"Weißt du, warum mein Herz schlägt?"

Von Oliver Birkner / Stefan Zieglmayer
Montag, 16.05.2016 | 14:33 Uhr
Gonzalo Higuain knackte den scheinbar ewig geltenden Torrekord von Gunnar Nordahl
© getty
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Gonazlo Higuain wird eine große Ehre zuteil. Der Argentinier hat sich endgültig passende Schuhe für die Fußstapfen seines Landsmanns besorgt. In England kann sich Moses auf sein Volk verlassen. Der FC Arsenal feiert sein eigenes Fest. Die Primera Division geht in Hass und Chaos unter. Sogar Diebe machen die Runde.

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von Oliver Birkner

Film des Spieltags: Natürlich waren das andere Zeiten 1950. Einmal traf Gunnar Nordahl einen Gegenspieler unbeabsichtigt mit dem Ellbogen, stoppte den Weg aufs Tor und lief zurück, um sich zu entschuldigen. Die Karte kostete rund 100 Lire und dieser Brecher im Milan-Trikot pflasterte die Strafräume mit 1,80 Meter und 90 Kilo. "Pompiere" nannten sie Nordahl, weil er in der schwedischen Heimat zum Umgehen des Profidaseins eigentlich Feuerwehrmann war. Zwischen Januar 1949 und 1956 traf er für den AC 210 Mal in 257 Ligaspielen - 35 Tore in 37 Einsätzen der Saison 1949/50. Ein Rekord für die Ewigkeit, dachten die Chronisten bis zum 14. Mai 2016. Im neapolitanischen Dauerregen nahm Gonzalo Higuain den Ball an der Strafraumgrenze mit der Brust an und versenkte ihn per Scherenschlag - der dritte Treffer des Argentiniers binnen 19 Minuten zum 4:0 über Frosinone.

Entzückend waren die Schreie der Sky-Reporter: "Das kann nicht wahr sein, das kann nicht wahr sein. Das ist nicht wahr. Das ist doch nicht möglich! Nummer 36 und dann so ein Tor. Sagt mir, dass das ein Film ist!" 35 Serie-A-Partien und 36 Treffer werden womöglich erneut einige Jahrzehnte für den neuen Eintrag im Almanach ausreichen. "O mamma, mamma, mamma, weißt du, warum mein Herz schlägt? Ich habe Higuain gesehen", stimmte das Stadio San Paolo an. Das Lied erfand Neapel einst zur Heiligsprechung Maradonas und dessen Landsmann genießt mittlerweile einen ähnlichen Heldenstatus unterm Vesuv. "Gonzalo ist mein legitimer Erbe", kommentierte Gott Diego höchstpersönlich - mehr geht in Argentinien und Napoli nicht.

Scheißglück des Spieltags: Beim letzten Ligaspiel verabschiedete das Mailänder Publikum seinen AC gebührend. "Wir werden Meister", sangen die Tifosi, begleiteten die Ballstafetten der Roma mit "Ole"-Rufen und bejubelten sarkastisch alle drei Gästetreffer. Durch das 1:3 belegte Milan nur Platz sieben und bliebe im dritten Jahr hintereinander ohne Europapokal, sollte das Pokalfinale am kommenden Samstag gegen Juventus verloren gehen. Der Trainerwechsel von Sinisa Mihajlovic zu Cristian Brocchi nach Spieltag 32 hatte sich wahrlich gelohnt.

Aus sechs Partien (darunter gegen die drei Absteiger) holte der Klub acht Zähler und verlor im Europapokalplatz-Duell fünf Punkte auf Sassuolo. Respekt. "Ihr seid alle unwürdig, dieses Trikot zu tragen" tobte Brocchi in der Kabine und erhielt später im TV warme Worte vom Ex-Milanista Billy Costacurta: "Cristian, ich wünsche dir gegen Juve am Samstag ein Scheißglück, denn das kannst du brauchen." In der Tat dürfte die Partie ohne Signor Schweineglück auf Milans Seite der Gunst ziemlich böse enden.

Und sonst? Bisweilen müssen TV-Experten einfach auch mal andere dringende Problematiken als Systemfragen, Schiedsrichterentscheidungen oder taktische Fauxpas anpacken. Das bewies Ciro Ferrara während der Live-Schalte mit Neapels Sportchef. "Scusa, aber stimmt es, dass ihr Tonelli aus Empoli holt und dafür Raul Albiol abgebt?", bohrte Ferrara also nach. Eine skeptische Frage der Qualität? Mitnichten, denn: "Es geht darum. Albiol lebt in einer meiner Wohnungen in Neapel und ich würde auch in der nächsten Saison gerne die Miete sehen." Dieser Krimi könnte uns noch einige Wochen unter Hochspannung halten.

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