Donnerstag, 24.12.2015

Englands Championship

Schneller, höher, stärker - deutscher

46 Spieltage, 24 Mannschaften, ein Kampf um jeden Zentimeter in den engen Stadien: Das ist die Championship - hart, intensiv und mittlerweile verdammt teuer. Zahlreich Deutsche wie zum Uwe Hünemeier oder Rouwen Hennings haben mittlerweile ihren Weg in die zweite englische Liga gefunden. Es lockt auch hier das große Geld.

Auch der FC Fulham spielt seit der vergangenen Saison in der Championship
© getty
Auch der FC Fulham spielt seit der vergangenen Saison in der Championship

Ein böiger Wind pfeift durch das Stadion, über dem der graue Wolkenhimmel hängt. Die Schleusen öffnen sich, es regnet in Strömen und über 24.000 Zuschauer zeigen, dass es doch noch echte Fußball-Atmosphäre in Englands Stadien gibt. Unten auf dem Rasen ist Uwe Hünemeier mit anderen Dingen beschäftigt. Es rollt die nächste Angriffswelle auf den Deutschen und seine Mannschaftskollegen von Brighton & Hove Albion zu.

Das neue Team von Ex-Paderborner Hünemeier führte die Tabelle der zweiten Englischen Liga lange an, musste in den ersten 20 Begegnungen nicht eine einzige Niederlage hinnehmen. Am vergangenen Wochenende war es dann aber soweit. Im Topspiel gegen FC Middlesbrough war Albion chancenlos und verlor nicht nur die Partie, sondern auch die Tabellenführung.

Das zeigt: Der Weg zum Aufstieg ist weit. 46 Spieltage dauert die Saison, 24 Mannschaften kämpfen in den engen Stadien, vor durchschnittlich über 17.000 Zuschauern, um jeden Zentimeter. Das ist die Championship. Sie ist hart, intensiv - und mittlerweile verdammt teuer.

Horrende finanzielle Möglichkeiten

Die finanziellen Möglichkeiten der Premier-League Klubs sind in aller Munde. In Deutschland fürchtet man um die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga und den Ausverkauf seiner Stars. Nur selten geht der Blick dabei eine Etage tiefer. Denn auch in der zweiten englischen Liga fließt das große Geld, dem schon letzten Sommer einige Spieler nicht widerstehen konnten. Die Liste der Deutschland-Exporte wird länger.

Kleinere deutsche Klubs wie der Karlsruher SC, Paderborn oder Kaiserslautern müssen bei entsprechenden Angeboten aus England häufig Vernunft walten lassen. "Was Uwe Hünemeier in England verdient, das bekommt er nicht bei jedem Bundesligisten - und ich spreche nicht von Darmstadt", sagte Paderborns Geschäftsführer Michael Born im Sommer. Fast drei Millionen Euro Ablöse bekam der SCP für seinen Verteidiger. Ein Angebot, das die Ostwestfalen nicht ablehnen konnten.

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Der KSC muss Hennings ziehen lassen

Ganz ähnlich ging es dem FCK mit U21-Nationalspieler Philipp Hofmann und Mainz mit Sebastian Polter. Und sogar den Torschützenkönig der vergangenen Zweitliga-Saison musste der Karlsruher SC ziehen lassen. Rouwen Hennings ging für gut zwei Millionen Euro zum FC Burnley. "Das war alles andere als eine einfache Entscheidung für uns. Wir sind als Verein aber nach wie vor zum genauen Abwägen zwischen sportlichen und wirtschaftlichen Aspekten gezwungen, und dies war auch in diesem Fall so", sagte KSC-Sportdirektor Jens Todt.

Und nicht nur bei den Vereinen spielt der finanzielle Aspekt eine maßgebliche Rolle. Auch Hennings dürfte sich wohl darüber freuen, dass er sein Jahresgehalt um etwa 700.000 Euro auf fast eine Millionen Euro steigern konnte.

Allerdings stehen besonders die Offensivkräfte nach ihren Wechseln sportlich noch auf wackeligen Füßen. Polter (QPR/42 Einsatzminuten), Hennings (339) und Hofmann (FC Brentfort/449) sind nach 20 Spieltagen bei ihren Teams bestenfalls Teilzeitkräfte.

Das hat auch mit den neuen Anforderungen an einen Stürmer im englischen Unterhaus zu tun. Aus Sicht des Innenverteidigers Hünemeier klingt das so: "Es geht direkt in die Vollen. Ich habe sofort gemerkt, dass es eine extrem physische Liga ist. Oft hast du Gegenspieler, die über 1,90 Meter groß und mindestens 90 Kilo schwer sind. Das Tempo ist höher, das Umschaltspiel schneller als in der 2. Bundesliga. Du musst 90 Minuten Vollgas geben, sonst wirst du sofort bestraft."

