Fake News, Show-flee, Michael Jordan!

Montag, 19.06.2017 | 13:17 Uhr
Brooks Koepka hat die 117. US Open gewonnen
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Brooks Koepka gewinnt die 117. US Open in Erin Hills, stellt dabei den Rekord von Rory McIlroy ein und ist damit jetzt ein neuer Superstar in einer Sportart, die er langweilig findet. Verrückt! McIlroy trifft keine Kugel, überzeugt aber via Twitter. Phil Mickelson ist ein Grand Slam Dad, Justin Thomas macht einen auf Michael Jordan und Xander Schauffele ist irgendwie auch Deutscher. Aber das Wichtigste: Ich will meine US Open wieder haben!

10. Eher 200 Millionen, Du Penner! Warum Golf unfassbar ist? Wir erleben eine US Open, bei der die Scores eher an Eichenried erinnern, aber wer stellt sich trotzdem zu dämlich an, um überhaupt den Cut zu schaffen? Klar, die Herren Johnson, McIlroy und Day. Zum ersten Mal ever verpassten die Nummern eins, zwei und drei der Welt den Sprung ins Wochenende. Genauso wie die Nummern sechs (Stenson), acht (Noren) und zehn (Rahm). Kann man nicht erklären.

Während D.J. als Typ mit -3-Rating auf der Skala der Emotionen das wie alles in seinem Leben locker nahm und so wenigstens schneller wieder bei seinem neugeborenen Sohn River Jones Johnson sein konnte, musste Day damit klarkommen, dass Wisconsin nach seinem PGA-Triumph 2015 in Whistling Straits jetzt vielleicht doch nicht die ganz große Liebe seines Lebens wird. Nicht so schlimm, muss er sich wenigstens schon kein Haus dort kaufen und anfangen, Käse zu essen.

Nein, derjenige, der richtig angepisst war, hieß Rory. Ist natürlich auch frustrierend, wenn man in einer von Verletzungen geplagten Saison vor dem Turnier der Mann ist, der sich über das Cutten des Gestrüpps abseits der Spielbahnen aufregt, weil das 100 Kilometer breite Fairway doch wirklich jeder Horst treffen sollte (womit er übrigens total Recht hatte!), aber dann zwei Tage lang genau in dem Gestrüpp rumhackt.

Was man danach auf keinen Fall gebrauchen kann, ist auf Twitter dumm von der Seite angemacht zu werden. Steve Elkington (hat 1995 wie auch immer mal die PGA gewonnen und dabei Monty das Herz gebrochen) griff McIlroy an. Nach dem Motto: Du bist mit 4 gewonnenen Majors und 100 Millionen auf der Bank wohl zufrieden und gelangweilt.

Rorys Antwort? Legendär! "Es sind eher 200 Millionen... nicht schlecht für einen gelangweilten 28-Jährigen." Dazu postete er einen Screenshot seiner Wikipedia-Seite und legte im nächsten Eintrag ob Elkingtons Rechtschreibfehler noch nach, dass es in den 50ern wohl keinen Grammatik-Unterricht gab. Rory bester Mann!

Sorry, kann gerade nicht weiterschreiben, muss darüber nachdenken, was ich mit 200 Millionen machen würde... Ronaldo zum VfB holen? Passen Ronaldo und Terodde zusammen?

9. Phil Mickelson - A Grand Slam Dad! Eines ist sicher: Es gibt ganz wenig in Phil Mickelsons Leben, was ihm mehr bedeuten würde als ein US-Open-Sieg. Lefty hat drei Green Jackets, er hat die Open Championship und die PGA Championship gewonnen. Zum Phil-Career-Slam fehlt ihm nur diese vermaledeite US Open, bei der er sechsmal Zweiter geworden ist. Unter anderem damals in Winged Foot, "I am such an idiot", Ihr erinnert Euch alle.

Mickelson würde nahezu alles für eine US-Open-Trophy geben, zumal er selbst am besten weiß, dass er mit 47 Jahren nicht mehr so viele Chancen haben wird. Aber Mickelson ist auch deshalb einer der beliebtesten Superstars weltweit, weil er weiß, dass es noch etwas Wichtigeres im Leben gibt. Nämlich bei der High-School-Abschlussfeier seiner Tochter Amanda dabei zu sein. Einer Abschlussfeier, bei der seine Tochter sogar noch die Rede an alle Absolventen hält. Einen viel stolzeren Moment kann es kaum geben.

Wir können sicher sein, dass Mickelson bis zuletzt darauf hoffte, dass ihm der Wettergott die benötigte vierstündige Unterbrechung schenken würde, dass er es per Privatjet noch rechtzeitig nach Erin Hills geschafft hätte, aber es sollte nicht sein. Amanda, die im Übrigen Ägyptologie studieren will, war dieses Mal wichtiger als sein Ego, seine Karriere, Golf insgesamt. So ließ sich am Vatertag Brooks Koepka als neuer US-Open-Champ feiern, aber der Dad des Jahres ist ganz klar Phil.

P.S.: Trotzdem natürlich ein großes Buh an die Pacific Ridge School, die ihre Abschlussfeier auf den ersten Tag der US Open legt. Amateure.

8. Er heißt nicht Show-flee! Eigentlich waren ja Martin Kaymer und Stephan Jäger nicht die einzigen deutschen Teilnehmer in Erin Hills... Es gab ja noch einen gewissen Alexander Victor Schauffele. Das Problem: Aus Alexander Shau-fah-leh aus Stuggi ist leider Zan-der Show-flee aus La Jolla, Kalifornien geworden.

