Donnerstag, 12.01.2012

Juves Stephan Lichtsteiner im Interview

"Antonio Conte ist die pure Entschlossenheit"

Stephan Lichtsteiner ist unumstrittener Stammspieler bei Juventus Turin und führt mit den Bianconeri zusammen mit Meister Milan die Serie-A-Tabelle an. Im Interview spricht der Schweizer Rechtsverteidiger über die Weltmarke Juventus, die Geheimnisse von Trainer Antonio Conte, ein spezielles Erlebnis mit Andrea Pirlo und einen prägenden Aufenthalt in Mosambik.

Stephan Lichtsteiner (l.), Rechtsverteidiger bei Juventus, hat sich in Turin bestens eingelebt
© Imago
Stephan Lichtsteiner (l.), Rechtsverteidiger bei Juventus, hat sich in Turin bestens eingelebt

SPOX: Herr Lichtsteiner, Juventus steht zusammen mit Meister Milan an der Spitze - und unweigerlich macht im Umfeld das Wort Scudetto die Runde.

Stephan Lichtsteiner: Unser großes Ziel ist die Qualifikation für die Champions League. Das ist für uns Spieler, die Fans und den Verein extrem wichtig. Juve ist eine Weltmarke und den Verein über zwei Jahre nicht in der Königsklasse zu sehen, ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Klar, wenn es für ganz oben reicht, sagen wir nicht nein, aber Milan ist extrem stark und Udinese, Inter, Napoli, sowie Lazio sind auch vorne dabei.

SPOX: Welche Rolle spielt das neue "Juventus Stadium" für die Mannschaft?

Lichtsteiner: Die Heimspiele sind immer extrem wichtig. Wenn wir jetzt im neuen Stadion vor einem hervorragenden Publikum und bei dieser tollen Stimmung spielen, gibt es uns zusätzliche Power.

SPOX: Das Stadion ist also ein Faktor für die Mannschaft?

Lichtsteiner: Natürlich. Die Spiele sind nicht von vornherein gewonnen, aber die Stimmung gibt dir weitere Energie, dass du den einen zusätzlichen Schritt machst. Dadurch steigt unser Selbstvertrauen und die Gegner sind eingeschüchtert, wenn sie zu uns kommen.

SPOX: Ihr Name wird für immer mit dem neuen Stadion verbunden sein: Sie haben das erste Pflichtspieltor erzielt.

Lichtsteiner: Für mich persönlich war das ein super Augenblick. Für einen Verteidiger ist es immer speziell, so weit vorne zu sein und dann auch noch zu treffen. Das Wichtigste ist aber, dass wir die Spiele gewinnen. Wer dann die Tore macht, ist eigentlich nebensächlich.

SPOX: Juventus ist einer der größten Vereine der Welt. Im Zusammenhang mit den Bianconeri ist immer wieder vom "spirito Juve" die Rede. Wie zeigt sich der?

Lichtsteiner: Der war von Anfang an zu spüren. Juve ist eine Weltmarke und gehört zu den wichtigsten Vereinen der Welt. Es ist normal, dass es im Lauf der Vereingeschichte vielleicht auch Phasen gibt, in denen es nicht so läuft, wie es der Klub eigentlich gewohnt ist - so wie es Juve in den letzten Jahren ergangen ist. Zweimal Platz sieben war alles andere als Juventus-like. Deshalb hat man von Beginn an den Druck, aber auch den Hunger der Klubführung und der Spieler gespürt: Wir sind Juve und müssen zeigen, dass wir nicht damit zufrieden sind, nur für den Verein zu spielen, sondern für ihn zu gewinnen. Das ist das Wichtigste und das bekommen wir auch eingehend von unserem Trainer eingetrichtert, der ja jahrelang für den Klub gespielt und sehr viel gewonnen hat. Diese Mentalität übermittelt er uns.

SPOX: Was macht Antonio Conte aus?

Lichtsteiner: Abgesehen davon, dass er ein sehr guter Fußballer war und alles mitbringt, was man taktisch und technisch wissen muss, ist er ein super Trainer. Er kennt den Verein, was extrem wichtig ist und er hat die Fans hinter sich. Conte ist die pure Entschlossenheit, er will immer gewinnen. Er verlangt in jedem Training das Maximum und ist nach keinem Spiel so richtig zufrieden. Conte lässt einfach nicht nach.