"Ich war eigentlich schon mausetot"

Durchsetzungsvermögen ist gefragt in einer langen Saison, die an den Kräften zehrt. Statt "gemütlichen" 34 Spieltagen stehen mindestens 46 Liga-Partien auf dem Programm, plus Pokalspiele und eventuelle Playoff-Begegnungen, versteht sich.

"Ich habe gleich die hohe Intensität des englischen Fußballs kennengelernt. Nach 75 Minuten dachte ich: Puh, jetzt noch fast 20 Minuten. Da war ich eigentlich schon mausetot, aber wir konnten nicht mehr wechseln", sagte Hünemeier nach einem seiner ersten Einsätze.

Dennoch sind die Deutschen in England gefragt wie nie. Das liegt auch daran, dass nach den neuen Ligaregularien Nicht-EU-Ausländern die Spielerlaubnis nur noch unter gewissen Auflagen erteilt wird.

Und Geld ist bei den meisten Klubs der Championship im Überfluss vorhanden. Etwa 80 Millionen Euro gaben die Teams im Sommer für Transfers aus. Zum Vergleich: Die zweite Liga Deutschlands brachte es auf 27 Millionen. Und das auch nur, weil dort mit RB Leipzig ein äußerst finanzkräftiger Verein mitmischt.

Zwölf Millionen für Gray

Da wundert es nicht, dass der Umsatz der Championship zuletzt bei fast 900 Millionen Euro lag. Das ist Platz sieben im Vergleich aller europäischen Ligen. Der FC Burnley, bei dem Rouwen Hennings sein Geld verdient, zahlte im Sommer über zwölf Millionen Euro für Mittelstürmer Andre Gray. Transfers in ähnlichen Dimensionen gehören im englischen Unterhaus zum Alltag.

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Einigen Vereinen, so zum Beispiel den Queen Park Rangers, kommt dabei die sogenannte Fallschirm-Regelung zu Gute. Darüber erhalten Klubs, die in den letzten Jahren aus der Premier League abgestiegen sind, zusätzliches Geld, um den Absturz in die Zweitklassigkeit abzufedern.

Wie sehr die Teams von dieser Regelung profitieren, zeigt ein Blick auf den aktuellen Marktwert des QPR-Kaders. Der liegt bei geschätzten 70 Millionen Euro. Der Tatsache, dass diese Summe in der Bundesliga Platz acht bedeuten würde, spricht für sich.

Klopp: "Mach es einfach!"

Einer der Vereine, der sich nicht über einen solchen Geldsegen freuen darf, ist Huddersfield Town. Dort steht seit einigen Wochen ein deutscher Trainer an der Seitenlinie. David Wagner ist Ex-Coach von Borussia Dortmund II und eng mit Jürgen Klopp befreundet. Nach Klopps Engagement bei Liverpool wurden in Dortmund bereits Gerüchte darüber laut, Wagner könnte seinem Freund zum LFC folgen.

Zwar wurden es nicht die Reds, aber zwischen Liverpool und Huddersfield liegt nur eine gute Stunde Autofahrt. Klopp jedenfalls riet Wagner zum Wechsel: "Es war nicht leicht für mich, das Team während der Saison zu verlassen, das ich mit aufgebaut habe. Jürgen wusste genau was ich denke, als ich ihn um Rat gefragt habe. Er hatte schon viel Kontakte in England und hat gesagt: Mach es einfach!"

Und so ist nach Uwe Rösler, der im Oktober bei Leeds United entlassen wurde, wieder ein deutscher Trainer für die Geschicke bei einem englischen Zweitligisten verantwortlich. Wagner will den "BVB-Fußball" nach Huddersfield und damit auch in die Championship bringen. Was würde da besser passen, als Spieler zu verpflichten, die bereits Erfahrungen mit dem überfallartigen Gegenpressing gemacht haben?

Nicht unwahrscheinlich, dass Hünemeier, Hennings und Co. bald weiteren Zuwachs der deutschen Enklave verzeichnen können. Der Innenverteidiger wirbt jedenfalls schon mal für seinen Verein und macht deutlich, warum er die tägliche Schinderei in Europas härtester zweiter Liga mittlerweile ganz gut aushält: "Unser Trainingszentrum ist top. Hier fehlt es an nichts. Frühstück, Mittagessen, Reha - alles vom Feinsten. Irgendwer hat mir mal gesagt, es gehöre zu den Top Five in England."

Alles zur Championship

Johannes Heiming

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