Fussball

Zu ungeil auf das nächste Tor

Von Für SPOX in Bremen: Stefan Rommel
Naldo machte das einzige Tor des Abends. Chancen für weitere Treffer hatte Bremen genug

Eigentlich hätte ein zufriedener Seufzer über dem Bremer Weserstadion liegen müssen. Zwar war es nur das knappste aller Resultate, ein 1:0 gegen den AS St. Etienne, aber es war: ein Sieg. Ein Heimsieg.

Jetzt ist es nicht so, dass Werder Bremen die Essenz des Fußballs, nämlich nach 90 Minuten mindestens ein Tor mehr geschossen zu haben als der Gegner, ganz verlernt hätte. Immerhin gab es im DFB-Pokal im Jahr 2009 ja schon zwei Erfolge, schön anzuschauen noch obendrein, aber eben beide nicht vor heimischem Publikum.

In der Bundesliga wartet Werder seit der Winterpause noch auf den ersten Dreier zu Hause und einige fabulierten schon über einen Fluch, der auf dem Stadion laste. Da sollte der erhoffte Befreiungsschlag im UEFA-Cup doch genau zur rechten Zeit kommen.

Unzufriedene Gesichter

Trotzdem blickte man nach dem Spiel gegen "Les Vertes"  aus Frankreich fast nur in unzufriedene Bremer Gesichter. Denn das 1:0 war ein Sieg, der als solcher gar nicht so recht wahrgenommen wurde.

Zu überlegen war Werder über weite Strecken der Partie, zu schwach der Gegner. Im Punktspielbetrieb ist ein 1:0 ein Sieg und drei Punkte wert. In der K.o.-Runde des UEFA-Cups ist ein 1:0 zu Hause eine vernünftige, aber keine beruhigende Ausgangsposition - und schon gar keine Garantie auf das Erreichen der nächsten Runde.

Bremen und die Chancen

"Wir hätten St. Etienne mit einer klareren Niederlage nach Hause schicken müssen. Wir waren in der Chancenauswertung nicht so konsequent, wie man das in so einem Spiel sein muss", moserte Manager Klaus Allofs nach dem Spiel und jeder seiner Bremer Mitstreiter pflichtete dem Boss bei.

Gut und gerne zwei oder sogar drei Treffer mehr hätten die Bremer erzielen können und somit das Viertelfinale schon beinahe buchen können. Aber eine unerklärliche Lethargie und die mittlerweile schon traditionell schwache Chancenverwertung verhinderten dies.

Besonders das strikte Auslassen etlicher Großchancen brachte Trainer Thomas Schaaf nach dem Spiel auf die Palme. "Wir müssen weiter daran arbeiten. Wir haben schon gleich am Anfang eine Riesen-Chance durch Hugo gehabt. Wir gehen zu sorglos mit unseren Chancen um."

Eine Einladung an St. Etienne

Schon zur Pause hätte der Sack zu sein müssen. "Wir hätten schon in der ersten Halbzeit drei, vier Tore machen müssen. Deshalb wird's jetzt ganz schwer für uns beim Rückspiel zu bestehen", formulierte es Torhüter Tim Wiese.

Und Sebastian Boenisch forderte:  "Da müssen wir einfach geiler sein auf das nächste Tor." Waren die Bremer aber nicht. Und so entsannen sich die Gäste in der zweiten Halbzeit plötzlich ihrer eigenen Stärken und nahmen Werders freundliche Geste an, als die Gastgeber ihnen quasi die Tür wieder öffneten, um zurück ins Spiel zu finden.

"Wir haben nicht das Spiel hingelegt, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben St. Etienne wieder ins Spiel kommen lassen. Das war schon verwunderlich. Da haben wir keine Aktionen mehr gehabt", rätselte Schaaf über die Leistung seiner Mannschaft in den zweiten 45 Minuten.

Kleine Schritte statt "Hurra-Fußball"

Immerhin konnten die Bremer das Schlimmste noch verhindern und spielten zum dritten Mal in Folge zu Null. Eine geradezu phantastische Errungenschaft aus Bremer Sicht, war das Team bisher doch viel zu oft unter der Prämisse "Hurra-Fußball" aufgetreten.

Das scheint sich in den letzten Wochen etwas zu stabilisieren. 0:0, 0:0, 1:0 lauten die letzten Ergebnisse. Von einem 4:3, 3:3, 3:4 sind die Bremer im Moment weit entfernt. Es ist gewiss kein Stilwandel, aber doch eine besonnenere Spielweise, die Werder seit geraumer Zeit an den Tag legt. Keine archaischen Feste mehr, eher die Politik der kleinen Schritte.

Der richtige Weg für Europa

In der Bundesliga wird es damit bei 13 Punkten Rückstand auf Platz fünf nicht mehr für den Sprung auf einen der internationalen Plätze reichen. Aber im UEFA-Cup, dem K.o.-Wettbewerb, wo kleine Fehler sofort bestraft und jedes Auswärtstor den Ausschlag gegeb kann, könnte es genau der richtige Weg sein.

Denn bei allem Ärger um die vielen vergebenen Chancen und darüber, nicht schon vor dem Rückspiel in Frankreich, wo die Bremer "ein Hexenkessel" (Allofs) erwarten wird, alles klar gemacht zu haben, dürfen die Bremer eines auch nicht vergessen.

Zwar hat St. Etienne erhebliche Probleme in der heimischen Liga. Aber im UEFA-Cup waren die Grünen bisher eine Macht. Seit zwölf Spielen war ASSE in Europa ungeschlagen, die letzte Niederlage datiert aus dem Jahr 1982, ein 0:4 gegen Bohemians Prag.

Mehr Entschlossenheit im Rückspiel

In ihrer Gruppe setzten sich die Franzosen gegen die Champions League verwöhnten FC Valencia, FC Brügge und Rosenborg Trondheim durch, in der Zwischenrunde schaltete St. Etienne mal eben Olympiakos Piräus mit zwei Siegen aus.

So blickte auch Allofs wieder etwas zufriedener in die Zukunft und formulierte eine klare Marschroute für das Rückspiel im Stade Geoffroy Guichard.

"Wir werden dort mit einer anderen Begeisterung, mit einer anderen Zweikampfstärke und auch mit mehr Entschlossenheit - vor allem was den Abschluss angeht - zu Werke gehen müssen."

Ein 0:0 würde schon reichen. Und damit kennen sich die Bremer mittlerweile ja schon ganz gut aus.

Das UEFA-Cup-Achtelfinale im Überblick

 

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