Real-Präsident Calderon denkt an Rückzug

SID
Mittwoch, 14.01.2009 | 20:52 Uhr
Unter Druck: Real Madrids Präsident Ramon Calderon
© Getty
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Präsident Ramon Calderon gerät im Manipulations-Skandal beim spanischen Meister Real Madrid immer mehr unter Druck.

Einen Tag nach den schweren Betrugsvorwürfen gegen den Klub-Chef wegen der angeblichen Manipulation von Abstimmungen auf der vergangenen Mitgliederversammlung lieferte die Sportzeitung "Marca" in ihrer Mittwoch-Ausgabe handfeste Beweise, die Calderon belasten. Dieser lehnt einen Rücktritt allerdings ab.

Die Zeitung veröffentliche Fotos von zehn namentlich genannten Personen, die nicht stimmberechtigt waren, jedoch ihren Stimmzettel in die Höhe hielten und ein Votum abgaben. Bei den Personen handelte es sich um fünf Nicht-Mitglieder und fünf Klub-Zugehörige, die aber zur Wahl nicht zugelassen waren. Besonders peinlich: In Enrique Hours Valdenebro nahm sogar ein Mitglied des Erzrivalen Atletico Madrid an der Abstimmung teil.

"Wir können diese Versammlung gerne wiederholen"

Am Abend schloss Calderon auf einer Pressekonferenz einen sofortigen Rückzug aus seinem Amt. "Sowohl ich als auch andere Vereinsmitglieder hatten keinen Kontakt zu den Personen, die ohne Berechtigung abgestimmt haben. Wir können diese Versammlung gerne wiederholen, ich habe nichts dagegen", erklärte er.

In einer ersten Reaktion hatte er jedoch Zweifel an seiner Zukunft als Real-Präsident geäußert. "Nach heutigem Stand glaube ich nicht, dass ich bei den nächsten Wahlen noch zur Verfügung stehe", wurde er auf der Klubseite zitiert.

Es sei schwer, täglich auf dem Weg zur Arbeit daran denken zu müssen, was wieder über einen in den Zeitungen steht. In den letzten Jahren habe er seine Kraft dem Verein geopfert und die Familie dabei vernachlässigt.

Am Abend teilte Calderon mit, dass zwei für die Organisation der Veranstaltung zuständige Mitarbeiter fristlos entlassen worden seien.

Hooligans zur Einschüchterung?

"Das sind die Scharlatane", hatte "Marca" mit Bezug auf das Foto getitelt. Calderon soll bei der Versammlung am 7. Dezember Personen unerlaubt Zutritt und Abstimmungsrechte verschafft haben, um wichtige Finanz-Entscheidungen durchzubringen.

So wurde der Etat der Saison 2008/2009 mit 564 Ja-Stimmen bei 517 Gegenstimmen knapp angenommen. Der Haushalt der abgelaufenen Saison wurde von 603 Delegierten bei 442 Gegenstimmen abgesegnet.

Zuvor hatte der Verein auffallend defensiv auf die Vorwürfe reagiert. Statt mit juristischen Schritten zu drohen, kündigte Vorstandsmitglied Luis Barcena lediglich an: "Sollte sich die Geschichte bewahrheiten, wird jede Person, die in diese Geschichte involviert ist, sofort aus dem Verein ausgeschlossen."

Ebenfalls dank Calderon sollen Hooligans zu der Versammlung Zutritt erhalten haben, die die Gegner des Präsidenten übertönt und eingeschüchtert haben. Fraglich ist, ob der Präsident sich in den kommenden Monaten noch aus der Notlage befreien kann. Zu den nächsten Wahlen im Klub sollen bereits prominente Konkurrenten ihr Interesse am Amt des Präsidenten gezeigt haben. Dazu gehören Calderon-Vorgänger Florentino Perez sowie Rallyefahrer Carlos Sainz.

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