"Das beste Real Madrid seit vielen Jahren"

Von Thomas Gaber
Sonntag, 07.03.2010 | 13:23 Uhr
Real Madrid gewann alle 13 Heimspiele in dieser Saison
© Getty
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Real Madrid hat durch einen hart erkämpften 3:2 (0:1)-Sieg gegen den FC Sevilla am 25. Spieltag die Tabellenführung in der Primera Division übernommen. Der FC Barcelona musste sich mit einem 2:2 (1:1) bei UD Almeria zufrieden geben. Lionel Messi traf doppelt für den Titelverteidiger (42./66.).

Real Madrid schloss nach Punkten (62) zu Barca auf, übernahm aber aufgrund der besseren Tordifferenz Platz eins. Am kommenden Mittwoch muss die Mannschaft von Trainer Manuel Pellegrini in der Champions League einen 0:1-Rückstand gegen Olympique Lyon wettmachen.

Real Madrid - FC Sevilla 3:2 (0:1)

Tore: 0:1 Xabi Alonso (9./ET), 0:2 Dragutinovic (52.), 1:2 Ronaldo (60.), 2:2 Sergio Ramos (64.), 3:2 van der Vaart (90.+2)

Fantastisches Spiel im Bernabeu! Der FC Sevilla war 60 Minuten lang die bessere Mannschaft, ging aber in den letzten 30 Minuten im unbeschreiblichen Real-Wirbel unter.

Der Wahnsinn vom Bernabeu im Video

Der Star des Spiels: Andres Palop. Was hat Sevillas Keeper nicht alles gehalten! Ronaldo & Co. waren lange Zeit der Verzweiflung nahe. 16 Torschüsse entschärfte Palop, am Ende war der Ball aber doch drei Mal drin. Ein unvergesslicher Abend für Palop, wenn auch mit unschönem Ausgang.

Die Gurke des Spiels: Alvaro Arbeloa. Reals Linksverteidiger pennte vor dem 0:1, als er Navas nach einem langen Ball laufen ließ. Arbeloa bekam Sevillas quirligen Außenspieler nie in den Griff und holte sich früh die Gelbe Karte ab. Unterstützung für Marcelo in der Offensive gleich Null. Arbeloa wurde in der 55. Minute ausgewechselt.

Die Lehren des Spiels: Sevilla hatte wenig Respekt vor dem großen Gegner. Die Andalusier machten im 4-2-3-1 Real das Leben mit einer exzellenten Raumaufteilung schwer. Das Verschieben klappte perfekt und Sevilla beging nicht den Fehler, sich nach der Führung einzuigeln.

Real griff ständig mit sechs, sieben Spielern an, Gefahr entstand aber nur, wenn es über links ging. Ronaldo und Kaka hatten einen schweren Stand gegen Sevillas defensive Mittelfeldspieler Fazio und Zokora, Dragutinovic legte Higuain an die Kette.

Auch als Reals Druck gegen Ende der ersten Halbzeit zunahm, blieb Sevilla seiner taktischen Marschroute treu und versuchte, mit Kontern Nadelstiche zu setzen. 51 Prozent Ballbesitz im Bernabeu trotz des frühen Führungstreffers sprechen für sich. Wenn Real durchkam, war der glänzende Torhüter Palop zur Stelle.

Nach dem 0:2 schien Real mausetod, zumal Anfang der zweiten Halbzeit in der Offensive nichts funktionierte. Doch Real Madrid beschäftigt nicht umsonst einige der besten Fußballer der Welt.

Nach Ronaldos Anschlusstor wurde der Druck der Hausherren unerträglich für Sevilla. Der eingewechselte Guti riss das Spiel an sich. Seine genialen Pässe hebelten die Sevilla-Abwehr ein ums andere Mal aus.

32 Mal schoss Real aufs Tor, die Gäste lediglich drei Mal. Sevilla hätte sich einen Punkt verdient, doch die atemberaubende Aufholjagd der Königlichen wurde in der letzten Sekunde belohnt.

