Ronaldos peinlicher Abgang

Von Thomas Gaber / Markus Matjeschk
Dienstag, 29.06.2010 | 22:25 Uhr
Cristiano Ronaldo im Tete-a-tete mit einem Kameramann nach dem Spanien-Spiel
© Getty
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Europameister Spanien steht nach einem 1:0 (0:0)-Sieg gegen Portugal im WM-Viertelfinale und trifft dort am Samstag auf Paraguay. Das Siegtor für die Mannschaft von Vicente del Bosque erzielte David Villa (63.) mit seinem vierten Turniertor. Für Aufregung sorgte Portugals Kapitän Cristiano Ronaldo, der nach dem Schlusspfiff auf einen Kameramann spuckte.

Vor 62.000 Zuschauern in Kapstadt war Spanien die bessere Mannschaft und steht verdient in der Runde der letzten Acht. Die Seleccao musste die erste Niederlage nach 19 Spielen einstecken.

Für Diskussionsstoff sorgte unmittelbar nach Schlusspfiff allerdings Cristiano Ronaldo. Der portugiesische Superstar legte sich mit einem Kameramann an, der ihn auf dem Weg in die Kabine filmte. Nachdem er sich mit Handzeichen nicht verscheuchen lassen wollte, spuckte Ronaldo schließlich in die laufende Kamera.

Anschließend verweigerte er jeden Kommentar zum Spiel und verwies auf der Suche nach Gründen für das Ausscheiden nur auf den Trainer: "Fragen Sie Carlos Queiroz!"

Nachbetrachtung:

Spanien kommt immer besser in Schwung und gehört nach der Leistung gegen Portugal zu den heißen Titelanwärtern. Die Genialität blitzte zwar auch gegen das Nachbarland nur in Nuancen auf, doch je länger das Turnier dauert, desto besser greifen die Rädchen ineinander.

Die Abwehr steht sicher, Pique und Puyol halten die Viererkette mit Übersicht, exzellentem Stellungsspiel und Zweikampfstärke zusammen. Das Mittelfeld bewies gegen Portugal die nötige Geduld für den einen entscheidenden Pass.

Mit David Villa hat Spanien einen Killer vor dem Tor, mit Fernando Torres allerdings auch einen Problemfall. Der Stürmer aus Liverpool kämpft weiter vergeblich um seine Form. Fernando Llorente konnte nach seiner Einwechslung überzeugen und ist ein Kandidat für die Startelf gegen Paraguay.

Spanien hat den auf dem Papier leichtesten Gegner im Viertelfinale. Die Vorzeichen sind günstig, endlich das erste WM-Halbfinale der Geschichte zu erreichen. Und vielleicht noch mehr...

Portugal hat in vier Spielen nur ein Tor kassiert, allerdings auch nur in einem Spiel getroffen. In der Offensive drückte der Schuh, allen voran bei Cristiano Ronaldo. Von einem Kapitän darf man erwarten, dass er die Ärmel hochkrempelt. Portugal war aber nach dem Rückstand ohne Anführer. Ronaldos Abgang von dieser WM passte ins Bild. Er spuckte in Richtung eines Kameramanns. Eine peinliche Aktion.

Reaktionen:

Vicente de Bosque (Spanien): "Wir haben sehr gut gespielt, vor allem in der Abwehr gut gestanden. Wenn wir so spielen, ist es sehr schwer, gegen uns zu bestehen. Wir wussten vor dem Turnier, dass wir sehr gut drauf sind. Wir haben uns 30 Tage darauf vorbereitet. Wir wollen Geschichte schreiben."

Carlos Queiroz (Portugal): "Letztendlich hat Spanien die besseren Torchancen gehabt und deshalb verdient gewonnen. Sie waren in der zweiten Halbzeit sehr dominant."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Spanien im 4-3-3 mit der Anfangself, die 2:1 gegen Chile gewann. Portugal wechselt erneut eifrig durch. Almeida und Simao bilden mit Ronaldo den Dreiersturm. Danny und Duda sitzen auf der Bank.

1.: Blitzstart durch Torres! Energischer Antritt von links in den Strafraum und sofort der Abschluss vom Strafraumeck. Eduardo muss sich mächtig strecken und klatscht den Ball zur Seite ab.

27.: Freistoß für Portugal, 37 Meter Torentfernung - Chefsache! Ronaldo zimmert mit rechts drauf und die Kugel nimmt eine unfassbare Flugbahn auf! Nach links und rechts flattert der Ball, Casillas baggert den Jabulani letztlich wie beim Volleyball nach oben!

