Fussball

Rivalität ist gar kein Ausdruck

SID
Kampf um jeden Zentimeter: Im Duell Argentinien gegen Brasilien geht's um mehr als nur den Sieg
© getty

Mit nur einem Punkt aus zwei Spielen stehen die Gauchos schon unter Druck. So oder so elektrisiert das Duell seit jeher die Massen, dafür sorgen allein Namen wie Pele, Maradona, Messi oder Ronaldinho. Die denkwürdigen Duelle der Vergangenheit in der Übersicht. SPOX zeigt das WM-Quali-Spiel in der Nacht auf Samstag um 1 Uhr im LIVESTREAM FOR FREE.

1937, Südamerika-Meisterschaft Argentinien: ARG-BRA 2:0 n.V. in Buenos Aires

Die Rivalität der beiden erfolgreichsten Teams Südamerikas ist wahrlich nicht neu. Schon bei dem Vorgänger der heutigen Copa America gab es die ersten Skandale. Nachdem beide Teams nach der im Modus "Jeder gegen Jeden" ausgetragenen Meisterschaft punktgleich waren, musste ein Entscheidungsspiel in Buenos Aires her.

Im Estadio Gasómetro de Boedo vor 80.000 Zuschauern brachte erst ein Doppelschlag von Vicente De La Mata die Entscheidung für die Gastgeber. Während des Spiels verhöhnten die argentinischen Fans ihre Gegner mit lauten Affenlauten und skandierten "Macaquitos", was mit "kleine Affen" sehr wohlwollend übersetzt ist. Irgendwann hatten die Brasilianer genug von den rassistischen Schmähungen und verließen das Feld noch vor dem offiziellen Ende. Die Begegnung ging als Spiel der Schande in die Historie beider Teams ein.

1978, Zweite Runde WM: ARG-BRA 0:0 in Rosario

Ein torloses Remis in der Übersicht der größten Matches? Aber ja, und das gleich aus mehreren Gründen: Zum einen waren Tore im Spiel der zweiten Runde trotz allerbester Chancen zwar Mangelware, bei Aggressivität und Fouls ließen sich beide Teams in der "Schlacht von Rosario" aber nicht lumpen. Richtig pikant wurde es aber erst danach. Beide Teams brauchten nach dem Remis im nächsten Spiel einen Sieg. Die Partie des Gastgebers Argentinien gegen Peru wurde auf den Abend datiert, während Brasilien bereits am Nachmittag gegen Polen (3:1) antreten musste.

Folglich wussten die Hausherren bereits beim Anpfiff, dass für ein Weiterkommen ein Sieg mit vier Toren Unterschied her musste - am Ende wurde es ein 6:0. Gerade vor dem Hintergrund der herrschenden Militärdiktatur in Argentinien ließen Betrugsvorwürfe nicht lange auf sich warten, es wurde jedoch nichts bewiesen. Das 0:0 sorgte dafür, dass die Selecao, laut Coach Claudio Coutinho "der moralische Sieger", ohne eine Niederlage nur Dritter wurde, die Argentinier aber sich den Titel im Finale gegen Holland sicherten. Erst nach der Schande von Gijon 82 zog die FIFA ihre Lehren und setzte fortan entscheidende Spiele zeitgleich an.

1982, Zweite Finalrunde WM: BRA-ARG 3:1 in Barcelona

Als Titelverteidiger reiste die Elf von Trainerfuchs Cesar Luis Menotti nach Spanien. Erstmals nahmen dort 24 statt 16 Mannschaften teil, sodass es eine zweite Finalrunde gab. Dort fanden sich neben den Gauchos auch die Brasilianer und die italienische Squadra Azzura in einer Gruppe wieder, wobei nur der Gruppenerste das Semifinale erreichen sollte.

