in einem Handgemenge mit den Spaniern entladen, an dem sogar zwei Zuschauer beteiligt waren.

Auslöser der "Rudelbildung" war eine Tätlichkeit von Nationalspieler Christian Zeitz, der den am Boden liegenden Alberto Entrerrios das Knie in den Körper gerammt hatte.

Die Nerven lagen blank

"Das war eine Aktion der Dummheit", zürnte THW-Trainer Zvonimir Serdarusic. "Wenn der Puls auf 180 ist und der Traum baden geht, dann liegen die Nerven blank bei jungen Menschen."

Mit dem 31:25 vor 10.250 Zuschauern in der ausverkauften Sparkassen-Arena hatte Ciudad Real die hervorragende Ausgangsposition der Kieler, die eine Woche zuvor mit 29:27 in Spanien gewonnen hatten, geradezu pulverisiert.

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Dabei hätte es ein Feiertag für die Hausherren werden sollen. "Der Pokal gehört doch eigentlich uns", jammerte Viktor Szilagyi. Zum zweiten Mal wollten die Kieler die "Königsklasse" gewinnen und sich als beste Vereinsmannschaft der Welt präsentieren.

"Das Leben ist kein Wunschkonzert", meinte Serdarusic. Ciudad Reals Trainer Talant Dujshebaev frohlockte: "Wir haben gegen die beste Mannschaft der Welt gewonnen. Jetzt sind wir bis zum nächsten Saisonende die beste. Wir haben das Unmögliche möglich gemacht."

Zu nervös und ohne Spaß

Serdarusic hatte schon vor der Partie eine böse Vorahnung beschlichen. "In der Kabine vor dem Spiel waren die Gesichter so, als würden die Spieler zu einer Beerdigung gehen. Ich wollte sie aufmuntern, sie zum Lachen bringen, habe das aber nicht geschafft", berichtete er.

"Sie standen zu sehr unter Druck und waren nervös. Sie hatten keinen Spaß. Aber du musst Spaß haben, wenn du gut Handball spielen willst", erklärte der Erfolgstrainer enttäuscht, aber doch gefasst.

"Vielleicht wären unsere Spieler nicht so bedrückt gewesen, wenn sie in Ciudad Real mit fünf Toren verloren hätten", mutmaßte Serdarusic. "Aber wer weiß das schon?"

Die spanische Abwehrwand, die Welthandballer Nikola Karabatic mit einer Sonderbewachung nahezu ausgeschaltet hatte, vermochten die Kieler an diesem Tag nicht zu Fall zu bringen. Zudem brachte Ausnahme-Torhüter Arpad Sterbik die THW-Schützen schier zur Verzweiflung.

Kiel fühlt sich wie der FC Bayern

Dem THW Kiel geht es nun wie dem FC Bayern München: Triple verfehlt, Europacup-Trophäe verpasst - aber als Trostpflaster bleibt der Gewinn der Meisterschaft.

"Wir müssen den Blick nach vorn richten. Jetzt wollen wir deutscher Meister werden", sagte THW-Manager Uwe Schwenker. "Wenn sich die Niedergeschlagenheit auflöst, dann feiern wir trotzdem."

Nun spielen die Schleswig-Holsteiner in der vorletzten Saison-Partie bei Frisch Auf Göppingen und können sich mit einem Sieg vorzeitig ihren 14. Titel sichern. "Das ist dann das Pflaster für unsere Wunde", meinte Rückraumspieler Filip Jicha.

Königsklasse beschert satte Gewinne

Mit ihrer Finalteilnahme und 13 Siegen in 16 Spielen in diesem Champions-League-Durchgang hat der THW 395.000 Euro an Prämien eingenommen.

Zudem dürfen sich die Norddeutschen über einen Reingewinn von 160.000 Euro an Zuschauereinnahmen freuen.

"Natürlich ist die Enttäuschung groß, wenn man das große Ziel verpasst. Aber man muss mit Niederlagen leben, um zu wissen, wie schön Erfolge sind", befand Manager Schwenker.


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