Belgien wirft Brasilien aus der WM: Die endgültige Streichung des "Geheim"

Samstag, 07.07.2018 | 11:48 Uhr
Belgien steht nach dem Sieg gegen Brasilien im WM-Halbfinale, dort wartet nun Frankreich.
© getty
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Belgien hat den großen Favoriten Brasilien besiegt und ist zum zweiten Mal ins WM-Halbfinale eingezogen. Die taktische und individuelle Leistung überzeugte wohl auch die letzten Kritiker davon, dass Belgien mehr als ein Geheimfavorit ist. Doch die furiose erste Hälfte ist nur ein Teil der Wahrheit.

"Aus taktischen Gründen habe ich noch nie ein Spiel verloren." Roberto Martinez strotzte im Moment des großen Triumphes vor Selbstbewusstsein. Er konnte die Frage danach gar nicht verstehen, ob er verwundert sei, dass seine taktischen Kniffe so gut gegriffen hatten.

Tatsächlich lieferte der 44-Jährige bei Belgiens Viertelfinalpartie gegen den großen Turnierfavoriten zumindest in der ersten Halbzeit sein taktisches Meisterstück ab.

Eigentlich war es im Vorfeld der WM ja sein größter Verdienst gewesen, Kevin de Bruyne ins zentrale Mittelfeld zurückbeordert zu haben, damit dieser und Eden Hazard sich in der Offensive nicht zu sehr auf den Füßen standen. Bis zu diesem Zeitpunkt der Endrunde war diese Formel aufgegangen. De Bruyne kam aus der Tiefe und spielte neben Axel Witsel den zweiten Achter.

Von dieser Ausrichtung rückte Martinez gegen Brasilien ab, aus Respekt vor dem Gegner: "Brasilien ist für mich das beste Team des Turniers und völlig zweifelsfrei die größte Bedrohung aus dem Spiel heraus. Deswegen mussten wir uns etwas einfallen lassen und 90 Minuten gut verteidigen", begründete Martinez seine Anpassungen.

Also brachte er Nacer Chadli für Yannick Ferreira-Carrasco als defensivstärkeren linken Verteidiger. Und noch spielentscheidender: Er stellte Marouane Fellaini als zweiten zweikampfstarken Sechser neben Witsel und schob de Bruyne nach vorne. Für mehr defensive Stabilität und mehr offensive Anarchie. Die Überlegungen griffen.

De Bruyne, Lukaku und Hazard mit grandioser Halbzeit

Denn was der Star von Manchester City dort gemeinsam mit Romelu Lukaku von Manchester United und Eden Hazard vom FC Chelsea veranstaltete, war eine Halbzeit lang Umschaltfußball in Perfektion. Das Trio brachte die brasilianische Hintermannschaft durch seine ständigen Positionsrochaden, die Kombinationen in hohem Tempo und die gefährlichen Abschlüsse zwischenzeitlich ganz schön ins Schwimmen.

"Wenn du gegen Brasilien gewinnen willst, musst du taktisch überlegen sein", analysierte Martinez, "denn gegen sie gibt es natürliche psychische Grenzen. Alleine wegen der gelben Trikots, der fünf WM-Titel und allem, was damit zusammenhängt. Wir mussten sehr diszipliniert spielen."

Roberto Martinez macht aus Belgien eine Mannschaft

Martinez hat es geschafft, aus einer Ansammlung von potentiellen Egozockern eine Einheit zu formen, bei der sich jeder selbst für weniger wichtig nimmt als die taktische Ausrichtung. Diese taktische Ausrichtung gegen Brasilien war es eben, Spieler, die eigentlich prädestiniert für einen dominanten Ballbesitzfußball sind, in eine destruktive Umschaltmannschaft von oberster Güteklasse zu verwandeln.

So zog Belgien Brasilien innerhalb von einer Halbzeit den Zahn, in der das 2:0 verdient war. "Wir haben unsere Taktik angepasst und das hat eine Hälfte lang sehr gut funktioniert. In der zweiten Halbzeit war Brasilien besser als wir. Es war ein Charaktertest in den letzten 15 Minuten, aber wir haben genug dafür gemacht, dieses Spiel zu gewinnen", sagte Matchwinner Kevin de Bruyne.

