Wunderkind Batuhan Karadeniz

Immer noch kein König

Von Fatih Demireli
Mittwoch, 10.02.2010 | 17:09 Uhr
Batuhan Karadeniz kam in der laufenden Süper-Lig-Saison noch nicht zum Einsatz
© anadolu
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Batuhan Karadeniz gehört zu den größten Sturmtalenten der Türkei, doch die Karriere des 19-Jährigen ist ins Stocken geraten. Dafür hat das enfant terrible höchpersönlich gesorgt. Das Top-Talent von Besiktas hat allerdings prominente Fürsprecher.

Gediminas Mazeika aus Litauen traute seinen Augen nicht. Es ist das Halbfinale bei der U-17-Europameisterschaft 2007, im Elfmeterschießen geht es um den Einzug ins Endspiel.

Der junge Mann, der beim Duell Türkei gegen Frankreich den entscheidenden Elfmeter ausführen soll, macht unnötige Späßchen, zeigt dem Torhüter provokant die Ecke, in die er den Elfmeter schießen will. Schiedsrichter Mazeika ermahnt den Elfer-Schützen Batuhan Karadeniz: So nicht!

Viele Eskapaden in jungen Jahren

Doch Sekunden später ist alles zu spät: Batuhan schießt tatsächlich in die angekündigte Ecke, Frankreich-Torhüter Anthony Mfa Mezui folgt der nicht ganz unerheblichen Information und hält den Elfmeter. Frankreich steht im Finale, die Türkei scheidet im Heimturnier aus.

"Was soll ich machen? Über das Verhalten Batuhans soll sich sein Klub Gedanken machen", so U-17-Nationaltrainer Senol Ustaömer damals. Inzwischen ist eine Weile vergangen und die Elfmeteraktion kann inzwischen unter der Kategorie "harmlos" verbucht werden. Bei den ganzen Eskapaden, die Batuhan in seiner noch jungen Karriere fabrizierte, wurde sie sogar fast schon vergessen.

Hakan Sükür adelt Batuhan

Es wäre eigentlich nicht verwunderlich, wenn auch Batuhan inzwischen in Vergessenheit geraten würde. Seinem Job als Fußballprofi und Stürmer des Spitzenklubs Besiktas geht er sehr unregelmäßig nach. In der aktuellen Saison spielte Batuhan genau sechs Minuten - beim 0:1 in der Champions League gegen Manchester United.

Den Grund, weshalb Batuhan dennoch in aller Munde und einer der Hoffnungsträger des türkischen Fußballs ist, erklärt vielleicht ein nicht verjährtes Zitat der türkischen Stürmerlegende Hakan Sükür: "Es gibt nicht viele Spieler, die ich als meine potentiellen Nachfolger sehe, aber Batuhan Karadeniz ist einer, der das Zeug dazu hat!"

Terim: "Er wird neue Rekorde aufstellen!"

Sükür hat seine Meinung nicht einmal exklusiv. Selbst Fatih Terim, hauptberuflich Disziplinfanatiker, hat Batuhan 2008 mit gerade mal 17 Jahren in die A-Nationalmannschaft berufen. "Er hat sämtliche Junioren-Nationalmannschaften durchlaufen und viele Tore erzielt. Wenn er so weitermacht, wird er auch im Profibereich neue Rekorde aufstellen", so Terim im Oktober 2008.

Trotz seiner 1,92 Meter Körpergröße besticht Batuhan durch eine hervorragende Technik. Beidfüßigkeit, Stärken im Kopfballspiel und im Zweikampf und ein extrem guter Torriecher machen ihn eigentlich zum perfekten Stürmer.

Angebote von den Top-Klubs

Bei seinem Debüt in der A-Nationalmannschaft gegen Bosnien-Herzegowina allerdings kugelte sich Batugol, wie er genannt wird, nach wenigen Minuten die Schulter aus und musste ausgewechselt werden. Folge: Lange Pause! Fast symbolisch für seine Karriere, in der steile Aufstiege und tiefe Abstürze sich abwechseln.

Bereits mit 15 Jahren erhielt Batuhan schon einen Profi-Vertrag bei Besiktas. Seine unglaublichen 226 Tore in 86 Jugendspielen sorgten für die frühe Unterschrift. Regelmäßig flatterten Angebote aus dem Ausland für Batuhan ein. Manchester City, Manchester United und der FC Barcelona wurden vorstellig, konnten den bulligen Angreifer aber nicht abwerben.

