Mittwoch, 31.03.2010

Nicklas Bendtner im Interview

"Es muss auch mal dreckig gehen"

Nicklas Bendtner ist einer der Leistungsträger beim FC Arsenal und eine wichtige Stütze in Arsene Wengers System. Im Interview mit SPOX spricht der 22-jährige Däne über sein besonderes Verhältnis zu Wenger, schmutzige Siege, schlechtes Deutsch und Holländer-Witze.

Nicklas Bendtner (M.) erzielte diese Saison in vier Champions-League Spielen vier Tore
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Nicklas Bendtner (M.) erzielte diese Saison in vier Champions-League Spielen vier Tore

SPOX: Nicklas Bendtner, Sie haben Kopenhagen bereits mit 17 Jahren verlassen und beim FC Arsenal unterschrieben. Wie sind die Gunners auf Sie aufmerksam geworden?

Nicklas Bendtner: Arsenal hat mich bei einem U-16-Turnier beobachtet. Sie haben mir dann angeboten, nach London zu kommen und ein Probetraining zu absolvieren. Ich wusste, dass diese Chance einmalig für mich sein würde. Arsenal ist ein großer Verein, der exzellenten Fußball spielt. Ein Teil dieses wunderbaren Klubs zu sein, war einfach toll für mich. Arsene Wenger war und ist sehr wichtig. Seine Präsenz bei Arsenal war eigentlich der Hauptgrund, dass ich nach London gewechselt bin. Sein Glaube an den Fußball und seine Philosophie beeindrucken mich.

SPOX: Wie war der Start bei Arsenal? Wer hat Ihnen am Anfang geholfen, sich in der neuen Umgebung, in "Swinging London" zu Recht zu finden?

Bendtner: Es war schwierig! Ich denke, dass es nie einfach ist, in ein anderes Land zu kommen, wenn man erst 17 Jahre alt ist. Aber irgendwie hat mich in London jeder Tag weitergebracht. Nach drei oder vier Monaten hatte ich mich an fast alles gewöhnt und ich konnte mich entwickeln.

SPOX: Sie spielten zunächst für das Reserveteam des FC Arsenal. Wie war der Kontakt zur ersten Elf in dieser Zeit? Wie groß war der Unterschied zwischen dem dänischen und dem englischen Fußball?

Bendtner: Der Unterschied war schon sehr groß. Das Spiel ist in England einfach körperbetonter und weitaus schneller als in Dänemark. Insgesamt muss ich sagen, dass man den dänischen und den englischen Fußball nicht miteinander vergleichen kann. Ich habe am Anfang einmal pro Woche mit der ersten Mannschaft trainiert, weil ich mich einfach verbessern wollte und mithalten wollte mit den Großen.

SPOX: Wie wichtig war es für Sie, auf Leihbasis in der Saison 2006/2007 zu Birmingham City zu wechseln?

Bendtner: Arsene Wenger meinte damals, dass es für mich gut wäre, mich bei einem anderen Klub abzuhärten. Er behielt Recht: Es war eine großartige und lehrreiche Zeit für mich. Heute habe ich - abgesehen von unserem Besuch in Birmingham am letzten Wochenende (1:1, d. Red.) - keinen Kontakt mehr zu den Jungs.

SPOX: Ihr erstes Tor markierte gleich einen Rekord. Am 22. Dezember 2007 haben Sie gegen Tottenham exakt 1,8 Sekunden nach Ihrer Einwechslung getroffen. Das war das schnellste Tor, das je ein Einwechselspieler in der Premier League erzielt hat. Können Sie Ihre Gefühle nach diesem Treffer beschreiben?

Bendtner (lacht): Es war unglaublich. Gerade noch gegen Tottenham, die ich mit diesem Tor total frustriert habe. Ich habe den Treffer unserem Zeugwart Vic Akers gewidmet. Als ich an der Seitenlinie stand und auf die Einwechslung wartete, sagte ich zu Vic, dass ich direkt nach dem folgenden Eckball treffen würde. So kam es. Das war einfach unbeschreiblich.

SPOX: Sie haben Ihre Trikotnummer geändert - von 26 auf 52. Warum? Es wurde berichtet, dass Sie allen Fans, die sich schon das Shirt mit der Nummer 26 gekauft hatten, ihr Geld zurückgeben wollten. Das muss sehr teuer für Sie gewesen sein...

Bendtner: Eigentlich wollte ich die Nummer 9 haben. Die war aber nicht mehr frei und so musste ich mir ein paar Optionen überlegen. Die Nummer 52 sah einfach nur gut aus, sonst steckt da nichts dahinter. Es stimmt tatsächlich, dass ich den Fans eine Rückzahlung für den Trikotkauf versprochen habe, und wenn mich einer fragt, werde ich das natürlich auch tun. Die Fans bedeuten mir sehr viel.

