Der 11. Spieltag in der Süper Lig

Auch Iverson bringt Besiktas kein Glück

Von SPOX
Montag, 08.11.2010 | 21:09 Uhr
Guti (r.) stand 90 Minuten in Deckung vom Ex-Bundesliga-Spieler Tjikuzu
© Getty
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Besiktas kommt gegen den sieglosen Tabellenletzten Kasimpasa nicht über ein 1:1 hinaus und fällt immer weiter zurück. Auch Basketball-Star Allen Iverson, der das Spiel live im Stadion verfolgt hat, bringt kein Glück. Trabzonspor ist der neue Tabellenführer der Süper Lig. Der Schwarzmeer-Klub gewann gegen Galatasaray mit 2:0 (0:0) und überholt Bursaspor, das bei Antalyaspor patzte. Während sich Gala vom Titelrennen verabschiedet, darf Fenerbahce nach dem 4:2 gegen Eskisehirspor wieder hoffen.

Besiktas - Kasimpasa 1:1 (0:0)

Tore: 0:1 Ersen Martin (77.), 1:1 Ismail Köybasi (85.)

90 Minuten: Titelfavorit gegen den sieglosen Tabellenletzten - klare Sache! Und so sah es auch zunächst aus. Besiktas hatte mehr Ballbesitz, mehr Spielanteile, mehr Zug nach vorne, war aber gleichzeitig auch sehr ungefährlich vor dem Tor. Kasimpasa verteidigte mit Mann und Maus. Da aber Besiktas im Fortlauf des Spiels keine Torchancen kreierte, traute sich Kasimpasa mehr und wurde vor allem nach der Pause gefährlich durch gute Konter über die Außen. Schuster brachte den wochenlang verletzten Quaresma zur Halbzeit, aber der Portugiese ist noch weit von seiner Form entfernt. In der Schlussphase überschlugen sich dann die Ereignisse: Erst traf Ex-Besiktas-Spieler Ersen Martin (77.) zum 0:1 nach dickem Fehler von Rüstü. Fünf Minuten vor Schluss glich Ismail aus. Doch das war längst nicht alles: Ein Quaresma-Tor in der 93. Minute zählte aufgrund einer Abseitsstellung nicht. Eine Minute später gab es einen Foulelfmeter, den Guti schlecht ausführte und Tolga Özgen in die Arme schoss.

Spieler des Spiels: Tolga Özgen. Der Ersatztorhüter spielt, weil Stammkeeper Murat Sahin verletzt ist und das bravourös. Insbesondere in der Schlussphase gegen Besiktas war der Routinier mit unglaublichen Reflexen und Rettungstaten zur Stelle. Der gehaltene Elfmeter gegen Guti war das i-Tüpfelchen einer großartigen Leistung.

Lehren des Spiels: Guti ist zurück, Aurelio ist zurück, Quaresma ist zurück - und sogar Allen Iverson ist da. Der neue Basketball-Star Besiktas' sah am Tag seiner Ankunft am Bosporus bei den Fußballern vorbei. Glück brachte er seinem neuen Arbeitgeber nicht. Bernd Schuster muss sich allmählich Gedanken machen. Noch nicht um seinen Job, aber um seine Mannschaft, die selbst gegen den sieglosen Tabellenletzten am Rande einer Niederlage war. Besiktas steckt tief im Leistungsloch und hat mittlerweile neun Punkte Rückstand auf Tabellenführer Trabzonspor. Dass Schuster die Schuld beim Schiedsrichter und dem Gegner sucht, zieht nicht. Dafür spielt Besiktas schon seit Wochen weit unter den Möglichkeiten, die seine Truppe hat.

Trabzonspor - Galatasaray 2:0 (0:0)

Tore: 1:0 Umut Bulut (75.), 2:0 Umut Bulut (90.)

90 Minuten: Galatasaray erwischte wie schon im Derby bei Fenerbahce und gegen Antalyaspor einen guten Start ins Spiel. Die Istanbuler ließen den Ball gut laufen und hatten durch Elano schon nach zwei Minuten die große Chance. Galatasaray überzeugte in der Defensive, verhinderte das gefürchtete Kombinationsspiel Trabzonspors durch sehr gutes Stellungsspiel und starker Laufarbeit. Darunter litt allerdings die Offensive. Pino war weitesgehend auf sich alleine gestellt und musste sich die Bälle tief in der eigenen Hälfte holen.

Völlig aus dem Spiel war auch die einzige Spitze Trabzonspors. Umut Buluts Ballkontakte hatten Seltenheitswert. Das Tor des Stürmers fiel auch erst nach kapitalem Abwehrfehler von Servet Cetin. Das 2:0 in der Nachspielzeit war Ergebniskosmetik. Insgesamt kein unverdienter Sieg für Trabzon, das viel Geduld bewahrte, aber lange nicht an die Leistungen der letzten Wochen anknüpfen konnte.

Star des Spiels: Umut Bulut. Der Angreifer war über 90 Minuten nicht zu sehen. Phasenweise fragte man sich, ob Umut überhaupt aufgestellt wurde. Aber im entscheidenden Moment war der Stürmer da und schlug eiskalt zu und schoss so Trabzon an die Spitze. Am Ende wurde es sogar ein Doppelpack. Klarer Fall von entscheidender Mann.

Lehren des Spiels: Trabzonspor hat's gepackt! Der Schwarzmeer-Klub ist der neue Tabellenführer der Süper Lig. Die Leistungen in den vergangenen Wochen waren vielversprechend: Trabzon spielte mit Abstand den ansehnlichsten Fußball, schoss Tore nach Belieben, aber das Gala-Spiel war ein Rückschlag. Trabzon entfachte viel zu selten Gefahr in der Offensive, verstand es nicht, das Gala-Bollwerk zu knacken. Umuts Tor zur Führung war sehr glücklich, aber genau dieses Glück hat sich Trabzon wohl zuletzt erarbeitet.

