Blitzlichter aus Europa

"Gibt's eigentlich ein Elfmeterschießen?"

Von SPOX
Montag, 10.12.2012 | 15:35 Uhr
Robert Duvall und Tom Cruise waren beim Manchester Derby vor Ort
© Getty
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City vs. United mit Drama, Emotionen, einem Treffer der besonderen Art und Hollywood-Stars mit viel Ahnung. Rafa Benitez könnte bald im Weihnachtsmann-Kostüm an der Seitenlinie stehen. Indes herrscht in Italien totale Conte-Mania. Die Blitzlichter aus Europa, zusammengetragen von unseren Korrespondenten vor Ort und SPOX.

Premier League

Von Raphael Honigstein

Spiel des Spieltags: Derby-Time in Manchester: Zeit für Wahnsinn in Blau und Rot. Das Spiel hatte Alles. Schöne Tore, die eine oder andere wilde Grätsche, einen Idioten, der aufs Spiel lief und einen blutenden Rio Ferdinand, der sich nach dem Münzwurf an seine Stirn cool "was für ein Treffer" twitterte. Die Football Association hat ein Verfahren eingeleitet. Alex Ferguson aber wollte die Sache nicht überbewerten. Der Schotte freute sich unheimlich über ein "fantastisches Spiel" und nunmehr sechs Punkte Vorsprung an der Tabellenspitze.

Auf der anderen Seite faltete Roberto Mancini laut der Sun Joe Hart, Samir Nasri und Carlos Tevez in der Kabine zusammen, der Italiener gab dem Trio eine Kollektivschuld an Robin van Persies Treffer in der Nachspielzeit. "Wir hatten zweieinhalb Leute in der Mauer", zürnte Mancini; Nasri hatte sich hinter Edin Dzeko versteckt und ein Bein ausgestreckt. Mario Balotelli, der nach einer indiskutablen Leistung nach der Pause vom Platz musste, bekam eine (letzte?) Warnung. "Ich liebe ihn als Mann und als Spieler, aber es muss an seinen Job denken und mehr tun."

Nur eine große Frage blieb nach dem 3:2-Sieg von United ungeklärt. "Gibt es Elfmeterschießen, wenn es unentschieden ausgeht?", hatte US-Schauspieler Robert Duvall, 81, wissen wollen, als er vor Spielbeginn im Fernsehen zusammen mit seinem ähnlich fachkundigen Kollegen Tom Cruise ("der Platz ist etwas feucht") zu einer Einschätzung gebeten worden war.

Mann des Spieltags: Rafael Benitez, kein Witz, passt nicht in den offiziellen, figurbetonten Klubanzug von Dolce & Gabbana. Der etwas rundliche Spanier könnte dafür vielleicht bald im Weihnachtsmann-Kostüm auf der Bank sitzen: es sieht nämlich so aus, als ob in London wirklich winterliche Wunder geschehen. Fernando Torres - ja: FERNANDO TORRES - war mit seinen zwei Treffern und feinen Mitarbeit am dritten Chelsea-Tor beim 3:1 in Sunderland der positiv - ja: POSITIV - herausragende Akteur an diesem Wochenende.

"Fernando hat viel mehr Selbstbewusstsein", freute sich der Interimstrainer. Direkt nach dem Match düsten die Blauen nach Japan zur Klub-WM ab. Falls Torres dort auch trifft und den Pokal mitnimmt, müssen die Chelsea-Fans ihre Antipathie gegenüber Benitez womöglich mal überdenken.

Und sonst? Didier Drogba ist übrigens auch wieder zurück, allerdings nur als Trainingsgast. Unter der Woche verteilte der Ivorer Champions-League-Sieg-Gedenk-Goldringe im Wert von einer Million Euro an seine ehemaligen Mitspieler. Komisch: geschmacklose Protzklunker passen doch gar nicht zu diesem Verein. Auch kein schöner Anblick war Santi Cazorlas Faller beim 2:0 gegen West Brom. Arsenals Dribbelhobbit schindete mit einer fiesen Schwalbe einen Elfmeter heraus, wurde aber von Arsene Wenger verteidigt. "Er hat gesagt, dass ein leichter Kontakt da war", sagte der Franzose. Ex-Schiedsricher Graham Poll forderte in der Daily Mail "drei Spiele Sperre" für den Spanier, und eigentlich müsste das auch Wenger so sehen. "Offensichtliche Schwalben sollten bestraft werden: drei Wochen Sperre, dann würde das schnell aufhören", sagte der Elsässer - im April.