Besonders im Fokus stand WM-Debütant Diego Maradona, dessen Wechsel von Boca zu Barca erst kurz vor dem Turnier bekannt geworden war. Im ewig jungen Duell der Südamerikaner aber machte Maradona neben einigen genialen Aktionen auch negativ auf sich aufmerksam, als er Joao Batista mit einem Jackie-Chan-Gedächtnistritt in die Leistengegend abräumte und vom Platz flog. Die vielen Fouls gegen ihn und die Aussichtslosigkeit auf einen Sieg ließen beim kleinen Zehner wohl die Sicherungen durchbrennen.

Denn gegen eine brasilianische Jahrhundert-Elf, die gespickt mit Legenden wie Zico, Falcao und dem "Doktor" Socrates und Fußball mehr zauberte als spielte, sahen die Argentinier kein Land und gingen mit 1:3 unter. Die Selecao starb jedoch später in Schönheit, setzte sich doch der spätere Weltmeister Italien in der Dreiergruppe durch und ließ die Ballkünstler vom Zuckerhut mit leeren Händen zurück.

1990, WM-Achtelfinale Italien: ARG-BRA 1:0 in Turin

Wer sich das Match des 1990er-WM-Achtelfinals in Turin anschaut, muss hart im Nehmen sein. Das Aufeinandertreffen der beiden Favoriten artete mehr in eine Schlacht denn in ein Fußballspiel aus, reihenweise Fouls, bei denen wohl selbst Vinnie Jones zusammengezuckt wäre.

Der Leidtragende in den meisten Fällen: Diego Maradona. Der geniale Argentinier wurde im Turnier schon über 30 Mal gefoult - und im Finale gefühlt nochmal so oft. Die Brasilianer versiebten reihenweise Torchancen und im entscheidenden Moment entwischte Napolis Maradona deren Tritte und Grätschen und legte Claudio Caniggia neun Minuten vor Ende zum siegbringenden 1:0 auf.

Doch als ob das Spiel allein nicht aufregend genug gewesen wäre, hält eine Verschwörungstheorie quasi bis heute an: Während einer Behandlungspause reichte Argentiniens Masseur Di Lorenzo dem brasilianischen Mittelfeldspieler Branco angeblich eine Trinkflasche mit Beruhigungsmittel, von dem auch andere Akteure der Selecao getrunken haben sollen. Vor allem Branco erinnerte sich später: "Mit wurde sehr, sehr übel. Ich stand auf dem Rasen und sah das Stadion davonfliegen," sagt er O Globo. Jahre später bestätigte Maradaona die Vorwürfe des "Holy Water Scandal", der argentinische Verband aber bestreitet diese bis heute.

2005, Confed-Cup-Finale Deutschland: BRA-ARG 4:1 in Frankfurt

Beim Finale des Confed-Cups 2005 in Deutschland, mithin die Generalprobe für die WM ein Jahr später, standen sich die beiden Rivalen im Finale in Frankfurt gegenüber. Nur drei Wochen zuvor ging die Albiceleste in der WM-Quali bei den Brasilianern mit 1:3 baden, Wiedergutmachung war also angesagt. Die misslang jedoch völlig: Eine berauschend aufspielende Selecao begeisterte schon im Vorfeld, schlug die deutsche Mannschaft im Semifinale mit 3:2.

Im Finale jedoch folgte die Krönung, als die Brasilianer den Nachbarn nach allen Regeln der Kunst auseinandernahmen. Die 90 Minuten kamen der Perfektion des Joga Bonito, dem schönen Spiel, ziemlich nahe. In jeder Minute merkte man dem Team um Ronaldinho, damals für viele der beste der Welt, die schier kindliche Spielfreude an. Zudem waren Kaka vom AC Milan und vor allem ein gewisser Adriano vom Stadtrivalen Inter nicht zu halten.

Der bullige Stürmer war eine Naturgewalt! Bevor Depressionen und der Alkohol ihn später zu einem Schatten seiner selbst machten, bombte er die Elf von Carlos Alberto Perreira mit fünf Treffern, zwei davon im Finale, zum Turniersieg. Pablo Aimars Ehrentreffer zum 4:1 machte die Schmach für die Gauchos nur unwesentlich erträglicher.

Die WM-Quali in Südamerika in der Übersicht

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