Die 10 größten Arsenal-Spieler aller Zeiten
Platz 10: Liam Brady (Quelle: The Times)
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Platz 10: Liam Brady (Quelle: The Times)
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Platz 9: Frank McLintock
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Platz 9: Frank McLintock
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Platz 8: Cliff Bastin (1929-1946)
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Platz 8: Cliff Bastin (1929-1946)
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Platz 7: Robert Pires (2000-2006)
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Platz 7: Robert Pires (2000-2006)
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Platz 6: Ted Drake (1934-1939)
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Platz 6: Ted Drake (1934-1939)
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Platz 5: Thierry Henry (1999-2007)
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Platz 5: Thierry Henry (1999-2007)
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Platz 4: Patrick Vieira (1996-2005)
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Platz 4: Patrick Vieira (1996-2005)
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Platz 3: Alex James (1929-1937)
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Platz 3: Alex James (1929-1937)
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Platz 2: Dennis Bergkamp (1995-2006)
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Platz 2: Dennis Bergkamp (1995-2006)
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Platz 1: Tony Adams (1983-2002)
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Platz 1: Tony Adams (1983-2002)
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SPOX: Arsenal spielt eine gute Saison, aber es ist nicht mehr der spielerisch-elegante Fußball früherer Jahre. Hat die Mannschaft ihre Mentalität verändert?

Bendtner: Nein, das würde ich nicht sagen. Wenn man für ein Top-Team wie Arsenal spielt, ist der Druck immer sehr hoch. Die Fans wollen, dass wir jedes Spiel gewinnen. Das wollen wir natürlich auch, also muss man sich als junges Team an den Druck gewöhnen. Wir haben schon immer eine starke Mannschaft gehabt, aber wir haben erst jetzt gelernt, "schmutzig" zu gewinnen.

SPOX: Also ein Reifeprozess?

Bendtner: Ja, denn wenn man einen Titel gewinnen will, muss man auch mal auf diese Weise gewinnen. Und wir spielen jetzt um den Titel, zu 100 Prozent. Schauen Sie sich doch nur die Spiele gegen Hull und Stoke City an. Das waren so richtig dreckige Siege, aber wenn du nach 80 Minuten aufhörst, an dich zu glauben, bist du kein guter Spieler. Es muss auch mal dreckig gehen.

Wenn man für ein Top-Team wie Arsenal spielt, ist der Druck immer sehr hoch. Die Fans wollen, dass wir jedes Spiel gewinnen. Das wollen wir natürlich auch, also muss man sich als junges Team an den Druck gewöhnen. Wir haben schon immer eine starke Mannschaft gehabt, aber wir haben erst jetzt gelernt, "schmutzig" zu gewinnen.

Bendtner über die Entwicklung von Arsenal

SPOX: Wie kann Arsenal sein Image ändern und nicht nur schönen, sondern auch erfolgreichen Fußball spielen?

Bendtner: Glauben Sie nicht, dass wir erfolgreich spielen?

SPOX: Natürlich, aber Sie haben unter dem Strich seit dem FA-Cup-Erfolg von 2005 keinen Titel mehr gewonnen...

Bendtner: Das stimmt, aber ich denke, dass wir immer noch ein sehr junges Team haben und dass wir erfolgreichen Fußball spielen - und wir spielen gleichzeitig attraktiv. Das einzige Problem ist, dass wir gerade in der Champions League oft auch viel Pech hatten.

SPOX: Sie wurden bereits mit Klubs aus der Bundesliga in Verbindung gebracht. Es gab sogar Gerüchte über einen eventuellen Wechsel zum FC Bayern München. Können Sie sich vorstellen, in Deutschland zu spielen?

Bendtner: Bayern München ist ein beeindruckender Verein mit großen Erfolgen und großer Tradition. Ich weiß, dass die Bundesliga eine gute Liga ist. Sie hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt und wird immer besser. Es ist sehr schön zu hören, dass es in Deutschland Interesse für mich gibt.

SPOX: Wie gut ist Ihr Deutsch?

Bendtner (lacht): Lustige Frage! Nicht gerade sehr gut. Ich habe in der Schule Deutsch gelernt, aber ich habe vieles vergessen.

SPOX: Dänemark hat sich unter anderem durch einen Erfolg über den skandinavischen Rivalen aus Schweden für die Weltmeisterschaft in Südafrika qualifiziert. Wie wichtig war dieser Sieg über den Nachbarn für die Menschen in Dänemark?

Bendtner: Sehr wichtig, weil wir als Nation erfolgreich waren - gemeinsam mit unseren Fans. Wir wollten uns unbedingt für das Turnier qualifizieren, und dass uns das gerade gegen Schweden gelungen ist, macht die Sache umso schöner. Besser geht es eigentlich nicht.

SPOX: In der WM-Vorrunde treffen Sie mit Dänemark auf die Niederlande, Japan und Kamerun - drei völlig unterschiedliche Fußball-Mentalitäten. Wie schätzen Sie die Qualität in dieser Gruppe ein?

Bendtner: Das wird natürlich schwer. Die Niederlande sehe ich als absoluten Favoriten auf den Gruppensieg, aber ich denke, dass wir die Power und die Mentalität haben, um uns durchzusetzen und ebenfalls die K.o.-Phase zu erreichen. Und dann ist alles möglich. Schauen wir mal, ob wir am Ende nicht sogar Weltmeister werden können. Wie man eine Sensation schafft, hat unsere Nationalmannschaft ja schon bei der EURO 1992 gezeigt.

SPOX: Haben Sie schon begonnen, Ihren Kollegen Robin van Persie mit Witzen vor dem bevorstehenden Duell gegen die Niederlande aufzuziehen?

Bendtner: Nein, ich habe überhaupt noch nicht mit ihm über das Spiel sprechen können, weil er noch verletzt ist. Aber wenn er wieder da ist, bin ich sicher, dass es losgeht. Ich glaube, dass wir auch ein tolles Duell in Südafrika sehen werden.

Nicklas Bendtner im Steckbrief

Interview: Carsten Germann

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