Traineranalyse der Süper Lig

Zwei Wackelkandidaten und eine Bank

Von Fatih Demireli
Donnerstag, 08.04.2010 | 12:55 Uhr
Mustafa Denizli und Christoph Daum wurden bereits türkischer Meister - Frank Rijkaard noch nicht
© spox
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Die Entscheidung im Kampf um die Meisterschaft in der Süper Lig rückt immer näher. Besonders für die drei Istanbuler Klubs sind es die Wochen der Wahrheit. Vor allem die Trainer stehen im Fokus, denn ihr Schicksal steht unmittelbar mit dem Abschneiden zum Saisonende in Verbindung. SPOX analysiert die Situation von Christoph Daum und Co.

Christoph Daum (Fenerbahce): Für den Deutschen ist es eine Achterbahnsaison. Nach Rekordstart mit acht Siegen in Folge baute Fenerbahce zum Ende der Hinrunde ab. Nach erneut starkem Start in die Rückrunde setzte es eine Negativserie von sieben Pflichtspielen in Folge. Türkische Medien spekulierten bereits über eine vorzeitige Ablösung Daums.

Problematisch gestaltete sich nicht nur die sportliche Situation: Das belastete Verhältnis zu Sportdirektor Aykut Kocaman sorgte für Missstimmung. Das Duo arbeitet trotz öffentlicher Dementis von Daum nach wie vor nicht im Einklang, aber der Aufschwung in der Süper Lig in den vergangenen Wochen legte zumindest dieses Thema bis zum Saisonende ad acta.

Kocaman wird möglicherweise direkt nach Saisonende Fenerbahce verlassen. Daums Schicksal hängt mit der Meisterschaft zusammen. Sollte die geholt werden, sollte der Fener-Coach, der große Unterstützung des mächtigen Präsidenten Aziz Yildirim genießt, bleiben. Andernfalls droht Daum die vorzeitige Entlassung, denn Yildirim feuerte in seiner Ära bislang jeden Trainer, der nicht Meister wurde. Auch Daum 2007.

Mustafa Denizli (Besiktas): Beim Titelverteidiger sind die Würfel gefallen - und das überraschend früh. Mustafa Denizli hat seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag um eine weitere Saison verlängert. Ursprünglich wollte sich Denizli erst nach der Spielzeit entscheiden, aber Präsident Yildirim Demirören leistete in den vergangenen Wochen ganze Überzeugungsarbeit.

Die frühe Einigung bringt Besiktas durchaus in eine komfortable Situation. Nach dem Titelgewinn in der vergangenen Saison zog sich die Entscheidung bis in den Juni hinein und wichtige Transferentscheidungen konnten erst spät getroffen werden.

Denizli, der immer wieder mal das Ende seiner Trainerlaufbahn ins Gespräch bringt, soll Besiktas eine weitere Saison trainieren. In den türkischen Medien fiel in den vergangenen Wochen und Monaten auch immer wieder der Name Thomas Doll, der sich bei Genclerbirligi einen guten Namen gemacht hat.

Frank Rijkaard (Galatasaray): Das größte Fragezeichen in Istanbul steht hinter dem Namen Frank Rijkaard. Unter dem Absturz in der Süper Lig hat auch der Status des Niederländers gelitten. Der einst auch in den Medien unumstrittene Rijkaard wird in Frage gestellt, Zeitungen spekulieren über die Entlassung zum Saisonende.

Galatasaray-Präsident Adnan Polat kündigte für den Fall seiner Wiederwahl sofortige Vertragsgespräche mit Rijkaard an: "Er hat auch für die kommende Saison noch einen gültigen Vertrag, aber wir wollen vorzeitig verlängern", so Polat Anfang März. Der Unternehmer hat die Wahl inzwischen gewonnen, aber von Gesprächen mit Rijkaard ist keine Rede mehr.

Eine Entlassung zum Saisonende wäre dennoch überraschend. "Rijkaard ist für uns wie eine Revolution", sagt Boss Polat. Auch Rijkaard, dem Angebote aus England und Italien nachgesagt werden, will in Istanbul bleiben.

Um ganz sicher zu gehen, sollte Rijkaard aber mindestens Platz zwei und damit die Qualifikation zur Champions League erreichen. Andernfalls wird es eine Zitterpartie.

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