Ibrahima Traore im Porträt

Traore: Augsburgs Waffe war ein Schnäppchen

Von Stefan Rommel
Montag, 21.12.2009 | 13:21 Uhr
Ibrahima Traore spielt seit dieser Saison für den FC Augsburg
© Imago
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Ibrahima Traore ist vor dem letzten Spieltag der Hinrunde gegen den 1. FC Kaiserslautern (20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY) eine der gefährlichsten Waffen des FC Augsburg. Der 21-Jährige ist eine der Entdeckungen der 2. Liga. Dabei wäre der Flügelflitzer beinahe in Berlin versauert. Jetzt dürfte sich die Hertha für ihre Fahrlässigkeit selbst ohrfeigen.

Andreas Rettig ist ein erfahrener Manager. Seit 20 Jahren ist der 46-Jährige schon im deutschen Profi-Fußball unterwegs.

Unzählige Transfers gingen in Leverkusen, Freiburg, Köln und Augsburg über seinen Tisch. Aber so einer wie im Sommer 2009 gelingt auch einem alten Hasen wie Rettig nur sehr selten.

Bereits vor der letzten Saison war der FC Augsburg hinter einem 20-jährigen Talent her, das in Berlin in der Regionalligamannschaft der Hertha ein mehr oder weniger kümmerliches Dasein fristete.

Ibrahima Traore war längst nicht mehr zufrieden bei der Hertha. Im Sommer 2006 war der 62-Kilo-Floh aus der fünften französischen Liga vom SC Levallois in die deutsche Hauptstadt gewechselt. Perspektivspieler ist sein Attribut, der damalige Trainer Falko Götz hat aber überhaupt keine Verwendung in der Profimannschaft.

Traore: "Es war eine schwierige Zeit"

Also landet Traore bei Karsten Heines Amateurteam in der Regionalliga Nord. "Es war eine schwierige Zeit", erinnert sich Traore im Gespräch mit SPOX. "Aber nach einem schweren Start habe ich mich doch anbieten können."

Im Abstiegsjahr der Hertha-Bubis ist Traore ein kleiner Lichtblick. Als Belohnung winkt ein Platz im Kader der Profis. Mit Lucien Favre ist ein neuer Trainer da, der die Mannschaft nach seinen Vorstellungen um- und viele neue Spieler einbaut.

"Da hatte ich mir schon große Hoffnungen gemacht, dass auch ich ein Teil der Hertha-Mannschaft werden könnte", sagt Traore rückblickend. Am Ende steht ein 17-minütiger Einsatz gegen den 1. FC Nürnberg. Mehr nicht.

Der FCA ist da schon auf seiner Spur und fragt im Sommer 2008 in Berlin an. Favre lässt seinen Flügelspieler aber nicht gehen. Augsburg verliert eine Option, Traore ein weiteres Jahr. Verzweiflung macht sich breit, trotzdem macht er in der zweiten Mannschaft der Berliner in 28 Spielen immerhin noch sieben Tore.

Wohl auch deshalb bleibt Augsburg hartnäckig und fragt noch mal an. Diesmal ist Favre nur allzu gesprächsbereit. Der Schweizer und Neu-Sportdirektor Michael Preetz lassen Traore gehen und der FCA reibt sich vermutlich noch heute verwundert die Augen.

Für eine lächerliche Summe zum FCA

Lächerliche 50.000 Euro fließen Richtung Berlin. Ein Witz, wie sich schon sehr schnell herausstellen sollte. Nach drei Spielen ist Traore Stammspieler beim FCA und vor dem letzten Spieltag der Hinrunde gegen den 1. FC Kaiserslautern eine der gefährlichsten Waffen im Team von Trainer Jos Luhukay.

Elf Scorerpunkte in 13 Spielen können sich wirklich sehen lassen, Traore entwickelt sich zu einem der besten Flügelspieler der Liga. Auch ein Verdienst von Luhukay und dessen Offensivgedanken.