In der nächsten Woche kommt es zum Spektakel gegen Spitzenreiter Bursaspor. Ein Kräftemessen Anatoliens um die Spitze der Süper Lig. Vorerst nicht im Titelkampf ist Galatasaray. Für Gheorghe Hagi setzte es in seinem dritten Spiel bei der Rückkehr auf die Trainerbank die erste Niederlage. Der Rückstand zum neuen Spitzenreiter Trabzon beträgt zehn Punkte. Die Leistung in Trabzon war defensiv überzeugend, aber nach vorne werden nach wie vor Arda Turan und Milan Baros schmerzlich vermisst. Dass dieses Duo erst knapp in einem Monat zurückkehrt, dürfte die Hoffnungen bei den Gelb-Roten kaumk erhöhen.

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MP Antalyaspor - Bursaspor 2:2 (2:0)

In einer temporeichen und ansehlichen Partie trennten sich die Überraschungsmannschaft aus Antalya und der Spitzenreiter mit einem am Ende gerechten 2:2. Die erste Hälfte begann ausgeglichen und arm an Höhepunkten, vor allem Bursa wollte offensiv wenig gelingen.

Nach einem Kopfballtreffer von Ugur Inceman (24.) und einem herrlichen Treffer durch Kerem kurz vor dem Halbzeitpfiff ging es mit der 2:0-Führung der Gastgeber in die Pause. In der zweiten Halbzeit gewann die Partie an Tempo und Bursa startete die Aufholjagd.

Der Anschlusstreffer fiel in der 51. Minute durch Ali Tandogan, wurde aber zur Schrecksekunde: der Kapitän stürzte beim Kopfball unglücklich zu Boden, verlor das Bewusstsein und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Trotz des Schocks entwickelten die "Krokodile" weiterhin Druck und kamen in der 74. Minute durch Ozan Ipek zum Ausgleich.

Auch danach blieb Bursa überlegen und drängte auf den Sieg, bis Kirita in der 85. Minute seine Mannschaft durch eine Dummheit schwächte: der Rumäne senste Djiehoua an der Mittellinie um und sah die Rote Karte. Am Ende blieb es beim leistungsgerechten Unentschieden.

Fenerbahce - Eskisehirspor 4:2 (3:1)

Die Tore: 1:0 Alex (3.), 1:1 Sezer (13.), 2:1 Semih (18.), 3:1 Gökhan (45.), 3:2 Serdar (66.), 4:2 Semih (72.)

Die 90 Minuten: Im von dichtem Nebel belagerten Sücrü-Saracoglu waren keine 20 Minuten gespielt, da stand es schon 2:1 für Fener. Die Hausherren legten los wie die Feuerwehr und spielten mit schönen Kombinationen direkt Richtung gegnerisches Gehäuse. Nachdem Sezer noch überraschend die Führung durch Alex ausgleichen konnte, legte Semih mit einem Kopfballtreffer nach. Kurz vor der Pause baute Gökhan die Führung per fulminantem Schuss aus.

Kurios wurde es in der Halbzeitpause: Feners Abwehrchef Lugano und EsEs-Torschütze Sezer, die kurz zuvor auf dem Feld aneinandergeraten waren, gingen in den Katakomben aufeinander los und sahen die Gelb-Rote Karte.

In der zweiten Halbzeit verflachte dann die Partie, bis der eingewechselte Bilica durch einen kapitalen Fehler den Anschluss durch Serdar ermöglichte (66.). Trotzdem blieb Fener die klar überlegene Mannschaft mit einer Vielzahl an Torchancen, eine davon nutzte erneut Semih in der 71. Minuten nach schöner Kombination zum 4:2 Endstand.

Der Star des Spiels: Gökhan Gönül. Der Rechtsverteidiger hat unter der Woche nicht trainiert, sein Einsatz war bis kurz vor Spielbeginn fraglich. Umso bemerkenswerter seine Leistung. Der 25-Jährige machte 90 Minuten lang Druck nach vorne, bereitete zwei Tore mustergültig über die Außen vor und erzielte ein schönes Tor. Angesprochen auf seine gute Leistung, verspürte Gökhan nach dem Spiel Genugtuung: "Ich wurde in letzter Zeit häufig kritisiert, doch heute bin ich mit meiner Leistung sehr zufrieden." Ebenfalls sehr stark: die anderen zwei Torschützen Alex und Semih.

Die Lehren des Spiels: Ein wenig überraschendes Ergebnis in Kadiköy. Fener ging als haushoher Favorit in die Partie und machte die Kräfteverhältnisse gleich in der Anfangsphase deutlich, als die Gastgeber einen Angriff nach dem anderen starteten. Insgesamt zeigte die Mannschaft eine überlegene und überzeugende Leistung.

Deutlich wurde die Wichtigkeit einiger Leistungsträger: während der Ausfall Niangs noch durch den Doppelpack Semihs egalisiert wurde, war nach der verletzungsbedingten Auswechslung Emres, der wohl länger ausfallen wird, ein Bruch im Angriffspiel zu spüren. Nach Luganos Platzverweis führte dann ein Abwehrschnitzer zum unnötigen Gegentreffer.

Die Gäste hingegen traten zwar durchaus couragiert auf und kamen zweimal zurück, präsentierten sich aber insgesamt viel zu harmlos und hatten im Endeffekt keine Chance.

Der Spieltag in der Süper Lig im Überblick

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