Erst Star, dann Sündenbock

Im August 2007 debütierte Batuhan mit 16 in der Süper Lig und schoss auch gleich sein erstes Tor. Gegen Gaziantepspor sogar das 1:0 in der fünften Minute der Nachspielzeit: Ein neuer Star war geboren. Der erste Rückschlag ließ allerdings auch nicht lange auf sich warten.

Beim Derby gegen Fenerbahce lag Besiktas mit 1:2 zurück. In der 90. Minute erkämpfte sich Batuhan den Ball und geht aufs Tor zu. Doch anstatt dem günstig stehenden Federico Higuain anzuspielen, versuchte es Batuhan selbst und scheiterte kläglich. Das Spiel ging verloren, Batuhan wurde neben dem Schiedsrichter, der ein reguläres Tor nicht gab, zum Sündenbock.

Fast in Köln gelandet

Nicht bestätigten Gerüchten zu Folge soll Batuhan seine egoistische Aktion wie folgt begründet haben: "Das ist die Regel des Dschungels: Du sollst keinen zum König machen, wenn du selbst einer werden kannst!" Der König stürzte jedoch schnell ab. Einsatzzeiten gab es fast keine mehr. Zur Winterpause der Saison 2007/2008 sollte Batuhan auf Leihbasis zum 1. FC Köln wechseln.

Der damalige FC-Trainer Christoph Daum wollte Batuhan, den er aus der Türkei bestens kennt, unter seine Fittiche holen, doch der Transfer scheiterte aufgrund diverser FIFA-Regeln bei Transfers für Spieler unter 17 Jahren. Wechseln konnte erst im Januar 2009, als es zu Eskisehirspor ging.

Tor gegen Fener und Rauswurf

Erstmals gelang ihm der sportliche Durchbruch. Unter Besiktas-Legende Riza Calimbay, Trainer in Eskisehir, wurde Batuhan schnell Stammspieler und geriet endlich durch Leistungen in die Schlagzeilen. In 14 Spielen schoss er in einer halben Saison acht Tore, doch dass es wieder zum Rückschlag kommt, war beinahe zu erwarten.

Vor dem Gastspiel bei Fenerbahce feierte Batuhan mit Freunden bis 4 Uhr morgens in einem Istanbuler Nachtklub. Zwar schoss er wenige Stunden später gegen den Favoriten ein Tor, da aber die Sache aufgeflogen war, flog Batuhan aus dem Kader und musste zum Saisonende zurück zu Besiktas.

Kein Leihwechsel mehr

Zu Beginn dieser Saison sollte erneut ein Leihgeschäft die Karriere anschieben, doch auch das sollte nicht funktionieren. Nach einer Einigung mit Gaziantepspor wartete der Klub tagelang auf seinen Neuzugang, doch dieser ließ sich nicht blicken. "Ich habe keine Lust in Gaziantep zu spielen. Entweder will ich wieder nach Eskisehir oder bei Besiktas bleiben", sagte der Youngster damals.

Inzwischen ist Batuhan zum noch größeren Problem geworden. Zu Saisonbeginn war er lange verletzt, doch obwohl er inzwischen gesund ist, vermisst man ihn im Training. Einsatzminuten bekommt Batuhan keine und auch einen Leihwechsel lehnt Besiktas ab. "Er sieht das als Belohnung, wenn er wechseln darf. Er soll hier bleiben und sich durchsetzen", befiehlt Präsident Yildirim Demirören.

"Er sitzt nur noch vor dem Computer"

Inzwischen hat der 19-Jährige geheiratet - natürlich ohne ein einziges Wort seinem Klub zu sagen. "Ein Unding", meint Präsident Demirören, der sich höchstpersönlich um den jungen Angreifer kümmern will. Nur mit Trainer Mustafa Denizli, der ohnehin nicht der größte Freund junger Spieler ist, wird Batuhan nicht warm. Das Duo soll sich mehrmals überworfen haben.

Der Besiktas-Coach wehrt sich: "Ich würde ihn schon hinbekommen, aber er muss es auch wollen." Zurzeit scheint Batuhan nicht mehr zu wollen. "Er sitzt den ganzen Tag vor dem Computer. Wenn es so weitergeht, wird er mit dem Fußball bald nichts mehr am Hut haben", klagt Vater Orhan.

"Ich spiele nicht wegen des Geldes, sondern weil ich den Fußball liebe und großen Spaß habe", sagt Batuhan. Noch stehen ihm trotz aller Nebengeräusche die Türen offen, aber viel Zeit bleibt ihm nicht mehr.

Batuhan Karadeniz im Steckbrief

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