Die Chronologie eines Absturzes

Von Jonas Wäckerle
Dienstag, 02.03.2010 | 12:53 Uhr
Gewohntes Bild im Karlsruher Wildparkstadion: Sebastian Langkamp und Michael Mutzel (r.)
© Getty
Advertisement
International Champions Cup
Sa21.07.
Topspiele im Livestream: FCB - PSG und BVB - Liverpool
International Champions Cup
Live
Man City -
Borussia Dortmund
CSL
Shanghai SIPG -
Guangzhou Evergrande
International Champions Cup
FC Bayern München -
PSG
Club Friendlies
Benfica -
FC Sevilla
Club Friendlies
Marseille -
Villarreal
Club Friendlies
Inter Mailand -
Zenit
J1 League
Kobe -
Shonan
J1 League
Tosu -
Sendai
CSL
Hebei CFFC -
Jiangsu
Allsvenskan
AIK -
Brommapojkarna
International Champions Cup
Liverpool -
Borussia Dortmund
Club Friendlies
Eibar -
Basaksehir
Club Friendlies
Leicester -
Akhisarspor
UEFA Champions League
Ajax -
Graz
Club Friendlies
Huddersfield -
Lyon
Club Friendlies
Marseille -
Real Betis
International Champions Cup
Juventus -
FC Bayern München
International Champions Cup
Borussia Dortmund -
Benfica
International Champions Cup
Man City -
Liverpool
International Champions Cup
AS Rom -
Tottenham
International Champions Cup
AC Mailand -
Man United
International Champions Cup
Atletico Madrid -
Arsenal
Club Friendlies
Blackburn -
Everton
Copa Sudamericana
San Lorenzo -
Temuco
Club Friendlies
Arminia Bielefeld -
SV Werder Bremen
J1 League
Kobe -
Kashiwa
J1 League
Tosu -
Iwata
CSL
Jiangsu -
Shandong Luneng
International Champions Cup
Arsenal -
PSG
Club Friendlies
FC St. Pauli -
Stoke
International Champions Cup
Benfica -
Juventus
International Champions Cup
Chelsea -
Inter Mailand
International Champions Cup
Man United -
Liverpool
International Champions Cup
FC Bayern München -
Man City
International Champions Cup
FC Barcelona – Tottenham
CSL
Guangzhou Evergrande -
Chongqing
Club Friendlies
Groningen -
SV Werder Bremen
Allsvenskan
AIK -
Kalmar
International Champions Cup
PSG -
Atletico Madrid
International Champions Cup
Man United -
Real Madrid
International Champions Cup
Tottenham -
AC Mailand
International Champions Cup
FC Barcelona -
AS Rom
J1 League
Cerezo Osaka -
Kobe
UEFA Champions League
Graz -
Ajax
Club Friendlies
Southampton -
Celta Vigo
International Champions Cup
Arsenal -
Chelsea
International Champions Cup
Benfica -
Lyon
Copa Sudamericana
Sao Paulo -
Colon Santa Fe
Club Friendlies
West Ham -
Angers
Club Friendlies
Brighton -
Sporting
Championship
Reading -
Derby County

Ende 2007 lag der Karlsruher SC in der Bundesliga auf Europapokal-Kurs und die Mannschaft erfrischte die Liga durch freches, unbekümmertes Auftreten. Heute steckt der KSC im Zweitliga-Mittelmaß und gibt in der Öffentlichkeit ein mehr als unglückliches Bild ab. Ein vermeidbarer Absturz: von Selbstüberschätzung, sportlichen Fehlern und Belastungen aus der Vergangenheit.

Fehler 1: Falsche Saisonanalyse:

Nach dem souveränen Aufstieg 2007 lief im ersten Bundesliga-Halbjahr fast alles automatisch. Der KSC nahm die Euphorie mit und überwinterte mit Kontakt zu den Europapokal-Plätzen. In der Rückrunde erlebten die Badener einen bedenklichen Absturz, landeten dank des Punktepolsters aus der Vorrunde allerdings im gesicherten Mittelfeld. Eine trügerische Abschlussplatzierung, deren Gefahr die damaligen Verantwortlichen verkannten.

