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Frauen-WM - "Überzeugt uns Männer": FIFA-Präsident Gianni Infantino erntet Kritik für Forderung

Von Niklas Staiger / SID
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© getty

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat kurz vor Ende der WM in Australien und Neuseeland in einer Rede alle Frauen aufgefordert, die "richtigen Kämpfe" zu kämpfen und "uns Männer" von ihrer Mission zu überzeugen. Das stieß auch bei aktiven Spielerinnen auf Kritik. Gleichzeitig verteidigte Infantino die Ausweitung des Turniers auf 32 Teams.

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"Sucht euch die richtigen Kämpfe aus. Ihr habt die Kraft, etwas zu verändern!", richtete der Präsident seine Worte "an alle Frauen". "Und Sie wissen, dass ich vier Töchter habe, ich habe also einige zuhause", setzte er seine Rede fort. Er erklärte, dass "ihr Frauen die Macht habt, uns Männer davon zu überzeugen, was wir zu tun und zu lassen haben. Macht es einfach. Mit Männern, mit der FIFA, werdet ihr immer offene Türen vorfinden. Öffnet die Türen einfach."

Bei einigen kam dieser Appell nicht gut an. Vor allem der Fakt, dass er Frauen dazu aufforderte, ihn von etwas zu "überzeugen", sorgte für Kritik. So auch bei der norwegischen Topspielerin Ada Hegerberg. Sie zitierte auf Twitter den Ausschnitt der Rede mit dem ironischen Kommentar: "Arbeite gerade an einer kleinen Präsentation, um Männer zu überzeugen. Wer ist dabei?"

Infantino sieht Ausweitung der Frauen-WM als Erfolg

Für Infantino war die Ausweitung der WM auf 32 Teams zudem ein voller Erfolg. "Es tut mir leid, aber wie so oft in den letzten Jahren hatte die FIFA wieder einmal recht", sagte der Schweizer in Sydney. Die von Kritikern befürchteten zweistelligen Ergebnisse hab es nicht gegeben, das Turnier sei "das größte und beste" der Geschichte gewesen.

Die FIFA hatte im Juli 2019 für eine Vergrößerung des Turniers von 24 auf 32 Mannschaften gestimmt. "Ich erinnere mich noch, wie die üblichen Kritiker - die immer weniger werden - gesagt haben, dass es nicht funktionieren wird und das Niveau zu unterschiedlich ist. Es würde Ergebnisse wie 15:0 geben, das wäre schlecht für den Frauenfußball und sein Image", sagte Infantino.

Dazu kam es aber nicht: Für den höchsten Sieg "Down Under" sorgten die Niederlande beim 7:0 gegen Vietnam, weitere hohe Erfolge gab es für Deutschland (6:0 gegen Marokko) und Norwegen (6:0 gegen die Philippinen). Vor vier Jahren hatte vor allem das 13:0 der USA gegen Thailand für Aufsehen gesorgt.

In Australien und Neuseeland schrieben die vermeintlich kleinen Nationen dagegen viele positive Schlagzeilen. Jamaika, Marokko und Südafrika erreichten die K.o.-Runde - anders als Mitfavoriten wie Deutschland oder Brasilien.

Hinzu kämen weitere positive Zahlen, so Infantino. Die schon jetzt 1,85 Millionen Fans in den Stadien seien ein Rekord. Zudem habe die WM "Einnahmen von mehr als 570 Millionen US-Dollar (ca. 525 Millionen Euro) generiert, wir haben also die Gewinnschwelle erreicht", sagte er.

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