SPOX: Juve tritt unter Conte taktisch sehr variabel auf: Zuerst bevorzugte der Coach das 4-2-4-System, dann stellte er auf 4-3-3 um und in Neapel hat er im 3-5-2 spielen lassen.

Lichtsteiner: Das ist eine weitere Qualität des Trainers. Er schafft es, uns im Training die Systeme samt Laufwege und allem was dazu gehört sehr gut zu erläutern. Er weiß, wie der Fußball funktioniert und er kann sich anpassen. Als Juve gibt es nicht viele Spiele, in denen du dich anpasst, aber gegen Napoli war es wichtig, da sie ein spezielles System spielen.

Die Top-Torjäger der Serie A 2011/2012
Rang 1: Zlatan Ibrahimovic vom AC Milan (28 Tore)
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Rang 1: Zlatan Ibrahimovic vom AC Milan (28 Tore)
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Rang 2: Diego Milito von Inter Mailand (24 Tore)
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Rang 2: Diego Milito von Inter Mailand (24 Tore)
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Rang 3: Edinson Cavani vom SSC Neapel (23 Tore)
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Rang 3: Edinson Cavani vom SSC Neapel (23 Tore)
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Rang 3: Antonio Di Natale (r.) von Udinese Calcio (23 Tore)
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Rang 3: Antonio Di Natale (r.) von Udinese Calcio (23 Tore)
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Rang 5: Rodrigo Palacio vom FC Genua (19 Tore)
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Rang 5: Rodrigo Palacio vom FC Genua (19 Tore)
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SPOX: Conte verkörpert die "Juventinitá" wie kaum ein zweiter. Dieser Geist scheint wieder zurück zu kehren.

Lichtsteiner: Das stimmt. Wobei man auch sagen muss, dass er schon letztes Jahr mit Siena in der Serie B hervorragenden Fußball gespielt und seine Ideen vermittelt hat. Jetzt versteht man auch, wieso die Juve-Fans so hinter ihm stehen: Man sieht eine Mannschaft, die guten Fußball spielt und die 90 Minuten Vollgas gibt.

SPOX: Immer Vollgas - das deckt sich mit Ihrer Spielweise.

Lichtsteiner: Ja, ich denke wir spielen fast schon englischen Power-Fußball. Diese Art zu spielen ist sehr kraftraubend, deshalb ist es für uns von Vorteil, dass wir nicht international spielen. Für mich ist dieser Stil perfekt, ich bin auch einer, der sowohl offensiv als defensiv immer Vollgas geben will. Ich marschiere die Linie seit mehreren Jahren rauf und runter, auch bei Lazio und Lille habe ich so gespielt. Und wenn mich die Fans weiter so anfeuern wie bisher, lasse ich erst recht nicht nach.

SPOX: Sie haben sich in Turin sofort sehr gut zurechtgefunden und sind zusammen mit Andrea Barzagli der einzige Spieler, der in den bisherigen 17 Ligaspielen immer durchgespielt hat. Sind Sie überrascht, dass es so schnell ging?

Lichtsteiner: Eigentlich nicht, denn es ist ja nicht so, dass ich die Liga gewechselt habe: Ich kenne die Serie A und die italienische Mentalität schon seit drei Jahren, und ich spreche die Sprache. Das hat mir die Eingewöhnung erleichtert. Dazu kommt, dass Juve nach zwei, drei schweren Jahren wieder gewisse Erwartungen hatte. Aber es ist schön, dass es so schnell geklappt hat und die Mannschaft in dieser Saison wirklich vorne mitspielen kann. Für mich war es der richtige Wechsel, um mich fußballerisch und persönlich weiter zu entwickeln. Mit all diesen Spielern und Persönlichkeiten zu arbeiten, ist ein Traum.

Seite 2: Lichtsteiner über Pirlo, Vidal und ein prägendes Erlebnis in Mosambik

Interview: Christian Bernhard

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