Samstag, 19.06.2010

England - Algerien 0:0

Rooney und Co. gegen die eigenen Fans

Nach dem enttäuschenden 0:0 gegen Algerien liegen bei den Three Lions die Nerven blank. Die sonst so loyalen Fans buhten ihr Team aus, Wayne Rooney fluchte in eine TV-Kamera und ein Anhänger stürmte sogar die Mannschaftskabine.

Wayne Rooney erzielte in 62 Spielen für die Three Lions 25 Tore
© Getty
Wayne Rooney erzielte in 62 Spielen für die Three Lions 25 Tore
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Die Prinzen William und Harry langweilten sich auf der Tribüne, Edel-Maskottchen David Beckham vergrub auf der Bank immer wieder das Gesicht in den Händen, und 30.000 englische Fans im Stadion stimmten ein gellendes Pfeifkonzert an: Nach einer der schlechtesten Vorstellungen der Three Lions seit Jahren war die gesamte WM-Euphorie des Fußball-Mutterlands verflogen. Wo zuvor noch vom Titel geträumt wurde, begann nach dem trostlosen 0:0 gegen Algerien das große Zittern um das Erreichen des Achtelfinals.

Bei den Spielern stieß die Enttäuschung der Anhänger über einen ebenso ideen- wie lustlosen Auftritt des Mitfavoriten in Kapstadt allerdings auf völliges Unverständnis.

"Das ist echte Unterstützung - verdammter Mist", entfuhr es dem sichtlich genervten Wayne Rooney. "Toll zu erleben, wie deine eigenen Fans dich ausbuhen", schimpfte der Stürmerstar von Manchester United, ehe er sich mit einem Kopfschütteln abwandte.

Rooney entschuldigt sich nach Fan-Kritik

Rooneys Teamkollegen hatten da schon längst fluchtartig das Spielfeld verlassen. Auch Sturmpartner Jermain Defoe zeigte sich von der Reaktion der Zuschauer irritiert: "Es ist nicht schön, wenn man ausgebuht wird, vor allem wenn man sein Bestes gibt, und es die Sache nicht gerade leichter macht."

Knapp 24 Stunden war Rooney aber schon wieder ganz kleinlaut. "Ich entschuldige mich", sagte er in einem TV-Interview: "Wenn es um die englische Mannschaft geht, bin ich genauso leidenschaftlich wie jeder andere. Aber letzte Nacht habe ich in der Hitze des Gefechts Dinge gesagt, die im Rückblick aus der Frustration über unsere Leistung und das Ergebnis entstanden sind."

Fan stürmte die Mannschaftskabine

Ein frustrierter Fan hatte sogar die Mannschaftskabine gestürmt und dabei alle Sicherheitsbarrieren überwunden. Erst eigenes Schutzpersonal der Three Lions konnte den Anhänger stoppen, nach draußen befördern und den örtlichen Behörden übergeben. Der englische Verband FA richtete daraufhin eine offizielle Beschwerde an den Weltverband FIFA wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen.

"Ein Fan ist am FIFA-Sicherheitspersonal vorbeigekommen. Dies ist nicht akzetabel. Zum Glück ist nichts passiert", sagte am Samstag ein FA-Sprecher. William und Harry hatten dem Kabinentrakt der englischen Auswahl früher am Abend einen Besuch abgestattet. Als der Fan dort auftauchte, waren die Söhne von Thronfolger Prinz Charles allerdings nicht zugegen.

WM: England - Algerien (Gruppe C)
England - Algerien 0:0: Königlicher Beistand für die Three Lions: Prinz William (r.) und Prinz Harry gaben sich die Ehre
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England - Algerien 0:0: Königlicher Beistand für die Three Lions: Prinz William (r.) und Prinz Harry gaben sich die Ehre
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Keine Panik, wir sind nicht in Ascot. Eigenwillige Hut- oder Helmkreationen gab es nämlich auch in Kapstadt zu bestaunen
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Optimistische englische Fans vor dem Spiel - natürlich mit der richtigen Kriegsbemalung
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Was die Engländer können, können wir schon lange. Das dachten sich wohl diese beiden algerischen Fans
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Emile Heskey (M.) war in der algerischen Abwehr meist gut aufgehoben und konnte sich nur selten durchsetzen
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Auch Heskeys Sturmpartner Wayne Rooney (r.) hing meist in der Luft und rieb sich in intensiven Zweikämpfen auf
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Dieses Gesicht spricht Bände: Englands Leistung war wirklich zum Wegschauen
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Auch für Glen Johnson gibt es kein Durchkommen. Karim Ziani ist einen Schritt schneller
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Der Oberlöwe brüllt. Geholfen hat's trotzdem nicht. Englands Coach Fabio Capello wurde von seinem Team im Stich gelassen
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Die englischen Zeitungen malten am Samstag bereits ein Horrorszenario vom möglichen vorzeitigen WM-Aus. "Fürchtet euch sehr! Eine erneute schwache Vorstellung lässt England zittern", schrieb die "Londoner Times". "Capellos Trottel sind ein einziges Chaos", schimpfte der "Daily Star". Und der "Daily Mirror" mutmaßte: "Capello hilflos und England kurz vor dem Aus."

"Ein absolutes Rätsel"

Tatsächlich blieb Teammanager Fabio Capello die Antworten auf fast alle Fragen nach dem Warum schuldig. "Die Leistung der Spieler ist mir ein absolutes Rätsel, im Training war alles anders", erklärte der Italiener, der wehmütig an die überzeugende WM-Qualifikation der vergangenen beiden Jahre zurückdachte: "Das ist größtenteils die Mannschaft, die in den Qualifikationsspielen sehr gut gespielt hat. Ich weiß nicht, was seitdem passiert ist."

Für das letzte und alles entscheidende Gruppenspiel gegen Tabellenführer Slowenien am Mittwoch in Port Elizabeth gilt nun das Prinzip Hoffnung: "Vielleicht platzt der Knoten ja nach einer Steigerung im nächsten Spiel. Die Spieler müssen die Köpfe frei bekommen. Dann sehen wir hoffentlich das England, das wir kennen", so Capello.

Capellos Zukunft auf dem Spiel

Doch England braucht aller Wahrscheinlichkeit nach einen Sieg gegen die Slowenen, um die K.o.-Phase doch noch zu erreichen. Bei einer erneuten Blamage steht indes auch Capellos persönliche Zukunft auf dem Spiel.

Doch soweit wollte der Coach noch nicht denken: "Das ist jetzt nicht das Thema. Wir denken nur an das nächste Spiel, in dem wir uns endlich steigern wollen."

Rooney pöbelt - Fan stürmt Kabine


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