"Andersen? Sofort verhaften!"

Von Interview: Daniel Börlein
Sonntag, 25.05.2008 | 18:32 Uhr
Mainz 05, Harald Strutz, Jürgen Klopp, Jörn Andersen
© Getty
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München - Jürgen Klopp war gerade weg, da präsentierte der FSV Mainz 05 schon den Nachfolger: Jörn Andersen ist der neue Trainer in der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz.

Nachdem die Mainzer den Aufstieg knapp verpasst hatten, war es klar, dass Klopp den Verein nach 18 Jahren verlassen würde.

Trotz der tiefen Trauer über die schmerzliche Trennung, ließ der Nachfolger nicht lange auf sich warten. Bereits am Dienstag unterschrieb Andersen in Mainz.

Doch ist der Norweger der richtige Mann für einen Neubeginn? SPOX.com hat bei Präsident Harald Strutz nachgefragt:

SPOX: Turbulente Tage in Mainz: Aufstieg verpasst, Jürgen Klopp weg, Jörn Andersen da. Das ging alles sehr schnell.

Harald Strutz: Es war sehr wichtig, nach dem verpassten Aufstieg und dem damit verbundenen Abgang von Jürgen Klopp, schnell zu reagieren. Wir haben mit Jörn Andersen einen Mann gefunden, der beim Verein, unseren Fans und auch bei Jürgen Klopp die Anerkennung hat. Vor allem, weil er ein Mann mit breiten Schultern und ein gestandener Trainer ist.

SPOX: Der mit Offenbach allerdings gerade aus der 2. Liga abgestiegen ist.

Strutz: Wir wussten natürlich, dass dieses Argument immer wieder angeführt werden wird. Aber jeder weiß auch, dass Andersen nun bei Mainz 05 seine beste Mannschaft trainieren wird. Ich glaube, dass wir ihm hier ein großes Spielerpotenzial bieten können. Ich denke, dass unsere Fans nun auch einen anderen Trainertyp akzeptieren müssen und werden.

SPOX: Sie haben angesprochen, dass Andersen auch von Klopp anerkannt wurde. Sie haben demnach mit Kloppo seine Nachfolge besprochen?

Strutz: Wenn man 18 Jahre mit einem Trainer zusammenarbeitet und dadurch einen so engen Kontakt aufbaut, dann setzt man sich natürlich schon zusammen und überlegt, welches Anforderungsprofil der neue Mann haben muss. Klopp kennt Andersen aus zahlreichen Lehrgängen. Seine Reaktion auf den Vorschlag Jörn Andersen war: „Wenn das möglich ist, sofort verhaften!"

SPOX: An Klopps Erbe wird Andersen wohl aber schwer zu tragen haben.

Strutz: Es ist immer ganz gut, dass, wenn ein solcher Trainer wie Jürgen Klopp hier weggeht, dann für den neuen Trainer eine spannungsfreie Atmosphäre entsteht. Das ist nun der Fall, auch indem sich Klopp für Andersen ausgesprochen hat. Das macht mich sehr ruhig, muss ich sagen.

SPOX: Der Trainer ist nun ein neuer, das Ziel bleibt wohl aber dennoch das alte. Im kommenden Jahr will Mainz wieder aufsteigen?

Strutz: Wir waren ja auch schon in der Bundesliga. Was uns fehlt, ist das nötige Geld. Wir sind nicht in der Lage so zu investieren, wie es insbesondere Hoffenheim gemacht hat. Wenn jemand gekommen wäre und hätte mir diese Millionen gegeben, dann hätte ich sie auch investiert. Da stelle ich mir dann allerdings die Frage: Ist es wirklich eine Kunst, dann aufzusteigen?

SPOX: Aus Ihrer Sicht offenbar nicht wirklich?

Strutz: Es ist viel wichtiger, einen Verein aufzustellen, der dann trotz geringerer finanzieller Mittel einen solchen Erfolg hat. Da spreche ich nicht nur für Mainz, sondern auch für Vereine wie Freiburg, Fürth oder Aachen. Mit anderen Klubs sind wir ja rein wirtschaftlich nicht mehr vergleichbar.

Die einen, wie Gladbach und Köln, haben die großen Stadien und Tradition, die anderen, wie Hoffenheim, haben das große Geld und kriegen das noch geschenkt. Das könnte man nun als Neid auslegen. Aber es ist doch so, dass es eben nicht nur am Sportlichen liegt, dass wir es in diesem Jahr nicht geschafft haben.

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