Argentinien schickt Rehhagel nach Hause

Von Andreas Lehner
Dienstag, 22.06.2010 | 22:22 Uhr
Bayerns Martin Demichelis erzielte gegen Griechenland das erlösende 1:0
© Getty
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Argentinien hat als Erster der Gruppe B das Achtelfinale bei der WM in Südafrika erreicht. Das Team von Diego Maradona schlug am 3. Spieltag Otto Rehhagels Griechen mit 2:0 (0:0).

Vor 38.891 Zuschauern in Polokwane entwickelte sich eine zähe Partie. Bayern Münchens Innenverteidiger Martin Demichelis erzielte in der 77. Minute die Führung für Argentinien. Der eingewechselte Oldie Martin Palermo stellte den Endstand her (89.). Die Griechen schließen die Vorrunden auf Platz drei ab und müssen die Heimreise antreten.

Nachbetrachtung:

Argentinien untermauerte seinen Status als beste Mannschaft der Vorrunde auch gegen Griechenland. Auch wenn die Südamerikaner diesmal nicht so glänzten wie in den ersten beiden Spielen, hatten sie die Partie jederzeit im Griff. Da die Griechen Messi mit konsequenter Manndeckung an die Kette legten, lief auch das Spiel der aber Albiceleste nicht flüssig. Doch es gibt auch einen Plan B. Und der heißt Standardsituationen.

Gut für Argentinien: Nur wenige Mannschaften werden so extrem defensiv agieren wie die Griechen, die eigentlich nie die Chance auf den Sieg hatten. Die einzige ermöglichte ihnen mal wieder ein Aussetzer von Demichelis. Nach wie vor ist die Innenverteidigung ohne Walter Samuel die Achillesferse der Argentinier.

Im Achtelfinale wartet Mexiko in der Neuauflage des Achtelfinals von 2006. Damals ging das Spiel in die Verlängerung, ein Traumtor von Maxi Rodriguez brachte die Entscheidung. Auch dieses Mal spricht alles für einen Viertelfinalisten Argentinien. Die mexikanische Defensive dürfte der argentinischen Offensive nicht gewachsen sein.

Wie weit kommt Argentinien? Mit dem Tabellenrechner durchtippen!

Für Griechenland endet auch das zweite WM-Turnier in der Vorrunde. Immerhin gab es dieses Mal Tore und Punkte. Am Ende war die Leistung der Rehhagel-Truppe aber zu wenig für ein WM-Turnier. Die Chance auf mehr ließen die Griechen aber nicht gegen Argentinien, sondern schon mit dem ängstlichen Auftakt gegen Südkorea liegen.

Reaktionen:

Otto Rehhagel (Trainer Griechenland): "Ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen. Sie hat in der Qualifikation und hier mit Begeisterung gespielt. Am verdienten Sieg der Argentinier gibt es keinen Zweifel. Wir waren gezwungen auszuwechseln, wie ich mir das nicht vorgestellt habe. Meine Zukunft ist meine Privatsache."

Diego Maradona (Trainer Argentinien): "Viele haben falsch gelegen mit der Kritik vor der WM. Sie sollten sich langsam bei den Spielern entschuldigen. Die Fans können entspannt sein. Das Team ist absolute intakt."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Rehhagel mit zwei Änderungen: Moras und Samaras kommen ins Team, Salpingidis und Gekas sitzen draußen.

Maradona hat die Rotationsmaschine angeschmissen. Nur vier Mann sind aus der Elf gegen Südkorea übrig geblieben. Messi bleibt im Team und ist Kapitän. Im Sturm beginnen Agüero und Milito.

32.: Blitzschneller Angriff der Albiceleste. Milito legt von der Grundlinie scharf nach innen. Tzorvas kommt nicht richtig hin und am langen Pfosten lauert Agüero, der sofort aus der Drehung abzieht. Vyntra bekommt mit letztem Einsatz gerade noch sein Bein dazwischen.