Serie A

Von Oliver Birkner

Spiel des Spieltags: Schade, dass die ausgezeichnete Satiresendung "Mai dire gol" (Sag' niemals Tor) nicht mehr im TV läuft. Die hätte am Sonntag ihren Heidenspaß am Kick zwischen Torino und Milan besessen. Zunächst erfand Antonio Nocerino einen 45-Meter-Kuller-Rückpass genau in den Lauf eines Toro-Stürmers (0:1), Giampaolo Pazzini lief bullig einen Verteidiger in Grund und Boden und wurde vom Referee dafür mit einem Treffer belohnt (3:1). Torino-Keeper Jean Francois Gillet streichelte eine Flanke mit seinen Gummihänden genau auf den Kopf von Nocerino (2:1) und ließ später einen eigentlich gesicherten Ball aus dem Schoß vor die Füße von Stephan El Shaarawy entfliehen (4:1).

So holte Milan durch das 4:2 zehn Zähler aus den letzten vier Partien und macht sich nun verstärkt an die winterliche Personalkorrektur. "32 Spieler im Kader sind zuviel", klagte Coach Max Allegri, und deshalb will der AC weiter aufrüsten. Der Klub möchte im Januar Javier Pastore (PSG) ausleihen und am liebsten auch Mario Balotelli nach Mailand lotsen. Wenn da nicht dessen Berater Mino Raiola wäre, der festlegte: "Den kann sich der AC gar nicht leisten. Mario hat den Wert der Mona Lisa." Deren graziösen Charme vielleicht weniger. Da musste Manager Adriano freilich eingestehen: "Dann klappt es wohl nicht. Wir sind schließlich nur kleine, bescheidene Kunstsammler."

Bleibt eine wichtige Frage offen: Wenn Balotelli die Mona Lisa ist, wer ist dann Raiolas anderer Klient Zlatan Ibrahimovic?

Mann des Spieltags: Endlich kann die Trainer-Bank aus der Wohnung von Antonio Conte wieder verschwinden. Das sperrige Ding hatte ihm seine Frau dort platziert, da ihm das werte Stück wegen der viermonatigen Sperre so fehlte. Seit Sonntag und 132 Tagen Strafe darf der Juventus-Coach also wieder in Rumpelstilzchen-Manier an der Seitenlinie hüpfen und brüllen.

Die Rückkehr wurde von den Gazetten pompös zum "Conte Day" deklariert und erfuhr ein derartig mediales Aufbauschen, dass das Publikum in Palermo "Willkommen zurück"-Transparente auf Italienisch, Englisch und Sizilianisch vorbereitet hatte (Sizilien stellt eine der Hochburgen des Juve-Anhangs). Sky Italia setzte gar eigens eine exklusive "Conte Cam" ein, die ihn 90 Minuten lang verfolgte. Die enthüllte freilich wenig Aufregendes, außer dass Conte direkt nach dem 1:0-Siegtreffer aufs Feld brüllte: "Pirlo, was zum Teufel machst du da in der Mitte?" Revolutionär. Letztlich war es nicht, wie man meinen konnte, die Fleischwerdung des Heilsbringers, sondern ein ganz normaler Nachmittag - bis auf den ungemütlichen Hagelschauer, den Palermo eher selten erlebt.

