Montag, 09.04.2012

Blitzlichter aus Europa

Italiens bester Kalauer

Nirgends hasst man Juventus so wie in Florenz - und trotzdem schießt die Fiorentina Milan ab und damit die Bianconeri an die Tabellenspitze. In England präsentiert Mario Balotelli den Höhepunkt seines sinnentleerten Schaffens und wird wohl nie mehr für Manchester City spielen. Der Spieltag in Spanien lehrt: Pepe tritt nicht nur seine Gegner, und: Barca kann's auch auf der Kuhweide.

Florenz' Pasqual setzt alles daran, das Tattoo von Milans Ambrosini zu entziffern
© Getty
Florenz' Pasqual setzt alles daran, das Tattoo von Milans Ambrosini zu entziffern

Serie A

von Oliver Birkner

Juve-Hasser helfen Juve: Der Fußball denkt sich bisweilen ja amüsante Geschichten aus. Der jüngste Kalauer würde ungefähr so beginnen: Kommt die Fiorentina nach Mailand... Das meist erbärmlich spielende Florenz hatte in den neun Partien zuvor lediglich fünf Punkte gesammelt, kam dann also zum Titelfavoriten AC Milan und siegte 2:1. Amüsant deshalb, weil die gigantischste Juve-Hasser-Stadt Italiens Juventus den Sprung an die Tabellenspitze ermöglichte. Damit nicht genug. Den Siegtreffer kurz vor Schluss schoss der eingewechselte Amauri, laut eigenen Angaben mit Calimero zu übersetzen. Keine Überraschung, denn der Brasilianer glich auf dem Platz häufig tatsächlich dem schwarzen Küken mit der Eierschale auf dem Kopf aus der Zeichentrick- Serie. Sein letztes Tor hatte Calimero am 23. April 2011 erzielt. In der Folge sortierte ihn Juventus-Coach Antonio Conte aus, der stocksaure Amauri hielt sich bei der U 19 fit und wechselte Ende Januar schließlich nach Florenz. Auch er hätte es sicher liebend gerne vermieden, mit seinem ersten Erfolgserlebnis für die Toskaner Juve einen Gefallen zu erweisen. Zumindest verschafften sich die Viola ein wenig Luft im Abstiegskampf, der die Journaille jedoch wie üblich kaum anmacht. So lautete Sekunden nach Schlusspfiff die erste Frage an Florenz-Coach Delio Rossi folgerichtig: "Sie spielten in den letzten Wochen gegen Juve und Milan - wer besitzt bessere Chancen auf den Scudetto?" Rossis Augen suggerierten, dass er den spitzfindigen Fragesteller gerne mit einem sehr spitzen Gegenstand an einer empfindlichen Stelle behandelt hätte, beließ es aber bei: "Wir liegen fünf Zähler vor dem Drittletzten - rechnen Sie mal schnell selber aus, wie sehr mich Ihr Anliegen gerade interessiert."

FantAntonio is back: Trotz einer empfindlichen Woche mit Aus in der Champions League und Verlust der Tabellenspitze durften sich die AC-Tifosi an der Rückkehr von Antonio Cassano erfreuen. Stehende Ovationen begrüßten den 29-Jährigen, als er elf Minuten vor Schluss eingewechselt wurde. "FantAntonio" war wegen eines Herzfehlers 162 Tage und 28 Partien ausgefallen. In einigen Ansätzen bewies er bereits, dass Milan im Titelrennen nun über ein Fantasie-Ass mehr im Ärmel verfügt. Bentornato, Antonio!