Statt auf die in der Rückrunde deutlich gewordenen Mängel des Teams zu reagieren, beschränkte sich die sportliche Leitung darauf, die Lücken der Abgänge von Hajnal und Eggimann mit der Verpflichtung von Antonio da Silva und Tim Sebastian eins zu eins zu schließen, auch wenn vor allem da Silva ein völlig anderer Spielertyp als Hajnal war.

Dass da Silva schnell zum Sündenbock wurde und daraufhin sichtlich die Lust verlor und dass Eggimann-Ersatz Sebastian nicht einschlug, mag dann auch Pech gewesen sein. Dass aber beispielsweise auf der Mittelstürmer-Position auf die schon in der Vorsaison nur bedingt torgefährlichen Kapllani und Kennedy vertraut wurde, darf man schon als Naivität bezeichnen.

Fehler 2: Wehrloser Abstieg

In der Abstiegssaison verlebte der KSC einen schleichenden Tod. Recht schnell fand das Team seinen Platz in den Abstiegsrängen, konnte durch die schwache Konkurrenz aber immer wieder die Hoffnung auf den Klassenerhalt aufrechterhalten.

Nach einer verkorksten Hinrunde - der KSC stand mit nur 13 Punkten aber noch auf Platz 15 - reagierte der Verein und holte mit Saglik, Federico und Engelhardt im Nachhinein aber die falschen Spieler. Gerade Federico und Engelhardt wurden zum Sinnbild für eine Mannschaft, die sich ohne den verletzten Einheizer Maik Franz erschreckend gleichgültig ihrem Schicksal ergab.

Diese vermeintliche Gleichgültigkeit gepaart mit der stoischen Art von Trainer Becker sorgte im Laufe der Rückrunde auch für Unmutsäußerungen der Fans, was die Mannschaft noch zusätzlich verunsicherte. Das Bittere: Trotz allem fehlte am Ende nur ein einziger Punkt für das Erreichen des Relegationsplatzes.

Fehler 3: Unendliche Geschichte der Stadionfrage

Schon vor dem Aufstieg in die Bundesliga waren sich die Verantwortlichen einig: Der KSC braucht ein neues Stadion oder zumindest einen modernisierten Wildpark. Das marode Stadion erfüllte kaum noch die DFL-Auflagen, die spartanischen VIP-Bereiche generierten kaum Sponsorengelder und auch die vorhandene Tartanbahn war vielen ein Dorn im Auge.

Das Stadionprojekt wurde von Vereinsseite offensiv angegangen, in die Öffentlichkeit getragen und geriet im Laufe der Zeit immer mehr zur Farce.

Da der KSC - der immer noch unter den finanziellen Verfehlungen der Vergangenheit leidet - das Stadionprojekt allein nicht stemmen konnte, war der Verein auf die Unterstützung der Stadt angewiesen. Und hier gab es gleich erste Unstimmigkeiten: Der Verein wollte einen neuen Standort, die Stadt bevorzugte den Umbau des Wildparkstadions.

Es folgten Unmengen an Verhandlungen und unzählige Beschlüsse, die den Fan jeden Monat aufs Neue irritierten. Zwischendurch schien ein Neubau beschlossen, der KSC erhielt die Unterstützung der Stadt, musste sich aber um einen Standort, die Projektplanung und einen Großinvestor kümmern.

Doch gerade bei der Standortsuche machte die Vereinsführung eine unglückliche Figur: Zwei Standorte standen zur Diskussion. Beim Standort Durlach überschätzte der Verein seine eigene Strahlkraft und scheiterte letztlich am Veto der Besitzer der potentiellen Baufläche. Beim zweiten Standort - direkt an der Autobahn - wurden die Kosten massiv unterschätzt.

