Fussball

FC Barcelona statt Manchester United: Wie Ronaldinho 2003 seinen Kumpel versetzte

Von Oliver Maywurm
Ronaldinho und Kleberson bei der brasilianischen Nationalmannschaft.

Ronaldinho stand 2003 kurz vor einem Wechsel zu Manchester United, ging dann aber doch zu Barca. Eine weitreichende Entscheidung - auch für Kleberson.

Kleberson haderte mit sich, als er das Angebot vom großen Manchester United auf seinem Tisch liegen hatte. Was für eine Chance, dachte sein Kopf. Es wäre die erste Europa-Station des Brasilianers, der ein Jahr zuvor einer der Shootingstars der WM 2002 gewesen war, mit der Selecao den Titel holte. Doch Klebersons Herz dachte anders.

"Ich wollte wechseln, aber ich zögerte, weil ich kein Englisch sprach und bei United niemand war, der Portugiesisch sprechen konnte", erklärte der damals 24-Jährige vergangenes Jahr bei ESPN seine Zweifel. Klebersons vermeintliches Glück: Ronaldinho, sein Kumpel aus der Nationalelf, hatte den gleichen Plan. Jedenfalls glaubte er das.

"Ronaldinho sagte mir, dass er zu Manchester wechseln werde und er sagte mir immer wieder: 'Komm nach Manchester'", erinnerte sich Kleberson. Tatsächlich stand Ronaldinho in jenem Sommer 2003 kurz davor, ins Old Trafford zu wechseln. Der damals 23-Jährige hatte das seinerzeit noch ohne Katar-Millionen auf Platz elf herumdümpelnde PSG als Sprungbrett genutzt, wurde von den absoluten Top-Klubs gejagt. Und United war dabei lange in der Pole Position.

Ronaldinho über Transfer: "Beinahe passiert"

"Es wäre beinahe passiert, es war eine Sache von 48 Stunden", sagte Ronaldinho gegenüber FourFourTwo. Der Brasilianer war sogar schon nach Manchester gereist, hatte sich alles angeschaut in seiner vermeintlich künftigen Heimat.

Quinton Fortune, ehemaliger Mittelfeldspieler von United, hat seine ganz eigene Theorie, warum es Ronaldinho dann schließlich doch nicht auf die Insel verschlug. "Wir haben Ronaldinho wohl zur falschen Jahreszeit eingeladen, denn es regnete, als er am Flughafen in Manchester ankam. Vielleicht war es sogar Sommer, aber ohnehin: Wenn wir es auf den richtigen Tag gelegt hätten, hätte es anders ausgehen können."

Ausschlaggebend für Ronaldinhos Entscheidung gegen United und für Barca war jedoch nicht wirklich das schlechte Wetter in England. Vielmehr hatte er Sandro Rosell, der im Juni 2003 Barcas Vizepräsident wurde und die Kandidatur des neuen Präsidenten Joan Laporta unterstützte, ein Versprechen gegeben. "Es ging nur noch um Details mit United, als Rosell anrief und sagte, dass sie die Wahl gewinnen werden. Und ich hatte ihm versprochen, dass ich dann für Barca spiele", so Ronaldinho. "Es war eine schnelle Verhandlung und ich sagte den Engländern, dass ich mich für Barca entschieden habe."

Ein Schlag ins Gesicht für Uniteds Trainerlegende Sir Alex Ferguson. Er wollte Ronaldinho unbedingt haben, flog persönlich nach Paris, um den späteren Weltfußballer zu überzeugen. "Ich dachte, wir hätten den Deal eingetütet. Aber als ich nach Paris flog, um mit ihm zu sprechen, hatten sich die Dinge offenbar verschoben", erklärte Ferguson. Es habe Probleme mit Ronaldinhos Bruder und Berater gegeben, zudem gab Ferguson auch Peter Kenyon, damals Vorstandsboss bei United, eine Mitschuld.

Bei Barca, das kurz zuvor eigentlich schon David Beckham verpflichten wollte, dabei aber von Real Madrid ausgestochen wurde, avancierte Ronaldinho endgültig zum Superstar. Zweimal wurde er spanischer Meister, führte die Katalanen 2006 zum Champions-League-Triumph. 2004 und 2005 wurde er zweimal in Folge zum Weltfußballer gekürt, war und ist bis heute der Inbegriff des Jogo Bonito, des schönen Spiels.

Kleberson scheiterte bei Manchester United

"Ronaldinho war verantwortlich für den Umschwung bei Barca", sagte Lionel Messi, der in den besten Jahren des heute 39-Jährigen seinen Durchbruch feierte, einmal über Ronaldinho. "Es war eine schlechte Zeit zuvor und die Veränderung, die er brachte, war fantastisch. Barca sollte auf ewig dankbar sein für alles, was er getan hat."

Und Kleberson? Der wurde in Manchester nie glücklich, absolvierte in zwei Jahren lediglich 30 Pflichtspiele für United und ging 2005 für gut 2,5 Millionen Euro zu Besiktas, so richtig Fahrt nahm seine Karriere später nicht mehr auf. Vielleicht wäre alles viel besser gekommen, hätte er sich gegen einen Wechsel zu United entschieden. Doch Ronaldinhos Wort zählte für ihn eben viel: "Er überzeugte mich, dorthin zu gehen - und dann kam er nicht."

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