Die Geschichte in Kurzform: Das deutsche Zehnkampf-Talent Stefan Schauffele aus Stuttgart wurde eines Tages von einem betrunkenen Fahrer in einen verhängnisvollen Unfall verwickelt, der seinen Olympia-Traum beendete, sein linkes Auge erblinden ließ und sein Leben komplett veränderte. Schauffele entschied sich dazu, seinen Traum vom Leben und Studieren in den USA zu verwirklichen. Schauffele zog es nach San Diego, wo er sich in eine taiwanesische Frau verliebte. Vor 23 Jahren erblickte dann Alexander, ähm, Xander, das Licht der Welt.

Schauffele zog es ins Golf-Geschäft (seine Firma stellt u.a. Ball-Marker mit Swarovski-Kristallen her). Er coachte seinen Sohn so gut, dass dieser 2017 sein Rookie-Jahr auf der PGA Tour absolviert und jetzt in Erin Hills mit einem grandiosen fünften Platz zum ersten Mal so richtig auf sich aufmerksam machte. Sportliches Talent lag übrigens auch schon immer in der Familie, Xanders Urgroßvater war in den 1920ern mal Mittelstürmer in der Kampfmannschaft von Rapid! Aus der Kategorie unnützes Wissen und so.

Wie auch immer: Trotzdem heißt das SHAU-fah-leh, Amis! Lernt es!

7. Die 63 für die Ewigkeit! Beste US-Open-Runde der Geschichte im Verhältnis zu Par. Fünfte 63 in der US-Open-Historie. 31. 63er-Runde überhaupt in Majors. Justin Thomas' Runde am Moving Day war vom anderen Stern. Zumal sie noch besser hätte sein können, wenn man an die verpasste Eagle-Chance an der 15 und zwei Bogeys auf der Scorekarte denkt.

Natürlich können wir uns jetzt darüber streiten, wie überragend die Runde war, wenn man die generell so tiefen Scores bedenkt. Dass vor Erin Hills gerade mal sechs Spieler in einer US Open jemals zweistellig unter Par lagen und dass es jetzt auf dem Abschluss-Leaderboard stolze sieben waren? Schon krass. Wenn wir Johnny Miller wären, würden wir alle auch sagen, dass die 63 von Oakmont aus dem Jahr 1973 bei "echten" US-Open-Bedingungen noch höher einzuschätzen ist.

Dennoch bleibt eine 63 eine 63 und das Holz-3 von Thomas an der 18 war ähnlich göttlich und zum Heiraten wie eine Stan-Wawrinka-Rückhand. 310 Yards zur Fahne, die auch noch in einer üblen Position auf dem Grün steckte, und dann packte dieser kleine Freak in der stylischen rosa Hose einen Schlag aus, bei dem er sofort merkte, wie gut er war. Sein Achselzucken in Michael-Jordan-Manier? Großes Kino!

"Oh Gosh, Jimmy. Be Good!", sagte Thomas zu seinem Caddy Jimmy Johnson. Und was sagte der Trottel? "Hast Du ihn gut getroffen?" Herrlich. Ähm, ja. Habe ich. Ich habe ihn getroffen. Gesmoked. Genailed. Gelaunched. An den Stock gezimmert halt! So ähnlich, wie er das Holz 3 schon an der 15 vom Tee getroffen und den Ball mit einem lässigen "Be as good as you look!" begleitet hatte.

Thomas lief zum 18. Grün hoch und wusste, dass er jetzt Geschichte schreiben kann. Er setzte sich auf seine Golftasche, weil sein Mitspieler gefühlte zwei Stunden irgendwo in der Gegend rumspielte, lief entspannt zu seinem Ball und lochte entspannt den Eagle-Putt. 63. Record!

Dass bei JT einen Tag später vom ersten Abschlag an gar nichts mehr lief und er statt mit der Trophy mit einer enttäuschenden 75 ins Clubhaus kam, ja, genau das ist Golf...

6. Jon Rahm und die Coca-Cola-Flasche: Wenn DJ auf der Emotionen-Skala eine -3 ist, gehört Jon Rahm definitiv zu den Zehnern! Der 22-jährige Spanier ist nicht nur ein kommender Superstar, er ist auch ungefähr so leicht reizbar wie der Par-10-Autor.

In Erin Hills lief es für Rahm nach einem bislang überragenden Jahr miserabel (76+73, Cut verpasst), also musste der Frust raus und der Schläger flog. Nicht nur einmal. Viele kritisierten ihn für sein schlechtes Benehmen, das Par-10 ist dagegen klar auf der Seite der Emotionen.

"Ich weiß, dass Golfer alles innerlich mit sich abmachen sollen. Ich wünschte, ich könnte das. Stell' Dir eine Coca-Cola-Flasche vor. Du schüttelst sie einmal. Du schüttelst sie zweimal. Wenn du sie dann öffnest, ist es eine komplette Katastrophe. So geht es mir, wenn ich versuche, es alles in mir drin zu behalten. Manchmal muss ich durchdrehen."

P.S.: Rahm vs. Reed nächstes Jahr beim Ryder Cup bitte!

Seite 1, 10 bis 6: McIlroys 200 Millionen & JT als Michael Jordan

Seite 2, 5 bis 1: #Rickfoundachick & Ich will meine US Open wieder haben!

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