Symptomatisch: Ex-Präsident Hubert H. Raase soll im Rahmen der Stadionplanung eigens nach Berlin gefahren sein, um dort mit Bahn-Chef Mehdorn über den Kauf eines potentiellen Geländes zu verhandeln. Blöd nur, dass die Deutsche Bahn mittlerweile gar nicht mehr für das Gelände zuständig war.

Zudem ließen vermeintliche Kleinigkeiten - wie zum Beispiel die Kapazitätsfrage - unnötig viel Zeit verstreichen, welche wiederum das ganze Projekt zum Einsturz brachten. Als die Rahmenbedingungen endlich weitgehend geklärt wurden, kam die Wirtschaftskrise und damit der Absprung eines möglichen Investors und durch den sich langsam abzeichnenden Abstieg verlor der KSC endgültig sein bestes Argument in der Debatte.

Heute gibt sich der Verein in der Stadionfrage sehr defensiv. Geplant wird weiterhin, doch mittlerweile ist die vom Verein ungeliebte Modernisierung des alten Wildparks die wahrscheinlichste Alternative.

Fehler 4: Stagnation und Selbstzufriedenheit

Ex-Präsident Raase und Ex-Manager Rolf Dohmen haben in der 2. Liga zweifellos einen guten Job gemacht. Der Aufstieg 2007 war - betrachtet man die finanziellen Möglichkeiten - nicht zu erwarten und das Ergebnis kontinuierlicher Arbeit.

Doch das schienen auch die Betroffenen selbst zu wissen. Statt die neuen Möglichkeiten der Bundesliga umfassend auszunutzen, ruhte man sich zu sehr auf den erarbeiteten Lorbeeren aus.

Zwar wurden die Schulden in den letzten Jahren weiter abgebaut, doch davon abgesehen ist das Ergebnis aus zwei Jahren Bundesliga ernüchternd: Das gescheiterte Stadionprojekt, schlechte Infrastruktur, keine lukrativen Sponsorenverträge, und Merchandising sowie Ticketing auf Drittliga-Niveau. Bestes Beispiel: Beim Dauerkartenverkauf nach dem Aufstieg unterschätzte der Verein die Anfrage der Fans exorbitant, als die Anhänger dank nur zweier geöffneter Ticket-Schalter über zwei Tage verteilt bis zu 15 Stunden anstehen mussten.

Publikumsliebling und Kapitän Maik Franz fasste nach seinem Abschied kritisch zusammen: Drei Jahre sei er beim KSC gewesen, sagte der Verteidiger. Drei sehr schöne Jahre, in denen aber vor allem in Sachen Infrastruktur und Rahmenbedingungen "nichts passiert" sei.

Fehler 5: Das unglückliche Debüt des neuen Präsidenten

Heute hat der KSC eine neue Führungsriege: Paul Metzger - ein erfolgreicher Bürgermeister ohne Stallgeruch - setzte sich im Kampf um das Präsidentenamt gegen Rolf Kahn, ehemaliger KSC-Profi und Vater von Oliver Kahn, durch. Den sportlichen Bereich leitet Arnold Trentl, der sich öffentlich weitgehend zurückhält.

Doch gerade Neu-Präsident Metzger gibt in der Öffentlichkeit ein unglückliches Bild ab. Als die Trennung von Dohmen ein paar Stunden zu früh von KSC-Trainer Schupp verkündet wurde, reagierte Metzger äußerst dünnhäutig und eingeschnappt. Der KSC gab prompt eine fragwürdige Pressemitteilung heraus, in der man sich über das Verhalten von Schupp und Dohmen echauffierte. Die Machtverhältnisse mussten öffentlich klargestellt werden, auch wenn es dem Verein schadete.

In der Winterpause schrieb Metzger das nächste Kapitel der KSC-Selbstüberschätzung. Statt die eigenen Probleme anzugehen, schaute der Präsident nur auf die Tabelle und setzte die Mannschaft unnötig unter Druck. Da der Rückstand auf Platz drei nur sechs Punkte betrug, redete Metzger schon wieder vom Aufstieg.

Alle Informationen zum Karlsruher SC

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung