Gruppe G: Brasilien - Elfenbeinküste 3:1

Demel im Interview: "Kaka hatte noch Glück!"

Von Für SPOX in Johannesburg: Stefan Rommel
Montag, 21.06.2010 | 08:39 Uhr
Schiedsrichter Stephane Lannoy stellte in der 88. Minute Brasiliens Mittelfeldstar Kaka vom Platz
© Getty
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Mit dem deutlichen Sieg gegen die Elfenbeinküste steht Brasilien bereits sicher im Achtelfinale, den Afrikaner dagegen droht das Aus. Eine sehr emotionale - und phasenweise überharte - Partie, die auch nach Schlusspfiff noch für Diskussionen sorgte. SPOX sprach mit HSV-Profi Guy Demel (29) über die weiteren Chancen der Ivorer, die strittige Rolle des Schiedsrichters, die Tätlichkeit von Kaka und ein irreguläres Tor.

SPOX: Herr Demel, die Elfenbeinküste steht nach dem 1:3 gegen Brasilien vor dem Aus. Was hat gegen den Rekord-Weltmeister den Unterschied gemacht?

Guy Demel: Der Unterschied war nicht so groß. Die hatten vier Chancen und haben daraus drei Tore gemacht. Dabei war das zweite Tor sogar noch irregulär, weil gleich ein doppeltes Handspiel vorlag. Das ist sehr ärgerlich.

SPOX: Nach dem Spiel haben sich beide Trainer über den Schiedsrichter beschwert. Wie haben Sie seine Leistung gesehen?

Demel: Ich habe wirklich viel Respekt vor Carlos Dunga. Er war ein großer Spieler und ist ein hervorragender Trainer. Aber an seiner Stelle wäre ich lieber ein bisschen ruhiger. Dass ein Schiedsrichter so ein Tor gibt, ist ja schon merkwürdig...

SPOX: Es war nicht die einzige strittige Szene...

Demel: Kaka hätte schon früher runterfliegen müssen. Er hatte mit zwei Gelben Karten ja noch Glück. Jetzt verpasst er nur ein Spiel.

SPOX: Was meinen Sie damit?

Demel: Er hatte vorher schon eine Szene, als er einem am Boden liegenden Spieler mit dem Fuß einen mitgibt. Wenn einer unserer Spieler das gemacht hätte, hätte er sofort Rot gesehen. Dabei war selbst Kakas zweite Gelbe eigentlich glatt Rot, es war eine Tätlichkeit. Trotzdem muss man auch sagen, dass Brasilien eine gute Mannschaft hat und das Spiel verdient gewonnen hat.

SPOX: Welche Fehler hat Ihre Mannschaft gemacht?

Demel: Wir hatten in der ersten Halbzeit einige Möglichkeiten, als wir den Ball tief in der gegnerischen Hälfte gewonnen haben, aber die Konter zu schlecht ausgespielt haben. Als wir dann auch noch in Rückstand geraten sind, wird es gegen eine Mannschaft wie Brasilien doppelt schwer.

SPOX: Und jetzt schauen Sie gebannt auf das Spiel zwischen Nordkorea und Portugal...

Demel: Ja, das wird für uns eine wichtige Partie werden, obwohl wir selbst gar nicht daran teilnehmen. Aber das ist nicht das Entscheidende. Sondern wir müssen im letzten Spiel gegen Nordkorea für uns und unser Land einen Sieg holen. Dann ist vielleicht noch alles möglich.

SPOX: Wie groß schätzen Sie die Chancen noch ein?

Demel: Wir warten jetzt erstmal ab. Aber wir werden unsere Chance versuchen zu nutzen, auch wenn sie noch so minimal ist. Wir haben uns ja auch erst in letzter Minute unser Ticket für die WM gesichert. Wir kennen das also schon.

SPOX: Sie spielen in der so genannten Todesgruppe, wie schon 2006. Hadern Sie damit?

Demel: Das nicht. Aber es ist schon die schwerste Gruppe, die wir erwischt haben. Wenn wir eine andere Gruppe erwischt hätten, würde einiges schon anders aussehen. Und dann kommt noch der Spielplan dazu: Zuerst gegen Portugal, dann gegen Brasilien. Wieso nicht zuerst gegen Nordkorea? Dann könnten die Dinge schon ganz anders laufen. Aber das ist jetzt eben so.

SPOX: Woran liegt das bisher dürftige Abschneiden der afrikanischen Mannschaften bei der ersten WM auf dem eigenen Kontinent?

Demel: Ich will nicht viel über andere Mannschaften sprechen. Aber ich sehe Ghana noch mit guten Chancen, auch wenn sie gegen Deutschland ein schweres Spiel vor sich haben.

SPOX: Glauben Sie, dass das Turnier und die Stimmung darunter leiden könnten, wenn bald keine afrikanische Mannschaft mehr dabei ist?

Demel: Natürlich wäre das eine große Enttäuschung für die Leute in Afrika. Aber das Fest bleibt doch das Fest. Vorher gab es so viele Skeptiker, dabei ist das Turnier jetzt doch super organisiert. Alles läuft gut. Ich glaube, dass auch ohne afrikanische Mannschaften noch genügend Spaß und Freude vorherrschen werden.

SPOX: Wie sehen Ihre Planungen für die Zeit nach dem Turnier aus?

Demel: Ich habe drei Wochen Urlaub. Dann kehre ich zurück nach Hamburg.

SPOX: Haben Sie derzeit Kontakt zum HSV?

Demel: Mit dem Trainer noch nicht, aber mit einigen anderen wie Marinus Bester zum Beispiel.

SPOX: Es gab Gerüchte, dass der Verein nicht mehr mit Ihnen planen würde. Bleiben Sie in Hamburg?

Demel: Ich hatte mit dem Vorstand ein Gespräch vor der WM. Aber der Trainer muss das entscheiden. Nur muss auch ich für mich selbst entscheiden, ob ich in Hamburg bleibe. Ich fühle mich wohl. Aber es muss auch etwas vom Verein kommen. Ich muss das Gefühl haben, dass ich wichtig bin. Wenn das nicht der Fall ist, dann werde ich mich nach was anderem umschauen

Analyse: Klarer Sieg, viel Gesprächsstoff

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