"Der Trainer lässt mich spielen. Das ist zunächst das Wichtigste. Und dann lässt er mich noch meine Art von Fußball spielen - das ist für mich ebenfalls sehr wichtig. 'Mach einfach deine Sache, geh ins Eins-gegen-eins', sagt er immer zu mir. Er bestärkt mich in meinem Spiel und das gibt mir Sicherheit, auch wenn nicht immer alles funktioniert", erklärt Traore.

Seine Stärke: Präzise Flanken

Zusammen mit Marcel Ndjeng bildet der mittlerweile 21-Jährige eine Flügelzange alter Prägung, die beide sehr variabel interpretieren. Sie sind die Antriebsfedern des Augsburger Spiels.

"Wir wechseln vier-, fünfmal pro Spiel die Seiten. Dabei ist es mir eigentlich egal, wo ich spiele. Links geht es häufig die Linie entlang, von der rechten Seite ziehe ich gerne zur Mitte und suche den Torabschluss", sagt Traore.

Manchmal übertreibt er es noch mit seinem Ehrgeiz, dann will er zu schnell zu viel. Dann wälzt er sich vor Zorn auf dem Rasen oder schimpft minutenlang vor sich hin. "Ich muss manchmal ruhig bleiben", sagt er selbst.

Seine fußballerischen Qualitäten wiegen gelegentliche Aussetzer aber auf. Die Präzision seiner Flanken etwa, die auch im Vollsprint zielgenau einen Abnehmer finden. Keine alltägliche Qualität in der 2. Liga.

"Das habe ich in Berlin mit meinem damaligen Amateurtrainer Karsten Heine viel trainiert. Das ist keine Gabe, sondern hartes Training."

Der kleine Traore träumte von Del Piero

So hart wie sein Leben. Traore wächst im Pariser Vorort Charenton auf, als Kind einer Libanesin und eines Guineers. Die klassische zweite Generation, wie es sie in den unzähligen Vororten Paris' zu tausenden gibt. Mit 18 wagt er den Schritt hinaus in die Welt.

"Trotz aller Probleme, die wir hatten, war das schon ein einschneidendes Erlebnis für mich. Ich war immer mit meiner Familie zusammen, habe alles mit ihnen besprochen."

Mit seinem Bruder hat er immer von Alessandro Del Piero geträumt. "Er ist großer Juve-Fan und ich ein Bewunderer von Del Piero. Er ist mein großes Idol. Früher habe ich selbst auf der Zehn gespielt. Damals habe ich alle Freistöße geschossen. Und Del Piero war in dieser Disziplin einfach überragend. Wen ich auch immer noch sehr bewundere, ist Ryan Giggs. Ein fantastischer Spieler!"

Ein Spiel gegen die Größen des Weltfußballs wird für Traore wohl für immer unerreichbar bleiben. Die Bundesliga aber nicht. Zuletzt soll der 1. FC Köln sein Interesse bekundet haben. Für Traore ist das kein Thema. Vielmehr will er mit dem FCA nach oben.

Ziel: Mit dem FCA in die Bundesliga

"Wir haben leider etwas zu oft unentschieden gespielt. Wenn wir noch ein bisschen zulegen können, werden wir eine gute Rolle spielen im Kampf um den Aufstieg."

Es wäre die vorläufige Krönung einer Karriere von der fünften bis in die erste Liga. Aber noch nicht das Happy-End. Traore ist zwar französischer Staatsbürger, sein Traum bleibt aber ein Einsatz für das Land seiner Eltern.

"Meine Mutter ist im Libanon aufgewachsen, aber auch in Guinea geboren. Wenn ein Verband anrufen würde, müsste ich mich zwar zuerst mit meiner Familie besprechen. Aber am liebsten würde ich für Guinea spielen."

Zum Steckbrief: FC Augsburg

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