"Man kann von Zwangsarbeit sprechen"

SID
Mittwoch, 30.03.2016 | 13:46 Uhr
Die Lage der Arbeiter auf den Baustellen Katars ist nach wie vor schlecht
© getty
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Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat erneut die Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen in Katar scharf kritisiert und die FIFA zum Handeln aufgefordert. "Arbeitsmigranten in Katar sind einer Reihe von Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, man kann in einigen Fällen auch von Zwangsarbeit sprechen", sagte Regina Spöttl, Katar-Expertin bei Amnesty International in Deutschland.

Schon seit geraumer Zeit steht das sogenannte "Kafala-System" in Katar heftig in der Kritik. Immer wieder lösten in den vergangenen Monaten erschütternde Berichte über zahlreiche Todesfälle und menschenunwürdige Lebensbedingungen auf den Baustellen für das WM-Turnier weltweit Empörung aus.

Immer wieder hatte Katar Änderungen versprochen, laut Amnesty habe die Regierung allerdings "wenig für eine Verbesserung der Arbeitssituation Tausender Arbeitsmigranten getan".

Für den neuen Amnesty-Bericht "Die häßliche Seite des schönen Spiels - Ausbeutung auf einer WM-2022-Baustelle in Katar" hat die Organisation 234 Bauarbeiter und Gärtner, die am Khalifa-Stadion und im Sport- und Leistungszentrum am Stadion arbeiten, interviewt.

Amnesty: FIFA muss handeln

Sie berichteten davon, dass ihnen Pässe abgenommen und Löhne erst mit sieben Monaten Verspätung gezahlt wurden. Bei Beschwerden werde den Arbeitern damit gedroht, sie ohne Zahlungen des Landes zu verweisen.

Laut Amnesty werde sich die Zahl der Arbeitsmigranten in den nächsten zwei Jahren auf 36.000 verzehnfachen, 90 Prozent kämen aus südasiatischen Ländern wie Bangladesch, Indien oder Nepal.

Amnesty forderte zudem die FIFA auf, den Druck auf die katarische Regierung zu erhöhen. Ohnehin habe der Verband seit der Vergabe an Katar "nicht genug gegen die menschenunwürdigen Bedingungen auf den WM-Baustellen" getan.

"Wenn die FIFA jetzt nicht handelt, ist sie mitverantwortlich dafür, dass die Fußball-WM 2022 auf dem Rücken Zehntausender ausgebeuteter Arbeitsmigranten ausgetragen wird", sagte Spöttl.

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