Gruppe A: Südafrika - Uruguay 0:3

0:3 gegen Uruguay! Südafrika vor dem Aus

Von Stefan Moser / Stefan Rommel
Mittwoch, 16.06.2010 | 22:29 Uhr
Uruguays Star Diego Forlan (l.) erzielte gegen Südafrika sein insgesamt zweites und drittes WM-Tor
© Getty
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Der WM-Gastgeber steht vor dem Aus! Am 2. Spieltag der Gruppe A unterlag Südafrika gegen Uruguay mit 0:3 (0:1). Damit braucht Bafana Bafana am letzten Spieltag einen Sieg gegen Frankreich, um noch die Chance aufs Achtelfinale zu wahren. Während Uruguay eine beindruckende Leistung zeigte, übte Südafrikas Trainer Carlos Alberto Parreira massvie Kritik im Schiedsrichter.

Vor 42.600 Zuschauern im Loftus Versveld Stadion in Pretoria war Uruguay von Beginn an die bessere Mannschaft und dominierte die Partie gegen ängstliche und verkrampfte Südafrikaner.

Diego Forlan brachte sein Team in der 24. Minute in Führung. In der 80. Minute verwandelte erneut Forlan einen Foulelfmeter zum 2:0. Südafrikas Torhüter Itumeleng Khune hatte zuvor Luis Suarez im Strafraum gefoult - und sah dafür auch noch die Rote Karte. In der Nachspielzeit erhöhte Alvaro Pereira zum verdienten 3:0-Endstand.

Kommt der Gastgeber noch ins Achtelfinale? Hier alle Möglichkeiten durchspielen!

Frankreich und Mexiko bestreiten das zweite Spiel des 2. Spieltags in Gruppe A am Donnerstag.  Am letzten Spieltag (22. Juni) trifft Südafrika auf Frankreich, Uruguay bekommt es mit Mexiko zu tun.

Nachbetrachtung:

Noch nie ist der Gastgeber einer WM schon in der Vorrunde ausgeschieden - doch für Südafrika sieht es nicht gut aus. Bafana Bafana braucht am letzten Spieltag der Gruppe A einen Sieg gegen Frankreich, abhängig von den anderen Ergebnissen sogar einen hohen Sieg (Hier selbst nachrechnen). Nach den bisherigen Leistungen schwer vorstellbar. Die Mannschaft von Carlos Alberto Parreira betreibt einen enormen läuferischen Aufwand, unterm Strich aber fehlt einfach noch die Qualität, um eine gut organisierte Mannschaft ernsthaft unter Druck zu setzen.

Zudem scheint Südafrika der mentalen Belastung nicht gewachsen zu sein, gegen Uruguay wirkten die Spieler unsicher, verkrampft, phasenweise sogar apathisch. Die bittere 0:3-Niederlage, inklusive Platzverweis und Pfiffen von den Fans, wird weiter auf die Stimmung drücken. Andererseits hat Südafrika nun nichts mehr zu verlieren - vielleicht löst die beinah hoffnungslose Situation auch die Blockaden.

Uruguay dagegen bestätigt bisher die Vorschusslorbeeren, mit denen die Mannschaft von Oscar Tabarez angereist ist. Nach vorne verlässt sich die Celeste zwar in erster Linie auf die individuelle Klasse von Luis Suarez und vor allem Topstar Diego Forlan. Gegen den Ball aber agiert die gesamte Mannschaft beeindruckend aggressiv und taktisch ungeheuer intelligent. Die Spieler erfüllen extrem diszipliniert ihre defensiven Aufgaben, ohne aber statisch ihre Positionen zu halten: Sie improvisieren, interpretieren das System des Trainers sehr flexibel und passen sich sehr schnell der jeweiligen Spielsituation an. Gepaart mit der Laufbereitschaft und Zweikampfstärke ergibt das einen extrem unbequemen Gegner, der auch für Topmannschaften schwer zu schlagen sein wird. Trotzdem: Das Endspiel gegen Mexiko wird keineswegs ein Selbstläufer.

Reaktionen:

Diego Forlan (Doppeltorschütze für Uruguay): "Heute ist als Stürmer ein schöner Tag. Aber es zählt, dass wir gewinnen, egal ob ich die Tore mache, oder andere. Ich denke, die Mannschaft zeigt, dass es ihr gut geht. Gegen Frankreich war das schon der Fall. Wir sind sehr solide. Wir sind in der Lage, Tore zu schießen und ein Spiel auch über die Bühne zu bringen. Der Sieg hilft uns sicherlich weiter."

Carlos Alberto Parreira (Südafrikas Trainer übt massive Kritik am Schiedsrichter): "Er war bislang der schlechteste Schiedsrichter in diesem Turnier, er hat von Anfang an gegen uns gepfiffen. Ich hoffe, ich sehe sein Gesicht nie mehr. Er hat es nicht verdient, hier zu sein."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Südafrikas Trainer Parreira verändert seine Mannschaft nur auf einer Position: Der im Auftaktspiel gegen Mexiko überforderte Linksverteidiger Thwala muss auf die Bank, Masilela rückt dafür in die Startelf.

Uruguay verändert im Vergleich zur Nullnummer zum Auftakt gegen Frankreich sein System: Trainer Taberez zieht ins Forlan dem Mittelfeld, Cavani und A. Pereira stürmen dafür neben Suarez.