Verhaftet den Schiri! Bei Inter ist der "StraMOUccioni"-Effekt schon wieder abgeheftet. Im zweiten Auftritt unter dem neuen, etwas vorschnell gefeierten Coach Andrea Stramaccioni kickte man sich ideenlos zu einem 2:2 gegen Cagliari, das 30 Minuten in Unterzahl spielte. Den Sarden schien nebenher niemand so richtig wohlgesonnen. Die Führung durch Davide Astori beschrieb die Live-Schalte der "Rai" so: "Flanke von rechts, und Astori macht den Ball rein. Basta - nichts Besonderes." Der Verteidiger hatte übrigens per spektakulärem Seitfallzieher getroffen. Das 2:1 wurde ebenfalls abgestraft, und zwar vom Referee. Mauricio Pinilla feierte das Tor am Zaun hochgeklettert und zog sich nicht mal das Trikot über den Kopf. Der pfeifende Beamte zeigte ihm dafür Gelb, was zur Ampelkarte führte. Vor der Torkamera sollte man vielleicht über diesen unsinnigsten Fußball-Nonsens-Paragraphen reflektieren. Cagliari-Präsident Massimo Cellino wetterte hinterher: "Ich habe gerade das Sonderkommando der Polizei angerufen, um den Schiri zu verhaften." Pinilla kommentierte sarkastisch: "Nach meinem nächsten Tor werfe ich mich weinend auf den Boden." Irgendwo gibt es wohl auch dafür eine ausgezeichnete Vorschrift, die Gelb vorsieht.

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Premier League

von Raphael Honigstein

Premier League, 8. Spieltag

Letzter Vorhang für Mad Mario: Es war mal wieder eine Sternstunde von "Mad" Mario Balotelli im Emirates. Der Italiener trug ein T-Shirt mit der James-Bond-artigen Aufschrift "YOLO" (You only live once, man lebt nur einmal) unter dem Trikot und hatte Glück, nicht schon nach zehn Minuten vom Platz zu fliegen, als er mit einer Knochenbrecher-Aktion das Schienbein von Alex Song malträtierte. Die Rote Karte für zwei hirnrissige Fouls an Bacary Sagna kam dann spät (90.), aber zwangsläufig. Warum Roberto Mancini den Knallkopf nicht früher vom Platz genommen hatte, blieb ein Mysterium. "Er wird in den nächsten sechs Matches bis zum Saisonende nicht mehr spielen", sagte der entnervte Trainer nach der 0:1-Niederlage. "Wenn er sich nicht ändert, wird seine Karriere in zwei, drei Jahren vorbei sein." Der Stürmer würde im Sommer "wahrscheinlich" verkauft, fügte Mancini hinzu. Mit acht Punkten Rückstand auf United ist es das nun mit der Meisterschaft. Und wenn Mancini Pech hat, erkennen die Scheichs in der allzu nachsichtigen Handhabe des infantilen Problemkickers einen der Gründe für Citys verpatztes Titelrennen.

Eine erstklassige Schwalbe: Im Old Trafford wurde dagegen am Sonntag schon mal die 20. Meisterschaft vorgefeiert. Der 2:0-Sieg gegen die Queens Park Rangers war äußerst souverän, allerdings auch von Schiedsrichter Lee Mason begünstigt. Mason stellte nach 14 Minuten QPRs Shaun Derry vom Platz und entschied auf Elfmeter für United, obwohl Ashley Young zunächst im Abseits gestanden und dann eine erstklassige Schwalbe hingelegt hatte. "Ashley Young kann der Partner von Tom Daley bei den Olympischen Spielen sein", tweetete QPR-Geschäftsführer Philip Beard. Tom Daley ist ein britischer Wasserspringer in der 10-m-Kategorie. Alex Ferguson gab die Abseitsstellung zu, fand allerdings, der von Derry minimal berührte Young sei "aus der Balance" gekommen. Nun ja. "Englischen Spielern wird so etwas eher nachgesehen", sagte Fernsehkommentator Martin Tyler klug, bevor ihn sein Co-Kommentator Mark Bright ungewollt bestätigte. "Ja, aber Ausländer haben diese Dinge auf die Insel gebracht", behauptete der frühere Crystal-Palace-Kicker.

