Ausnahmezustand in Barcelona

SID
Freitag, 18.04.2008 | 13:31 Uhr
© Getty
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München - Der 33. Spieltag hält für den Titelfavoriten Real Madrid und Verfolger FC Barcelona zwei mögliche Stolpersteine bereit. Barca trifft im rappelvollen Camp Nou am Samstag im "El Derbi barcelones" auf den Stadtrivalen Espanyol. Das weiße Ballett reist am Sonntag zum Angstgegner Racing Santander (die Spiele im LIVE-TICKER).

FC Barcelona - Espanyol Barcelona (Samstag, 20 Uhr)

Derbys sind bekanntlich mehr als nur ein Spiel. Sie sind Salz, Pfeffer, Gewürze, einfach alles in einer Fußball-Suppe. Verliert man ein Derby, sind einem Hohn und Spott bis zum nächsten Duell gewiss. Gewinnt man, darf man Hohn und Spott bis zum nächsten Vergleich verbreiten.

Neben der sportlichen Brisanz kommen beim Derbi barcelones historische und politische Aspekte ins Spiel. Espanyol heißt mit vollem Namen Reial Club Deportivu Espanyol und ist ein royalistischer, von Spaniern gegründeter Klub, der primär von spanischstämmigen Fans unterstützt wird.

Der FC Barcelona hingegen repräsentiert die katalanische Bevölkerung der Mittelmeermetropole und gilt als Nationalmannschaft Kataloniens. Als mas que un club - mehr als ein Klub, wie der Barca-Leitspruch lautet.

Alte Rivalitäten

Daher zählt ein Sieg gegen die Blanquiazules (Weiß-Azurblaue) fast so viel wie ein Erfolg gegen den Erzfeind Real Madrid. "Es fällt schwer, die Rivalität mit Espanyol zu beschreiben", erzählt Carles Puyol, Urgestein und Kapitän der Blaugrana (Blau-Dunkelrote), "das fängt schon in der Kindheit an. Nein früher, das bekommt man schon mit der Muttermilch eingeimpft. Entweder ist man Barca oder Espanyol."

In dieselbe Kerbe schlägt Raul Tamudo, Top-Torjäger und Kapitän von Espanyol. "Die ganze Woche über arbeitet man hart auf dieses Match hin. Wächst in den 90 Minuten über sich hinaus. Hat nur ein Ziel vor Augen: den Sieg gegen den Stadtrivalen!"

Hoffnung auf Sensation

Auf einen Dreier im Camp Nou wartet der zweimalige UEFA-Cup-Finalist jedoch seit 26 Jahren vergeblich. In den letzten zehn Partien im Wohnzimmer von Lionel Messi und Co gingen die Underdogs vom Paseo Olimpico achtmal als Verlierer vom Platz.

In der aktuellen Saison gelang der Elf von Trainer Ernesto Valverde immerhin ein 1:1 im Hinspiel. Grund genug sich Hoffnungen auf eine Sensation zu machen? Nicht, wenn man Barcas Jungstar Bojan Krkic glaubt. "Wir wissen alle, worum es geht. Wir werden uns zerreißen. Werden unserem fantastischen Anhang ein tolles Spiel bieten und einen Sieg schenken!"

Damit das Gros der knapp 99.000 Fans im ausverkauften Camp Nou die berühmte Hymne schmettern kann: "Blau-Rot in den Wind, ein beherzter Schrei, wir haben einen Namen, den die ganze Welt kennt, Barca, Barca, Barca, Barca!"

Racing Santander - Real Madrid (Sonntag, 19 Uhr)

Es gibt Momente, in denen selbst hartgesottene und alt gediente Sportprofis staunend und mit offenem Mund vor einer Info sitzen. So geschehen bei der Recherche zum Match Racing Santander gegen Real Madrid.

Wer hätte gedacht, dass der Underdog aus dem Norden Spaniens eine positive Heimbilanz gegen das Madrider Starensemble vorweisen kann? 15 Siege, bei zwölf Remis und zwölf Pleiten verbuchten die Verdiblancos (Grün-Weiße) vor heimischer Kulisse seit dem ersten Duell mit den Königlichen 1929. Und möglicherweise wird sich in dieser Saison nicht viel an der Horror-Bilanz für die Elf von Bernd Schuster ändern.

Der Traum von Europa

Racing absolviert eine der stärksten Spielzeiten seiner 40-jährigen Primera-Division-Geschichte. Mit 53 Punkten belegen die Kantabrier Rang fünf und dürfen von europäischen Ehren träumen. Im heimischen El Sardinero verlor das Team, in dessen Reihen Ex-BVB-Stürmer Ebi Smolarek kickt, nur dreimal.

Entsprechend selbstbewusst zeigt sich der gefürchtete Mittelfeld-Abräumer Aldo Duscher vor der Begegnung: "Wir sind gut drauf. Können zu Hause jeden putzen. Warum nicht auch Real?"

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