Und sonst? Inter und Wesley Sneijder werden sicher keine Busenfreunde mehr. Er soll zu verringerten Bezügen den Vertrag verlängern, denkt nicht dran und steht deshalb regelmäßig nicht einmal im Kader. Während Sneijder zur Situation schweigt, plappert Frau Yolanthe in Teenie-Manier umso mehr über Twitter. "Die meisten Dinge, die Inter über Wesley sagt, stimmen gar nicht!" Oooooch. Das Meisterwerk kam am Samstag gezwitschert. "Gehen gerade durch das schöne Mailand spazieren. Ein Küsschen an alle!" Wesley wäre sicher lieber über den Mailänder Rasen gerannt. Wie dem auch sei, danke Yolanthe für die wichtige Info, Küsschen zurück und auf Wiedersehen!

Primera Division

Von SPOX

Spiel des Spieltags: Auf dem Papier war es Atletico gegen Depor, aber irgendwie mussten sich anderen zehn Spieler der Hausherren schon ein bisschen veräppelt vorkommen. Dürfen wir auch noch mitspielen? Irgendwann durften sie es dann nicht mehr, denn einmal mehr veranstaltete Radamel Falcao eine One-Man-Show. Kaum hatte sich der Aufsteiger auf eine Waffe des Tigers eingestellt, zauberte der eine andere aus seinem Pistolengürtel hervor: Flugkopfball, Elfer, Eins-gegen-Eins oder Sololauf - alles im Repertoire des Kolumbianers.

Nach dem Spiel gingen Trainer Diego Simeone fast die Superlative für seinen Stürmer aus: "Ich glaube nicht, dass irgendjemand noch einmal fünf Tore in einem Spiel für Atletico schießen wird. Wenn er seine Chancen hat, kann man ihn nicht stoppen." Aber Herr Simeone, Sie müssen natürlich auch die Tabelle lesen, um das Ganze einzuordnen: Depor hat mit jetzt 37 Gegentoren die klar schlechteste Defensive der Liga. Das ist ja, als würde er sagen wir mal gegen Hoffenheim fünfmal treffen.

Mann des Spieltags: Ein ganzes Jahr Pause? Sechs Monate? Also zumindest 2012 ist gelaufen! Die Prognosen nach Leo Messis Verletzung im Champions-League-Spiel gegen Benfica waren teils verheerend. Millionen Bayernfans und Gerd Müller rieben sich bereits die Hände. Man gönnt ja niemandem etwas Böses, aber wenigstens wird der Torrekord des Bombers der Nation nun nicht durch den kleinen Argentinier bedroht.

Am Sonntag dann der Schock: Nichts war mehr von der vermutlich karrierebeendenden Verletzung zu sehen. Messi spielte und wie es sich gehört, wenn Messi spielt, entschied er auch die Partie mit zwei Treffern. Rekord geknackt. "Messi hat es verdient, mich zu übertrumpfen. 40 Jahre hatte mein Rekord gehalten, jetzt hat der beste Fußballer der Welt ihn gebrochen", gibt sich der geschlagene Müller kleinlaut. Aber nicht, ohne hinterherzuschieben: "So wie die Abwehrreihen in der heutigen Zeit sind, kann man auch mehr Tore schießen."

Übrigens: Die Barca-nahe "Sport" hat auch schon einen Spitznamen für den neuen Rekordbomber: "Missile Messi"! Macht sich gut neben dem Bomber, oder?

Und sonst? Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Und wenn man sie nicht fälschen kann, muss man sie zumindest bestätigen, indem man mit gutem Beispiel voran geht. Das dachte sich am Freitagabend wohl auch ein gewisser Jose Antonio Reyes Calderon, kurz Reyes, vom FC Sevilla. Der wusste nämlich, dass beim Gastspiel seines Teams bei Espanyol Barcelona die beiden Raubein-Teams der Liga aufeinander treffen (Sevilla bislang neun Platzverweise, Espanyol sogar elf).

Und da fand es Reyes irgendwie albern, dass es nach einer guten halben Stunde zwar schon zwei Elfmeter, aber noch keinen Platzverweis gegeben hatte. Puh, dachte er sich wohl, dagegen muss ich dringend etwas tun. Ein Mann, ein Wort, also holte er sich innerhalb von sechs Minuten zweimal Gelb ab und durfte unter die Dusche.

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