Die Stimmen des Spiels: "Wir haben die ersten 25 Minuten verschlafen. Meine Spieler haben wohl zu lange an das Unentschieden von Barcelona gedacht. Deswegen war es in der Halbzeit auch ein bisschen lauter als sonst. Guti und van der Vaart haben der Mannschaft einen großen Schub gegeben. Ich bin stolz auf die Truppe." (Real-Coach Manuel Pellegrini)

"Sevillas Tore waren absurd und unverdient. Aber wir sind zurückgekommen. Unser fantastisches Publikum hat uns zum Sieg gepeitscht." (Real-Torhüter Iker Casillas)

"Wir waren der beste Gegner, den Real in dieser Saison im Bernabeu hatte. Wir haben hart gearbeitet und ein sehr gutes Positionsspiel abgeliefert. Aber dieses Real Madrid ist unglaublich - das beste seit vielen Jahren." (Sevilla-Coach Manolo Jimenez)

UD Almeria - FC Barcelona 2:2 (1:1)

Tore: 1:0 Cisma (12.), 1:1 Messi (42.), 2:1 Puyol (56./ET), 2:2 Messi (66.)

Rote Karte: Ibrahimovic (60./Tätlichkeit)

Der FC Barcelona ließ im Meisterkampf unerwartet zwei Punkte liegen. Gegen taktisch gut eingestellte und beherzt fightende Andalusier reichte es dank zweier Messi-Tore nur zu einem 2:2.

Neben Ibrahimovic wurde auch Pep Guardiola des Feldes verwiesen. Der Barca-Coach wurde von Schiedsrichter Carlos Gomez wegen Meckerns bereits in der 27. Minute auf die Tribüne geschickt.

Der Star des Spiels: Lionel Messi. Gegen Deutschland hielt sich der Argentinier vornehmlich zurück. Im Barca-Trikot blüht der Weltfußballer dagegen auf. Zucker-Freistoß zum 1:1, Vollstrecker-Qualitäten beim 2:2. Messi war mit Abstand gefährlichster Barca-Stürmer in Almeria.

Die Gurke des Spiels: Zlatan Ibrahimovic. Der Barca-Stürmer brachte eine Stunde lang nichts auf die Kette. Ibrahimovic bewegte sich schlecht und konnte sich im Zweikampf nicht behaupten. Er holte zwar den Freistoß vor Messis 1:1 heraus, beging dabei aber eher ein Foul als umgekehrt. In der 60. Minute brannten dem Schweden die Sicherungen durch, auch wenn der "Tritt" gegen Cisma nicht so tragisch war, wie Cismas Leiden erahnen ließ.

Die Lehren des Spiels: Lange Zeit wirkte Guardiolas Mannschaft inspirationslos. Die Angriffe verliefen nach Schema F: immer über die Flügel. Messi und Pedro wechselten oft die Seiten, in der Mitte wartete Ibrahimovic vergeblich auf verwertbare Bälle. Barca machte herzlich wenig aus 76 Prozent Ballbesitz. Almeria zog sich weit zurück, selbst der einzige Stürmer Piatti griff erst 30 Meter vor dem eigenen Tor an.

Almeria war mit seinen wenigen Entlastungsangriffen gefährlicher als die noblen Gäste. Bei Ballbesitz schwärmten die Andalusier aus und spielten ihre Konter gradlinig zu Ende.

Der äußerst unglückliche Barca-Kapitän Puyol half bei beiden Gegentoren kräftig mit. Beim ersten verlor er das Kopfballduell gegen Cisma, das zweite besorgte er höchstpersönlich, indem er den Ball unbedrängt ins eigene Netz grätschte.

Die Rote Karte für Ibrahimovic war wie eine Initialzündung für Barca. Mit zehn Mann waren die Katalanen stärker als mit voller Besetzung. Der überragende Almeria-Keepers Diego Alves hielt einen Punkt in der Endphase mit zwei, drei Glanztaten fest.

Die Stimmen zum Spiel: "Ich weiß nicht, warum ich auf die Tribüne musste. Diese Frage müssen Sie dem Schiedsrichter stellen. Vielleicht kann er Ihnen dann auch erklären, warum er Ibrahimovic vom Platz gestellt hat." (Barca-Coach Pep Guardiola)

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