Fussball

Özil im Land der Großväter

Von Für SPOX in Istanbul: Daniel Börlein
Dienstag, 19.05.2009 | 17:17 Uhr
Werder Bremens Torsten Frings glaubt, dass Mesut Özil Spielmacher Diego ersetzen kann
© Getty

Mesut Özil steht vor dem Endspiel in Istanbul gegen Schachtjor Donezk  (20.30 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere) als einziger Türke und Diego-Ersatz besonders im Blickpunkt. Doch auch für Torsten Frings ist das Finale eine ganz besondere Partie.

Politiker und Fußball, das ist immer so eine Sache. Auf der einen Seite soll es natürlich auch den Volksvertretern vergönnt sein, sich der Leidenschaft für das runde Leder hinzugeben.

Auf der anderen Seite hat es allerdings doch irgendwie einen faden Beigeschmack, wenn beispielsweise ein Gerhard Schröder als bekennender Hannover-Anhänger plötzlich mit Energie-Fanschal im Cottbuser Stadion der Freundschaft sitzt.

Cem Özdemir trägt keinen Fanschal um den Hals. Ob der Parteichef der Grünen überhaupt für einen Fußball-Klub sympathisiert, ist nicht bekannt. Was man allerdings weiß: Özdemir ist Fan von Mesut Özil.

Entscheidung fürs DFB-Team

Der Grünen-Chef findet es klasse, dass sich Özil für eine Zukunft in der deutschen Nationalmannschaft entschieden hat: "Dank Eisbrechern wie ihm, wird in ein paar Jahren die Diskussion beendet sein, ob die deutsche Nationalmannschaft auch die Nationalmannschaft von Deutschtürken oder anderen Migrantengruppen ist."

In der Türkei hätten sie Özil auch gerne gehabt. Nationalcoach Fatih Terim hat lange um den 20-Jährigen gekämpft. Im Endspiel in Istanbul zwischen Schachtjor Donezk und Werder Bremen kann Özil nun dem ganzen Land zeigen, warum.

Erste Chance für Özil

Sicherlich sei das Finale, aufgrund der Tatsache, dass es im Land seiner Großväter stattfindet, etwas Besonderes, sagt der Mittelfeldspieler. Doch letztlich geht es für Özil um mehr, als nur um bloße Sentimentalitäten.

Erstmals seit er bei den Profis spielt, steht er in einem Finale. Erstmals kann Özil zeigen, ob er diesem ganz besonderen Druck gewachsen ist. Erstmals muss er auf ganz großer Bühne beweisen, dass es bei Werder auch ohne Diego geht.

Der Brasilianer ist im Finale gesperrt und in kommenden Jahren überhaupt nicht mehr dabei. Özil gilt als sein legitimer Nachfolger, für die Zeit nach Diego wurde er geholt und aufgebaut.

Schaaf: Wir setzen auf ihn

"Ich konzentriere mich nur auf mich. Ich weiß, was ich kann. Wir haben schon bewiesen, dass wir auch ohne Diego können", sagt er trotzig, wenngleich er weiß, dass vergangene Spiele nun nicht mehr zählen.

"Wir setzen darauf, dass er eine tolle Saison im Finale krönt", sagt Thomas Schaaf, den der ewige Vergleich mit Diego nervt. "Er ist nicht der kleine Diego. Mesut ist nicht zu vergleichen mit anderen Spielern. Er hat eine tolle Art und Weise, Fußball zu spielen."

Frings: "Özil macht unser Spiel schneller"

Mittlerweile kommt Özils Stil bei den Mitspielern sogar besser an, als der von Diego. "Er macht unser Spiel schneller. Diego ist da anders, der kommt sehr viel über die individuelle Stärke", sagte Torsten Frings im Gespräch mit SPOX. "Mesut kann das im Mittelfeld auch alleine meistern."

Gelingt ihm das in den anstehenden Endspielen, wird Werder die Millionen aus dem Diego-Transfer in andere Bereiche investieren. Die Zukunft in Bremen gehört dann Mesut Özil.

Letzte Chance für Frings?

Torsten Frings hat seine Zukunft dagegen in gewisser Weise schon hinter sich. Während es für Özil um die erste Chance auf einen großen Titel geht, ist es für den 32-Jährigen womöglich schon die letzte. "Diesen Titel zu holen wäre famos. Es wäre die Krönung meiner Karriere", sagte Frings im "Kicker". Und: "So oft steht man nicht in einem Endspiel."

Mit der Nationalmannschaft schaffte es der Mittelfeldspieler bei der WM 2002 und der EM im vergangenen Jahr immerhin zweimal ins Finale, beide Male allerdings verließ Frings den Platz als Verlierer. "Jetzt wird es Zeit, dass ich mal was in den Händen halte", sagt er deshalb.

Verhältnis zu Löw gestört

Ans Aufhören denkt Frings freilich noch nicht. Sein Vertrag in Bremen läuft noch bis 2011, außerdem "fühle ich mich gut, auch vom Körper her". Doch er weiß auch, dass ihm die Zeit langsam wegläuft: "Werder ist kein Verein, der jedes Jahr die Chance hat, in ein Europacup-Finale zu gelangen."

Und in der Nationalmannschaft ist Frings seit der EM nicht mehr unumstritten.Eine Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika gilt längst noch nicht als gesichert. Das Verhältnis zum Bundestrainer scheint zumindest gestört.

"Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Schon gar nicht Joachim Löw. Der sollte wissen, was ich kann, wenn ich fit bin", schimpft Frings. Fußballer und Diplomatie ist eben immer so eine Sache.

Mesut Özil im Steckbrief

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