24., 0:1, Forlan: Was für ein krummes Ding! Gut 30 Meter vor dem Kasten schnappt sich Forlan die Kugel und hält einfach mal mit rechts drauf. Der Schuss wird noch leicht abgefälscht und segelt als ganz fiese Bogenlampe über Khune hinweg. Der Ball küsst noch die Unterkante der Latte und springt ins Netz!

76.: Elfmeter für Uruguay! Suarez umkurvt Südafrikas Schlussmann und der trifft Uruguays Angreifer leicht am Fuß. Suarez fällt, Busacca pfeift - kann man geben. Aber: Suarez stand beim Pass im Abseits.

76.: Rot für Khune! Busacca entscheidet auf Notbremse. Platzverweis für den Torwart. Harte, aber vertretbare Entscheidung.

79., 0:2, Forlan: Keine Chance für den eingewechselten Josephs. Der Torhüter ist in der richtigen Ecke, aber Forlan haut das Ding humorlos links oben unters Dach.

90. +5., 0:3, A. Pereira: Suarez hebt die Kugel von rechts über Josephs hinweg. A. Pereira lässt sich nicht lange bitten und nickt aus kurzer Distanz ein.

Fazit: Uruguay gewinnt nach einer beeindruckenden taktischen Leistung hochverdient gegen ein enttäuschendes Südafrika - auch wenn das Ergebnis am Ende vielleicht um ein Tor zu hoch ausfiel.

Der Star des Spiels: Diego Forlan (SPOX-Note 1) durfte gegen die Gastgeber aus der Tiefe kommen, um so mehr Spielanteile zu erhalten als noch gegen Frankreich - und der Star des Teams erfüllte die Vorgaben seines Trainer nahezu perfekt. Forlan ließ sich immer wieder geschickt fallen und entwischte so der Bewachung durch Dikgacoi, um das Spiel der Uruguayer zu bestimmen. Forlan überzeugte mit tollem Auge, einer hohen Ballsicherheit, großem Laufpensum und natürlich zwei Toren.

Auch für die SPOX-User ist Diego Forlan der "Man oft the Match"!

Die Gurke des Spiels: Bongani Khumalo (SPOX-Note 5) sah in der Innenverteidigung gegen den wuseligen Suarez fast kein Land. Khumalo ließ sich ein ums andere Mal düpieren, war schwach im Zweikampf und ohne jeden Impuls im Spielaufbau.

Die Pfeife des Spiels: Massimo Busacca. Der Schweizer knüpfte an die etwas kleinliche Linie der Schiedsrichter während der WM an, verteilte früh Gelbe Karten und setzte sich damit selbst unnötig unter Druck. Dafür ließ er die Karte stecken, als der bereits verwarnte Dikgacoi im Mittelfeld Fucile völlig übermotiviert von den Beinen holte. Die Rote Karte gegen Khune dagegen war zwar sehr hart, kann man den Regeln entsprechend aber geben. Trotzdem: Insgesamt ein etwas unrunder Auftritt von Busacca.

Analyse: Erneut eine taktische Glanzleistung von Uruguay. Trainer Tabarez stellte auf eine 3-4-3-Formation um und zog Forlan zurück ins Mittelfeld. Wie schon gegen Frankreich überzeugte das Team vor allem in der konzentrierten und laufintensiven Arbeit gegen den Ball. Während  Arevalo Rios fast eine Art Manndecker gab und Südafrikas Schlüsselspieler Steven Pienaar aus der Partie nahm, agierte der Rest der Mannschaft taktisch sehr geschickt und flexibel.

Insgesamt verteidigte Uruguay bis zur Führung extrem hoch und setzte Südafrika bereits in der eigenen Hälfte aggressiv unter Druck. Der WM-Gastgeber fand dagegen nie ein Mittel und kam kaum produktiv über die Mittellinie.

Uruguay dagegen erspielte sich immer wieder gefährliche Szenen, meist nach dem immer gleichen, schnörkellosen Muster: Früher Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte, schnelles Umschalten, schneller Abschluss. Genau so fiel auch die Führung durch Forlan: ein abgefangener Abstoß des südafrikanischen Torhüters, ein schneller Ballgewinn, ein (etwas glücklich abgefälschter) Schuss aus 30 Metern.

Nach der Führung zog sich Uruguay etwas weiter zurück, hielt aber weiterhin perfekt die Ordnung und ließ dem Gegner keine Räume. Südafrika dagegen enttäuschte im Spiel nach vorne - hat vor allem über die Flügel aber wohl auch einfach nicht genügend Qualität, um eine derart disziplinierte und robuste Defensive auszuhebeln.

Gerade von den beiden Außenverteidigern kam nach vorne viel zu wenig. Insgesamt schien die Mannschaft auch gelähmt von der Angst vor dem frühen Aus: Für den merkwürdig leidenschaftslosen und lethargischen Auftritt kassierte Bafana Bafana zwischenzeitlich sogar Pfiffe von den eigenen Fans. Nach dem Elfmeter und dem Platzverweis für Torhüter Khune wurde es am Ende schließlich fast ein wenig tragisch.

Südafrika - Uruguay: Daten zum Spiel

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