48.: Die beste Chance bisher haben die Griechen! Demichelis schießt als vorletzter Mann den großen Bock und rutscht weg. Samaras spritzt dazwischen und marschiert sofort in Richtung Tor. Burdisso blockt den ersten Versuch noch ab, den Nachschuss setzt Samaras knapp rechts am Tor vorbei.

69.: Ecke Veron von rechts. Der Ball landet über Umwege bei Bolatti, der vom Fünfer volley draufhält. Die Kugel fliegt genau auf Tzorvas, der das Geschoss sicher abfängt.

77., 0:1, Demichelis: Di Maria mit der Ecke von links. Demichelis köpft zunächst Milito an, behält aber im Durcheinander die Übersicht und reagiert am schnellsten. Aus fünf Metern drischt er die Kugel unters Dach.

86.: Messi tanzt sich in den Strafraum und schüttelt mal eben zwei Griechen im Vorbeilaufen ab. Aus vollem Lauf hält er mit links drauf und der Ball klatscht an den linken Pfosten!

89., 0:2, Palermo: Messi wirbelt die griechische Hintermannschaft gehörig durcheinander und zieht von der Strafraumgrenze ab. Tzorvas klatscht den Gewaltschuss nach vorne weg und Palermo staubt sicher ab.

Fazit: Kein gutes Spiel, weil Griechenland nicht wirklich mitmachte. Argentinien siegte mehr als verdient.

Der Star des Spiels: Alexandros Tzorvas (SPOX-Note 2). Der Keeper segelte zwar zu Beginn an einer Flanke vorbei, war danach aber auf der Linie sehr sicher und machte viele Chancen der Argentinier zunichte. Bewahrte sein Team vor einer höheren Niederlage.

Für die SPOX-User war Martin Demichelis der "Man of the Match"

Die Gurke des Spiels: Georgios Samaras (SPOX-Note 4). Hatte wahrlich keinen leichten Stand als einziger Stürmer bei der griechischen Mauertaktik. Aber: Bei diesem System muss die erste Chance sitzen. Samaras ließ sie kläglich liegen (48.).

Die Pfeife des Spiels: Rawschan Irmatow (Usbekistan). Hatte keine Probleme mit der Partie. Ließ für den Geschmack der Argentinier die Gelbe Karte aber zu lange stecken. Dennoch: Wieder eine gute Leistung in seinem dritten WM-Spiel.

Analyse: Ein typisches Rehhagel-Griechenland-Mauer-Spiel - nur ohne das richtige Ergebnis. Der Europameister von 2004 agierte extrem defensiv und bot den Argentiniern fast keine Räume, in die sie mit ihren schnellen Leuten hätten gehen können. Messi wurde von Papastathopoulos in Manndeckung genommen und kam so nicht wie zuletzt ins Spiel. Moras agierte als Libero mal hinter und mal vor der Abwehr als zusätzlicher Störspieler.

Setzten sich die Argentinier mit Passspiel oder im Eins-gegen-eins doch einmal durch, stoppten die aggressiven Griechen den Spielfluss oft durch ein Foul. Da Schiedsrichter Irmatow eine großzügigere Linie verfolgte als seine meisten Kollegen, konnten die Verteidiger lange Zeit sehr robust zur Sache gehen.

Den Argentiniern merkte man die vielen personellen Umstellungen deutlich an, Abstimmung und Abläufe stimmten nicht. Die Albiceleste hatte zwar knapp 70 Prozent Ballbesitz, brachte aber kaum Tempo ins Spiel. Die Lust und die Wucht der ersten beiden Spiele fehlte dieses Mal. Bei der Gruppenkonstellation aber auch verständlich.

Erst gegen Ende der Partie, als die Griechen etwas müder wurden und Messi besser ins Spiel kam, wurde Argentinien etwas zwingender. Aber wie schon in den ersten beiden Partien fiel der erste Treffer durch eine Standardsituation. Auch das können die Argentinier.

Griechenland - Argentinien: Daten zum Spiel

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