Deutschland? Im Viertelfinale ist Schluss!

SID
Dienstag, 08.06.2010 | 17:05 Uhr
Wie weit kommt das deutsche Team? Pedro Pinto glaubt an ein frühes Aus des DFB-Teams
© Getty
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Nicht lange hat es gedauert, bis mich das Fußballfieber hier in Johannesburg endgültig gepackt hat. Schon das laute Dröhnen der Vuvuzelas, von dem während dieser WM mit Sicherheit noch viel mehr zu hören sein wird, verbinde ich inzwischen ganz instinktiv mit der schönsten Nebensache der Welt. Nur noch wenige Tage sind es bis zum Eröffnungsspiel - Zeit für erste Spekulationen!

In diesem Sinne...

Weltmeister: Wiedererstarktes Uhrwerk Oranje

Ein wenig zu jung war ich noch, um das legendäre niederländische Team der 70er Jahre live in Aktion zu erleben. Wie viele weiß ich jedoch nur zu gut, warum man damals vom "Totaalvoetbal" sprach: Mit Passspiel von atemberaubender Präzision und einem System, in dem jeder Spieler seine Rolle dynamisch wechseln konnte, verzauberten Cruyff und Co. damals die Fußballwelt. So zum Beispiel in den Jahren 1974 und 1978, als man zweimal in Folge im Finale stand, am Ende jedoch beide Endspiele verlor. Ein Stachel, der bis heute tief sitzt.

Mit ihrer auf allen Positionen hervorragend aufgestellten Mannschaft gehen die Niederländer gut 30 Jahre später nun aber erneut mit ganz ausgezeichneten Vorzeichen in die erste WM auf dem afrikanischen Kontinent. Ist er rechtzeitig fit, wird Arjen Robben zweifelsohne einer der Erfolgsgaranten sein. Die Spezialbehandlungen von Physiotherapeut Dick van Toorn in Rotterdam scheinen sehr gut anzuschlagen, doch selbst wenn der Superstar von Bayern München teilweise oder gar ganz ausfällt, wird es um die Gesamtqualität des Teams alles andere als schlecht bestellt sein.

So ist beispielsweise Robin van Persie nach nur geringen Einsatzzeiten bei Arsenal in der abgelaufenen Saison garantiert richtig heiß darauf, seine Fähigkeiten auf dem Rasen endlich wieder unter Beweis stellen zu können. Wesley Sneijder strotzt vor Selbstvertrauen nach seinem historischen Triple mit Inter, an dem er entscheidenden Anteil hatte. Und dann wäre da natürlich noch Mark van Bommel, der im Mittelfeld die Strippen zieht. Die Defensive ist mit Johnny Heitinga und Joris Mathijsen als starkem Innenverteidiger-Duo ebenfalls klasse besetzt.

Auch Coach Bert van Marwijk sollte man Respekt zollen dafür, wie er aus einigen großen Egos ein echtes Team geformt hat, das an einem Strang zieht und gemeinsam für den Sieg kämpft. Kaum verwunderlich also, dass die Niederlande seit September 2008 nicht mehr verloren haben und so mit zusätzlichem Rückenwind nach Südafrika fahren.

Überraschungs-Überflieger: Serbien und Uruguay

Viel Aufmerksamkeit hat man bislang noch keinem dieser beiden Teams gewidmet, doch ich glaube, dass sie noch Aufsehen erregen werden und zumindest ins Viertelfinale vordringen können.

Dank der richtigen Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern kann der erfahrene Coach Radomir Antić auf eine Vielzahl an Aufstellungsmöglichkeiten und taktischen Optionen zurückgreifen. In der Verteidigung räumt der beinharte Nemanja Vidić ab, im Mittelfeld gibt Champions-League-Gewinner Dejan Stanković die Marschroute vor. Im Angriff schließlich sorgen der 2,02 Meter große Hüne Nikola Žigić im Zentrum und Flügelflitzer Miloš Krasić auf der Außenbahn regelmäßig für brenzlige Situationen in der gegnerischen Hintermannschaft.