Die Top-Torjäger der Premier League 2011/2012
Rang 1: Robin van Persie (r.) vom FC Arsenal (30 Tore)
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Rang 1: Robin van Persie (r.) vom FC Arsenal (30 Tore)
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Rang 2: Wayne Rooney von Manchester United (27 Tore)
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Rang 2: Wayne Rooney von Manchester United (27 Tore)
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Rang 3: Sergio Agüero von Manchester City (23 Tore)
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Rang 3: Sergio Agüero von Manchester City (23 Tore)
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Rang 4: Clint Dempsey (l.) vom FC Fulham (17 Tore)
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Rang 4: Clint Dempsey (l.) vom FC Fulham (17 Tore)
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Rang 4: Yakubu Ayegbeni von den Blackburn Rovers (17 Tore)
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Rang 4: Yakubu Ayegbeni von den Blackburn Rovers (17 Tore)
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Rang 4: Emmanuel Adebayor von den Tottenham Hotspur (17 Tore)
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Rang 4: Emmanuel Adebayor von den Tottenham Hotspur (17 Tore)
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Rang 7: Demba Ba von Newcastle United (16 Tore)
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Rang 7: Demba Ba von Newcastle United (16 Tore)
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Krieg und Frieden in Liverpool: In den Achtziger Jahren sah ein Geheimplan der Thatcher-Regierung den "kontrollierten Niedergang" von Liverpool vor, auf Englisch "managed decline". Kenny Dalglish stand bisher nicht im Verdacht, ein Gehilfe ultra-konservativer Kräfte zu sein, aber so langsam muss man sich wundern. Nach dem 1:1 gegen Aston Villa hat der Schotte jedenfalls weiter gute Chancen, die Reds zur schlechtesten Premier-League-Saison überhaupt zu führen. Der Schiedsrichter und Pech waren laut dem Trainer am Samstag Schuld, aber die amerikanischen Eigentümer werden sich mit diesen beiden Schlagwörtern nicht zufrieden geben. Dalglish muss sich vor dem FA-Pokalhalbfinale gegen Everton in einem Treffen mit den Besitzern persönlich für die schwachen Liga-Leistungen verantworten und zudem am Ende der Spielzeit einen Bericht verfassen. "Das Werk dürfte den Umfang von 'Krieg und Frieden' haben", witzelte der "Daily Telegraph". Einen anderen literarischen Vergleich - für alle Fans von "Das Lied von Eis und Feuer" beziehungsweise der Fernsehserie "Game of Thrones" - zog Blogger Robert Bennett: "Kenny Dalglish ist 100 Prozent Ned Stark - ein Anführer, der sich als Krieger wohlfühlt, aber nicht als Politiker. Er könnte deswegen seinen Kopf verlieren." Spoiler-Alert?

Primera Division

von Paula Villamarin Temperan

Blumen für Barca: Es muss schon alles zusammenpassen, um etwas gegen den FC Barcelona ausrichten zu können. Das ist keine Frage. Es gibt solche Mittel und solche. Als Heimteam hat man zudem noch den Vorteil, etwas an den nicht-sportlichen Stellschrauben zu drehen, zum Beispiel an der Beschaffenheit des Rasens. In Saragossa am Samstag war der Meister mit einer Spielfläche konfrontiert, die den Namen Rasen nicht verdiente. Wiese oder Weide wäre wohl eher angebracht gewesen. Sogar Blumen wurden gesichtet, und Saragossas Trainer Manolo machte kein Geheimnis daraus, die Greenkeeper des La Romareda instruiert zu haben: "Keiner rührt den Rasen an." Gut, Saragossa unterlag Barca mit 1:4. Man kann den Plan also als gescheitert betrachten. Doch fragt man sich in Spanien schon: Was macht Chelsea - Barcas Halbfinalgegner in der Champions League - mit seiner Wiese? Vielleicht gibt es ja die Neuauflage von "Stamford Beach". Im Februar 2006 verwandelten die Sprinkler die Spielfläche im Stadion der Londoner in ein Feuchtbiotop. Aber auch der sumpfigen Bedingungen wurde Barca Herr und gewann 2:1.

