Fussball

Wegen WM-Vergabe nach Katar: Michel Platini von der Kriminalpolizei verhört

SID
Michel Platini ist in Polizeigewahrsam genommen worden.

Der ehemalige UEFA-Präsident Michel Platini ist im Rahmen der Korruptionsuntersuchungen im Zuge der Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar vernommen worden. Ein Treffen vor neun Jahren im Elysee-Palast steht im Mittelpunkt des Interesses der Ermittler.

Als Michel Platini das Gebäude der Anti-Korruptions-Abteilung der Kriminalpolizei in Nanterre betrat, holte ihn die umstrittene WM-Vergabe an Katar erneut mit aller Macht ein. Der ehemalige UEFA-Präsident stellte sich am Dienstag im Pariser Vorort den bohrenden Fragen der Ermittler.

Es bestehe der Verdacht der "aktiven und passiven Korruption", berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Verweis auf namentlich nicht genannte Justiz-Quellen.

Platini gab sich nach der Anhörung gelassen. Er habe "absolut nichts falsch gemacht", ließ er in einer über seinen Anwalt William Bourdon verbreiteten Erklärung mitteilen. Er sei auch nicht "verhaftet", sondern lediglich als "Zeuge vernommen" worden. Dabei habe er "alle Fragen ruhig und präzise beantwortet, auch zur Vergabe der EURO 2016."

Platini: Ein Treffen 2010 steht im Fokus

Der derzeit für alle Fußballaktivitäten gesperrte Platini wurde wegen eines Treffens mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, Tamim Bin Hamad Al Thani, Emir von Katar, und Hamad Ben Jassem, damaliger Premierminister Katars, verhört.

Bei einem Mittagessen am 23. November 2010 im Elysee-Palast in der französischen Hauptstadt sollen Absprachen über die WM-Vergabe nach Katar getroffen worden sein.

Katar sollte den französischen Klub Paris St. Germain kaufen, im Gegenzug würde Platini seine Kontakte spielen lassen und für Stimmen bei der WM-Vergabe werben.

FIFA-Exekutivkomitee: Viele Mitglieder gesperrt

Die WM wurde ein paar Wochen später dann tatsächlich an Katar vergeben, gleichzeitig wurde Russland als WM-Gastgeber 2018 auserkoren. 2011 kaufte sich Katar bei PSG ein. Im Zusammenhang mit den WM-Vergaben wurden immer wieder Korruptionsvorwürfe laut.

Viele Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees, das 2010 die Entscheidung pro Russland und Katar traf, sind mittlerweile von der Ethikkommission der FIFA gesperrt worden. Im aktuellen Fall wird nach Angaben aus Justizkreisen auch der frühere Generalsekretär des Elysee-Palastes, Claude Gueant (74), verhört.

Platini wird die Geister der WM-Vergabe nicht mehr los

Platini, der am Freitag 64 Jahre alt wird, wird die Geister der WM-Vergabe einfach nicht mehr los. Sein Image wurde dadurch massiv angekratzt, obwohl er aus seiner Wahl kein Geheimnis gemacht hatte.

Sein großer Traum vom Präsidentenamt beim Weltverband FIFA platzte, nachdem der 2007 zum UEFA-Boss gewählte Franzose 2015 gesperrt worden war - wegen einer dubiosen Zahlung über 1,8 Millionen Euro, die er von der FIFA erhalten hatte.

Die Vermittlung im Zuge der WM-Vergabe nach Katar könnte der Hintergrund der Zahlung gewesen sein. Laut dem ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter und Platini handelte es sich um eine verspätete Honorarzahlung für Platinis FIFA-Arbeit in den Jahren 1998 bis 2002.

Platinis Glaubwürdigkeit schon länger tief erschüttert

Wie Platini wurde auch der Schweizer Blatter zunächst für acht Jahre gesperrt. Der Internationale Sportgerichtshof CAS reduzierte die Sperre später auf vier Jahre. Sie läuft im Oktober aus.

Doch eine Zukunft dürfte Platini im von ihm so geliebten Fußball nicht mehr haben. Als Spielmacher und Torjäger führte er Frankreich zum EM-Titel 1984 im eigenen Land. Der geniale Dirigent war nach seiner Karriere Teamchef der Nationalmannschaft, dann startete er seine Funktionärskarriere.

Doch der Mann, der Niederlagen hasst, verdribbelte sich irgendwann, auch wenn im kommenden Jahr seine Idee von der paneuropäischen EM umgesetzt wird.

Als Gianni Infantino Anfang Juni in Paris im Amt des FIFA-Präsidenten wiedergewählt wurde, ätzte Platini gegen den Schweizer. Er habe keine Legitimation, er sei nicht glaubwürdig als FIFA-Präsident, so Platini. Seine eigene Glaubwürdigkeit ist aber auch schon länger tief erschüttert.

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