Wie bereits angedeutet erwarte ich auch von den Urus einiges. Sie verfügen definitiv über die Qualität, um eine schwer auszurechnende Gruppe zumindest als Zweiter abzuschließen und bis ins Viertelfinale vorzustoßen. Mit Óscar Tabárez haben sie ein echtes Trainer-Urgestein an ihrer Seitenlinie, in Diego Forlán eine wahre Torfabrik. Ein Team, das man auf keiner Position unterschätzen sollte, schon gar nicht in Sachen Abwehrarbeit: Kapitän Diego Lugano ist in der Defensivmitte ein Fels in der Brandung, während Diego Godín und Jorge Fucile die Flügel absichern und auch in der Vorwärtsbewegung äußerst geschickt agieren.

Flop-Favoriten: Deutschland und Italien

Nimmt man die Erfolge beider Mannschaften bei Weltmeisterschaften zusammen, stehen stattliche sieben Titel zu Buche, doch weder Deutschland noch Italien dürfen sich in diesem Jahr auf einen langen Betriebsausflug freuen.

Das Team von Joachim Löw sieht sich mit der Herausforderung konfrontiert, Michael Ballack adäquat zu ersetzen und wird diese nur bedingt meistern können. Darüber hinaus konnte keiner der Stürmer in diesem Jahr wirklich überzeugen, und generell mangelt es den Deutschen 2010 schlichtweg an individueller Klasse. Traditionell werden sie eine solide Defensive vorzuweisen haben, auf der anderen Seite des Platzes jedoch nur wenig Gefahr ausstrahlen. Ein Viertelfinal-Aus ist so fast schon vorprogrammiert.

Den Titelverteidiger sehe ich allerdings bereits eine Runde früher nach Hause fahren. Alt, langsam und vorhersehbar sind sie, die Herren aus Bella Italia. Fällt Mittelfeld-Maestro Andrea Pirlo, der nach wie vor an einer Wadenzerrung laboriert, aus, wird man es zusätzlich schwer haben. Und ähnlich wie Fabio Cannavaro haben die meisten Spieler des aktuellen Kaders ihre besten Zeiten bereits hinter sich.

Auf dem Radar: Argentinien, Spanien und England

Wie schon eingangs erwähnt, traue ich den Argentiniern den Finaleinzug absolut zu. Auf dem Weg dorthin werden sie im Halbfinale keinen Geringeren als den amtierenden Europameister Spanien ausschalten. Begründet sehe ich diese Niederlage für die Selección vor allem in der Verletzungsmisere, die sie im Vorfeld der WM heimgesucht hat. Ich glaube nicht, dass ihre Top-Spieler in der physischen Verfassung sind, um ihre Form über das gesamte Turnier hinweg konservieren zu können. Bei den Engländern rechne ich mit einer Halbfinal-Niederlage gegen die Niederlande, was aber sicherlich ein ordentliches Resultat für die Männer von der Insel wäre.

Bester Spieler des Turniers - Lionel Messi

Nicht weniger als 47 Tore hat Messi in 53 Spielen für den FC Barcelona in diesem Jahr erzielt. Im Vergleich hierzu muten seine vier Treffer für Argentinien in der Qualifikation geradezu mickrig an. Doch beim Turnier der Turniere wird er seine Quote steigern und eine großartige Show abliefern. Bei Diego Maradona wird er auf einer zentraleren Position zum Einsatz kommen und sich dabei im Trikot mit der legendären Nummer 10 selbst übertreffen.

Torschützenkönig - David Villa

Villa gehört zu den gefährlichsten Stürmern auf dem Planeten. Ein Fakt, der durch die tödlichen Pässe von Xavi nur noch potenziert wird, was sich im Turnierverlauf in mindestens sechs Toren niederschlagen sollte.

Dabei wird der Neuzugang des FC Barcelona seinem angeschlagenen Nationalmannschaftskollegen Fernando Torres ganz klar den Rang ablaufen.

Wer wird Weltmeister? Jetzt die WM durchtippen!

Pedro Pinto ist Sports-Anchor bei CNN International in London. Gemeinsam mit dem CNN World Sport-Team berichtet der gebürtige Portugiese von Sportereignissen auf der ganzen Welt. Vor seiner Tätigkeit bei CNN in London arbeitete er im Hauptquartier des Senders in Atlanta und moderierte in seiner Heimat Portugal mehrere Sportsendungen. Im Laufe seiner Karriere hat Pinto zahlreiche Sport-Stars wie Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Roger Federer, Gianluigi "Gigi" Buffon oder die Fußballlegende Pele interviewt.  Für CNN International übernimmt Pinto die Berichterstattung über die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika (www.cnn.com/worldcup).

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