Pepe außer Kontrolle: Man weiß, dass der Name Pepe für Schmerzen steht. Das soll gar kein Vorwurf sein, denn Männer, die hinlangen können, braucht jede Fußball-Mannschaft von Zeit zu Zeit. Man wusste bislang aber nicht, dass Pepe die Kombination aus Unangenehmem und Notwendigem nicht nur den Protagonisten der gegnerischen Mannschaft zukommen lässt, sondern auch den eigenen, blütenweißen Kollegen Zähne und Stollen zeigt. So geschehen beim 0:0 gegen Valencia am Sonntag. Pepe läuft einen Ball ab und wird von Pablo Piatti gelegt. Nichts Besonderes eigentlich, doch Pepe wälzt sich tief in der eigenen Hälfte am Boden, als habe ihm Piatti den Unterschenkel ,abgetrennt. Nach mehreren Umdrehungen und ausdrucksstarken Zuckungen befand Alvaro Arbeloa, dass es für Pepe an der Zeit sei, wieder aufzustehen, um keine Zeit zu verplempern, schließlich wollte Real ja noch Tore machen. Doch statt auf den wohlmeinenden Vorschlag einzugehen, verabreichte Pepe dem Mitspieler einen Tritt vors Knie, von dem Kritiker des robusten Portugiesen behaupten, er sei schmerzhafter gewesen als der von Piatti. Wie auch immer: Der Schiedsrichter ließ sämtliche Karten stecken und beliebte, bei der Szene einfach mit Abwesenheit zu glänzen.

Die Top-Torjäger der Primera Division 2011/2012
Rang 1: Lionel Messi vom FC Barcelona (50 Tore)
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Rang 1: Lionel Messi vom FC Barcelona (50 Tore)
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Rang 2: Cristiano Ronaldo von Real Madrid (46 Tore)
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Rang 2: Cristiano Ronaldo von Real Madrid (46 Tore)
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Rang 3: Radamel Falcao von Atletico Madrid (24 Tore)
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Rang 3: Radamel Falcao von Atletico Madrid (24 Tore)
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Rang 4: Gonzalo Higuain von Real Madrid (22 Tore)
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Rang 4: Gonzalo Higuain von Real Madrid (22 Tore)
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Rang 5: Karim Benzema von Real Madrid (21 Tore)
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Rang 5: Karim Benzema von Real Madrid (21 Tore)
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Alles Kopfsache: Statistiken sind großartig. An diesem Wochenende hat Herr Messi auf der Kuhweide zu Saragossa z. B. sein 60. Pflichtspieltor der Saison erzielt. Gleichzeitig hat er mit seinen Ligatreffern 156 und 157 (in 207 Spielen) den guten alten Ferenc Puskas überholt. Noch mehr Zahlen? Nehmen wir die Null. Real hat zum 3. Mal in dieser Saison und zum 1. Mal seit dem 5. Spieltag kein Tor geschossen, was dazu führt, dass der Vorsprung an der Tabellenspitze von ehedem 10 auf 4 Punkte zusammengeschmolzen ist, weil Verfolger Barcelona zum 9. Mal in Folge gewann. Und noch was: Athletic Bilbao hat nicht nur Schalke aus der EL geschmissen, sondern ist auch zum 2. Mal in Folge das Team der Primera Division mit den meisten Kopfballtoren. Fernando Llorente - wer sonst? - köpfte am Wochenende das 1:0-Siegtor gegen Sevilla. 17 der 45 Saisontore machten die Basken mit dem Kopf, der Schädel des langen Schlacks war dabei 8. Mal zur Stelle. Überhaupt Llorente: Seine 36 Kopfballtore in der Liga sind Topwert unter allen aktiven Profis. Die Marke teilt er sich allerdings mit Espanyols Walter Pandiani.

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