Belgien beeindruckte mit dieser Leistung und überzeugte wohl auch die letzten Skeptiker. Obwohl in den Reihen der Red Devils zahlreiche Starspieler aus der Premier League spielen und diese seit der Amtsübernahme von Martinez taktisch wie eine Mannschaft auftreten, waren sie nicht auf vielen Listen der absoluten Topfavoriten auf den WM-Titel.

Belgien nicht mehr nur Geheimfavorit

"Geheimfavorit" ist bei Belgien nicht nur das Unwort dieses Jahres. Es ist das Unwort einer gesamten Generation. Spätestens mit dem Auftritt gegen Brasilien - zumindest in der ersten Halbzeit - ist das "Geheim" offiziell gestrichen. Logisch, schließlich sind nur noch vier Mannschaften im Turnier. Unterschätzen wird definitiv auch Frankreich die Belgier nicht.

Die Euphorie ist jedoch nicht die gesamte Wahrheit. Die Wahrheit geht über die starke taktische Leistung und den perfekten Umschaltfußball hinaus. Schließlich ist es keineswegs so, dass Belgien Brasilien nach allen Regeln der Kunst in seine Einzelteile zerlegte.

Schiedsrichterglück, Chancenverwertung, Courtois-Leistung

Stattdessen kamen verschiedene Faktoren zusammen. Wie zum Beispiel Schiedsrichterglück: Milorad Mazic verweigerte den Brasilianern einen Elfmeter, als Vincent Kompany Gabriel Jesus von den Beinen holte. Dass das Schiedsrichtergespann sich trotz Ansicht der TV-Bilder durch den VAR nicht auf Strafstoß entschied, ist unerklärlich.

Zudem profitierte Belgien von der mangelhaften Chancenverwertung der Brasilianer. Insgesamt schoss die Selecao 27-mal aufs Tor (Belgien neunmal), alleine in der zweiten Halbzeit entwickelte sich mit 17:1 Torschüssen (!) ein Scheibenschießen.

Seinen Anteil daran, dass dennoch nur ein Ball im Tor landete, hatte Thibaut Courtois. Der belgische Keeper zeigte eine der stärksten Torhüterleistungen des bisherigen Turniers und wehrte insgesamt neun Schüsse ab - darunter zwei überragende Paraden gegen Philippe Coutinho.

Natürlich darf darüber hinaus bei der Bewertung nicht unter den Tisch fallen, wie die Tore gefallen sind. Ja, Belgien hat die Räume zum Kontern besser und effizienter bespielt als die Mexikaner, die im Achtelfinale gegen Brasilien ähnliche Chancen teilweise auf hanebüchene Art und Weise liegen gelassen hatten. Doch unter dem Strich fiel auf diese Weise eben nur de Bruynes 2:0 (wenn auch in perfekter Ausführung) und der andere Treffer war ein krummes Eigentor nach einer Ecke.

Belgien mit dem nötigen Spielglück eines Titelfavoriten

Die Euphorie ist berechtigt. Dass am Ende die Belgier jubelnd vor ihren Fans und die Brasilianer um Superstar Neymar mit gesenkten Köpfen auf dem Rasen standen, lag jedoch nicht an einer bahnbrechenden Überlegenheit über 90 Minuten, sondern an Kleinigkeiten. Stichwort Spielglück.

Genau das ist es allerdings auch, was in großen Turnieren am Ende den Ausschlag geben kann. Deutschland spielte 2014 in der K.o.-Runde (außer Brasilien) auch niemanden an die Wand, sondern hatte die Details auf seiner Seite.

Es sind mindestens die Zutaten für einen Favoritenstatus. Und dafür, das verdammte Unwort "Geheimfavorit" zu begraben...

Belgiens Abschneiden bei den letzten großen fünf Turnieren

WettbewerbErreichte RundeGegnerErgebnis
EM 2016ViertelfinaleWales1:3
WM 2014ViertelfinaleArgentinien0:1
WM 2002AchtelfinaleBrasilien0:2
EM 2000GruppenphaseItalien, Türkei, Schweden-
WM 1998GruppenphaseNiederlande, Südkorea, Mexiko-
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