Gegner ohne Geheimnisse

Von dpa
Mittwoch, 26.09.2007 | 10:04 Uhr
Prinz, Nordkorea, Deutschland
© Getty
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Tianjin - Mit dem Traum-Duo Sandra Smisek und Birgit Prinz an der Spitze wollen die deutschen Fußballerinnen in das Endspiel der Weltmeisterschaft in China stürmen.

Ein Sieg über Norwegen im Halbfinale (14 Uhr im SPOX-LIVE-TICKER) - und die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hätte auf dem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung das nächste Etappenziel erreicht.

Silvia Neid verbreitete in Tianjin große Zuversicht und präsentierte sich drei Tage nach dem 3:0 im Viertelfinale über Nordkorea locker und fröhlich. Keinerlei Verletzung sei zu beklagen, meinte die Cheftrainerin lächelnd. "Alle sind fit und bereit."

Auch Saskia Bartusiak, die kurz vor ihrem geplanten Einsatz im dritten Gruppenspiel gegen Japan eine Adduktorenblessur erlitten hatte, trainiert wieder mit und gehört zum Kader. Große Anstrengungen werden aber vermieden.

Keine Veränderungen zu erwarten

Zwei Tage vor dem Spiel vergnügte sich die DFB-Elf sich mit Fußball-Tennis, am Vorabend stand die abschließende Übungseinheit im Olympic Sport-Center auf dem Programm. "Alle sind gut drauf. Wir freuen uns, dass wir erneut zu den besten vier Teams der Welt gehören", so Neid, die keine personelle Änderung gegenüber dem Nordkorea-Spiel plant.

"Warum auch? Unsere Defensive stand gut, und nach vorn sind wir immer gefährlich", betonte die 43-Jährige.

Klar, dass die vom größten Druck befreiten DFB-Frauen nach dem Vorstoß ins Semifinale nun mehr wollen. "Es ist ein 50:50-Spiel. Wir kennen den Gegner sehr genau, Stärken und Schwächen. Geheimnisse gibt es nicht. Aber das gilt auch für Norwegen. Jeder weiß alles über den Gegner", sagte Neid, deren Rezept gegen die zweikampfstarken Norwegerinnen denkbar einfach ist. "Auf keinen Fall werden wir so schlecht spielen wie beim 2:2 vor vier Wochen."

Ein Duo mit Vergangenheit

Neben der bei der WM bisher tadellos operierenden Defensive, die in vier Spielen noch kein Gegentor zuließ, kommt dem schnellen und präzisen Spiel in die Spitze eine tragende Rolle zu. Erstmals bei einem großen Turnier ist das Frankfurter Sturm-Duo Prinz/Smisek gesetzt.

Das ist umso erstaunlicher, da die beiden mit kurzen Unterbrechungen seit 14 Jahren Seite an Seite spielen. Schon in der Mädchenmannschaft des FSV Frankfurt kreuzten sich die Wege der damals 15-Jährigen. "Unser Trainer wollte uns beibringen, wie wir vorne kreuzen. Das hat anfangs gar nicht geklappt", erinnert sich Smisek. "Noch heute sprechen wir ab und zu darüber und lachen uns kaputt."

So unterschiedlich sie als Privatpersonen, in ihrem äußerlichen Erscheinungsbild und in ihren Rollen auf dem Platz sind, so gut harmonieren sie auf dem Rasen. Wenn die Floskel vom "blinden Verständnis" einen Sinn macht, dann bei diesem Duett, das eine optimale Aufgabenverteilung hat.

Gerne im Hintergrund

"Ich bin eher der quirlige Typ und bereite die Tore vor. Birgit macht die Dinger lieber selbst rein", erläuterte die 1,64 Meter kleine und 58 Kilogramm leichte Smisek. Sie versteht sich als emsige Zulieferin, die der weitaus bekannteren dreimaligen Weltfußballerin den Erfolg und die riesige Popularität keineswegs neidet.

"Ich möchte nicht mit ihr tauschen", betonte "Smi", "so wie sie in der Öffentlichkeit zu stehen, ist nicht mein Ding."

"Die Wahrnehmung muss sich ändern"

Auch Prinz, die als Fußballerin nicht nur alle deutschen Rekorde hält, sondern auch mit 13 Toren die erfolgreichste WM-Spielerin der Historie ist, würde oft am liebsten abtauchen.

Die "everybody's darling"-Rolle ist ihr nicht auf den Leib geschrieben. Von ihrer kongenialen Partnerin schwärmt Prinz in den höchste Tönen. "Sie ist technisch perfekt, läuferisch stark und spielintelligent. In der Nationalmannschaft hatte sie es oft schwer, aber sie spielt eine tolle WM. Wir haben uns gesucht und gefunden", betonte Prinz.

In der öffentlichen Wahrnehmung werde Smisek leider oft vergessen, weil sie im Verborgenen arbeite. "Aber nicht sie muss sich ändern, sondern die Wahrnehmung." Was das Duo eint, ist das Streben nach Erfolg. Smisek: "Wir wollen ins Finale und leben gerade unseren Traum."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: Angerer - Stegemann, Hingst, Krahn, Bresonik - Garefrekes, Laudehr, Lingor, Behringer - Smisek, Prinz

Norwegen: Nordby - Rönning, Stangeland Horpestad, Folstad, Huse - Knutsen, Stensland, Solveig Gulbrandsen - Larsen Kaurin, Herlovsen, Ragnhild Gulbrandsen

Schiedsrichterin: Damkova (Tschechien)

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