Fussball

Lyon-Star Memphis Depay in seiner Jugend: Gemobbt, Tränen unterm Schultisch, Drogendealer

Von Oliver Maywurm
Hatte eine schwierige Zeit in seiner Jugend und startete dann durch: Mepmphis Depay von Olympique Lyon.

Sein Vater war früh weg, die Stiefgeschwister schlugen ihn, irgendwann dealte er mit Drogen. Memphis Depays Jugend war übersät von Problemen. Heute ist er einer der großen Stars bei Olympique Lyon.

Die Tür ist eingetreten worden, eindeutig. "Schnell in die Küche", sagt einer der drei Jungs. Nachschauen, ob das Kokain noch da ist. Fehlanzeige. Enttäuschung. Eine von zweien an diesem Abend. Aber eindeutig die furchterregendere von beiden.

"Diese Typen wussten offensichtlich, wo die Drogen versteckt waren. Gefährliche Dinge, die komplett außer Kontrolle hätten geraten können", schreibt Memphis Depay in seiner kürzlich erschienenen Autobiografie. Damals, am 11. Juli 2010, war der heutige Superstar von Olympique Lyon gerade mit einem seiner Kumpels und dessen Cousin zum Haus von Letzterem zurückgekehrt. Sie hatten sich das WM-Finale angeschaut, Holland gegen Spanien. Leider mit schlechtem Ausgang für Oranje, bekanntlich.

Depay war damals 16 Jahre alt, im Nachwuchs der PSV Eindhoven schon ein gefeiertes Talent, eines mit rosiger Perspektive. Doch zeitgleich vertickte er auch Drogen. Nur kurz, wie er betont. Und nur "leichte Drogen", kein Kokain. Mit der Szene kommt er dennoch in engen Kontakt.

Eine merkwürdige Zeit sei es gewesen. "Fußballer, zu denen ich aufschaute, spielten das WM-Finale. Auf der Bühne, von der ich träumte. Und im selben Moment geriet ich in eine Welt, die davon meilenweit entfernt war. [...] Ich hing mit Jungs ab, die mit einem Kilo Kokain auf dem Tisch chillten", schreibt Depay. Einer dieser Jungs war eben jener Cousin seines Kumpels, der das Koks am Finalabend in seiner Küche versteckt hatte.

Memphis Depay: "Ich machte Dinge, die ein Junge in diesem Alter nicht tun sollte"

Der heute 25-jährige holländische Nationalspieler ist seinerzeit kurz davor, endgültig auf die schiefe Bahn zu rutschen. "Ich war bis spät abends auf der Straße und machte Dinge, die ein Junge in diesem Alter lieber nicht tun sollte", sagte er zuletzt in einer TV-Show. "Mein Talent hat mich auf jeden Fall gerettet. Auf dem Fußballplatz habe ich immer das getan, was von mir erwartet wurde."

Als Depay drei Jahre alt war, machte sich sein ghanaischer Vater aus dem Staub, ließ seinen Sohn und dessen holländische Mutter alleine in Moordrecht, einem 8.000-Einwohnerörtchen in der Provinz Südholland, zurück. Deshalb trägt Depay auf dem Trikot auch lieber seinen Vornamen Memphis als seinen Nachnamen, Kontakt zu seinem Vater hatte er seither kaum noch.

"Sein Leben war damit früh auf den Kopf gestellt", sagte Depays Cousin Jake Schensema mal der Sun. "Seine Mutter hatte keine Arbeit, also war das Geld ständig knapp."

Mit neun Jahren zog Memphis gemeinsam mit seiner Mutter zu deren neuem Lebensgefährten. Dort hatte er plötzlich 15 Stiefgeschwister, die ihn mobbten, schlugen, beleidigten. In seinem Buch erinnert er sich, wie er in der Schule weinend unter seinem Tisch saß. Aus Angst davor, nach Hause zu müssen.

Memphis Depay: "Sie nannten mich Affe"

"Sie nannten mich Affe, Krebsgeschwür, Kackgesicht", erzählt er. "Mehrmals wurde ich mit einem Messer bedroht. Und einmal klemmte mir einer der Jungs eine Zange ans Ohr und drückte heftig zu." Depays Mutter bekam zunächst nichts mit vom Mobbing gegen ihren Sohn, zunehmend fielen ihr aber Veränderungen auf: "Er wurde immer ruhiger und ruhiger", sagt sie.

Es muss wie eine Erlösung für Memphis gewesen sein, als sich seine Mutter nach einiger Zeit von ihrem Freund trennte und sie wieder auszogen.

Die Probleme endeten damit allerdings nicht. Schon mit zwölf Jahren trank er Alkohol, wurde immer introvertierter. Er traute fast niemandem mehr, begann schließlich, mit Gras zu dealen. Und dann starb auch noch sein Großvater Cees, seine wichtigste männliche Bezugsperson, als er 15 war. "Die beiden waren unzertrennlich", sagt Depays Cousin Jake. Und Memphis: "Dieser Mann hat mir so viel Kraft gegeben und gut auf mich aufgepasst. In diesem Moment sagte ich mir: 'Ich muss es schaffen. Ich weiß, wo ich hin will: Bis an die Spitze'."

Fortan ging Depay seinen Weg noch entschlossener weiter. Die häusliche Pein, der falsche Umgang, die kleinkriminellen Verfehlungen - all das hatte ihn fußballerisch ohnehin nie so wirklich negativ beeinflusst. "Natürlich machte ich mir manchmal Sorgen über sein Verhalten", sagt Rini de Groot, Chefscout der PSV Eindhoven. "Aber er hatte diese Topsportler-Mentalität, das war wundervoll."

Memphis Depay: Leistungsdaten und Statistiken

VereinSpieleToreTorvorlagen
PSV Eindhoven1245029
Olympique Lyon1163941
Manchester United5376

Memphis Depays Ziele: Real Madrid und Ballon d'Or

Als Zwölfjähriger war er nach Eindhoven gewechselt, mit 15 durfte er die Schule schmeißen, mit 18 debütierte er für die Profis in der Eredivisie. Seine Vergangenheit hat er seitdem immer weiter hinter sich gelassen, inzwischen fast 50 Länderspiele absolviert. Ziele hat er aber immer noch viele.

"Ich bin noch nicht einmal zur Hälfte damit durch, was ich erreichen will", betont er. "Das ist eine ganz schöne Liste. Für Real Madrid spielen. Die Champions League gewinnen. Den Ballon d'Or bekommen. 100 Millionen Euro auf dem Konto haben, wenn meine Karriere zu Ende ist. Mir in Musik, Film und Mode einen Namen machen. Eine Familie gründen. In Ghana und anderen Ländern Gutes tun. Ich werde Berge erklimmen, deren Höhen ich mir jetzt noch gar nicht vorstellen kann."

Klingt nach einem Plan. Einem besseren Plan als damals, am 11. Juli 2010. Als Memphis mit seinem Kumpel und dessen Cousin rausging, um das WM-Finale zu schauen. Und ein Kilo Kokain in der Küche versteckt war.

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