39.: Die Riesenchance für Portugal! Meireles flankt vom linken Flügel scharf mit rechts auf den langen Pfosten. Almeida rauscht heran, wischt das Leder mit dem Kopf aus kurzer Distanz aber knapp rechts vorbei.

63., 1:0, Villa: Xavi leitet einen Iniesta-Pass mit dem Absatz weiter auf Villa. Den ersten Versuch aus spitzem Winkel wehrt Eduardo noch mit den Füßen ab, den Nachschuss hebt Villa unters Dach. Der Ball küsst noch die Unterkante der Latte. Villas 4. Turniertreffer, allerdings aus stark abseitsverdächtiger Position. Der erste Gegentreffer für Portugal bei dieser WM.

89., Rot für Costa: Capdevila hält sich nach einem Zweikampf mit Costa den Kopf und geht zu Boden. Schiedsrichter Baldassi will da wohl einen Schlag mit dem Ellenbogen gesehen haben und schickt Costa unter die Dusche.

Fazit: Spanien kam mit zunehmender Spieldauer ins Rollen und gewann dank Goalgetter David Villa. Portugal enttäuschte vor allem in der Offensive.

Der Star des Spiels: Eduardo (SPOX-Note 1). Der Mann spielt im Steinbruch von Sporting Braga. Die große Unbekannte vor dem Turnier, allerspätestens nach dem Achtelfinale ist klar, dass das ein Torhüter auf höchstem Niveau ist. Ob links unten oder rechts oben - Eduardo hatte bei (fast) jedem Schuss der Spanier seine Finger im Spiel. Portugal hat einen Weltklasse-Keeper, der das Aus der Seleccao aber auch nicht verhindern konnte.

Für die SPOX-User ist Torschütze David Villa der Man of the Match

Die Gurke des Spiels: Cristiano Ronaldo (SPOX-Note 5). Der potentielle Superstar der WM ist ausgerechnet gegen die Nationalmannschaft seiner Wahlheimat tief gefallen. Ronaldo konnte zu keinem Zeitpunkt Akzente setzen und war bei den wenigen portugiesischen Offernsivaktionen außen vor. Es gab in den letzten drei Jahren wohl kein Spiel, bei dem Ronaldo derart unsichtbar war. Immerhin ließ er sein Team nicht im Stich und ackerte fleißig in der Defensive.

Die Pfeife des Spiels: Hector Baldassi. Der Argentinier hatte die Partie jederzeit im Griff. Er ließ viel durchgehen, verzichtete auf übertriebene Gesten und das voreilige Verteilen von Gelben Karten. Abgesehen von kleinen Fehlern bei der Zweikampfbewertung eine tadellose Leistung. Villa stand bei seinem Tor Millimeter im Abseits, für Baldassis Assistenten war das aber kaum zu erkennen.

Analyse: Es standen sich zwei Mannschaften auf Augenhöhe gegenüber im gleichen System, aber mit komplett unterschiedlicher Ausrichtung. Spanien lechzte nach Ballbesitz und Spielkontrolle und lauerte auf die Lücke für den genialen Pass. Portugal zog sich weit zurück, machte Räume und Passwege zu und setzte auf Konter über die schnellen Ronaldo und Simao.

Spanien überraschte den Gegner mit einem beeindruckenden Anfangstempo. Die Furia Roja war dominant, fand aber lange Zeit kein Mittel gegen sehr diszipliniert verteidigende Portugiesen. Chancen gab es nur nach Einzelaktionen.

Portugal hielt die Abstände exzellent, in der zentralen Zone vor der Viererkette war für Spanien nichts zu holen und das Spiel über die Flügel nicht temporeich genug. Portugal setzte in der ersten Halbzeit Nadelstiche durch präzise Konter und Weitschüsse.

Del Bosque nahm in Halbzeit zwei den erneut wirkungslosen Torres vom Feld und brachte Llorente. Der Stürmer von Athletic Bilbao fügte sich glänzend ein, ließ Bälle abtropfen oder schloss selbst ab. Die Spanier zogen urplötzlich das Tempo an, erspielten sich Chancen en masse und wurden mit Villas Siegtor belohnt. Was diesmal besonders auffiel: die überragende Balleroberung des Europameisters.

Auch nach dem Führungstor blieb Spanien am Drücker und hätte höher gewinnen müssen.

Spanien - Portugal: Fakten zum Spiel

 

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