Das sind die deutschen Europapokal-Gegner

Zwei Super-Trainer und der neue Stern

Von SPOX
Freitag, 16.03.2012 | 19:44 Uhr
Der neue Stern am Atletico-Himmel: Stürmer Adrian ist derzeit in absoluter Topform
© Getty
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Olympique Marseille, Atletico Madrid und Athletic Bilbao heißen die deutschen Europapokal-Gegner in den Viertelfinals. Aber auf was müssen sich die Bayern, Hannover und Schalke eigentlich einstellen?

Der Bayern-Gegner: Olympique Marseille (8. in der Ligue 1)

So läuft die Saison: Der Vorjahreszweite der Ligue 1 durchlebt in dieser Spielzeit eine emotionale Achterbahnfahrt. Trotz zwischenzeitlich 17 Partien mit nur einer Pleite (zwischen September und Februar) rangiert OM in der Liga nur auf Rang acht und muss vehement um den erneuten Einzug ins internationale Geschäft bangen. Zuletzt setzte es vier Niederlagen ohne eigenen Torerfolg in Serie. Aufgrund des Missverhältnisses zum Vorjahr stand Trainer Didier Deschamps schon mehrfach kurz vor der Demission. Gerettet hat ihn die formidable Performance in der Königsklasse: Auch dort fingen die Südfranzosen mit zwei Dreiern stark an, nur um in den letzten Minuten des 6. Gruppenspieltags die Qualifikation für die K.o.-Phase mit dem Sieg beim BVB klar zu machen. Zweimal Last-Minute hieß es auch in den Duellen gegen Inter, die es laut Deschamps gar nicht gebraucht hätte, um das internationale Saisonziel zu erreichen. Er weiß, dass er in der Ligue 1 mindestens Fünfter werden muss, um seine Zukunft in Marseille zu gewähren - unabhängig von einem möglichen Gewinn des Pokals, wo man im Finale auf Lyon trifft.

Player to watch: Loic Remy. Der Nationalspieler ist nach einer langwierigen Oberschenkelverletzung wieder fit und der gefährlichste Akteur im OM-Kader (9 Tore in 22 Spielen). Deschamps verbindet mit der Rückkehr seines "wichtigsten Spielers" vor allem die Hoffnung auf das Ende der nationalen Torflaute. Remy, für den Marseille im Winter ein angebliches Mega-Angebot von Tottenham ablehnte, ist in Europa extrem begehrt ist und dürfte nach einer halbwegs erfolgreichen EM weg sein. Zu den Stärken des 25-Jährigen gehören ein toller Antritt, eine hohe Endgeschwindigkeit sowie eine starke Effektivität im Abschluss.

Bilanz gegen deutsche Teams: 10 Spiele mit 4 Siegen, 2 Unentschieden und 4 Niederlagen.

SPOX-Meinung: Neben APOEL und Benfica eines der vermeintlich "leichten" Lose für den FC Bayern. Obwohl Marseille zweimal gegen Dortmund gewann und zudem Inter ausschaltete, ist ein Weiterkommen für den deutschen Rekordmeister Pflicht. München verfügt über den besseren und homogeneren Kader und sollte vor allem das unkonstante Flügelspiel in der Defensive der Franzosen ausnutzen. Mit einem Heimspiel in der Hinterhand ist Bayern klarer Favorit. Aber Vorsicht: Für OM ist das Viertelfinale nur noch Zugabe, der Fokus liegt auf der Liga. Marseille kann daher in der Königsklasse frei von jeglichem Druck aufspielen.

 

Der Hannover-Gegner: Atletico Madrid (8. in der Primera Division)

So läuft die Saison: Mit Agüero, Forlan de Gea und Co. verließen in der Sommerpause wichtige Stützen den Verein. Der erste Versuch eines Umbruchs unter Neu-Coach Gregorio Manzano ging in die Hose, nach dem peinlichen Aus in der Copa del Rey gegen Zweitligist Albacete war dessen Engagement bei Atletico zur Winterpause Geschichte. Sein Amt übernahm Diego Simeone - seither geht es kontinuierlich bergauf. Ein einziges von insgesamt 14 Spielen ging in der Ära Simeone verloren, in diesem Fall hieß der Gegner FC Barcelona (Endstand 1:2). Ansonsten zeigt sich das Team seit dem Trainerwechsel stark verbessert, besonders die Defensive ist gefestigt wie lange nicht mehr (nur sechs Gegentore in 14 Spielen), Chelseas Keeper-Leihgabe Thibaut Courtois wuchs in der Rückrunde regelmäßig über sich hinaus. Und im Angriff haben Falcao (24 Tore) und Adrian (14) ein würdiges Erbe der Herren Agüero und Forlan angetreten. In der Europa League fielen den Madrilenen in der K.o.-Phase bereits Lazio und Besiktas zum Opfer.

Player to watch: Adrian. Wer kann EL-Topscorer Klaas-Jan Huntelaar (13 Tore, zwei Vorlagen) bloß das Wasser reichen? Die Antwort: Atleticos "Mister Europa League" himself! Zählt man die Quali dazu, erzielte Adrian acht Tore selbst, dazu gab er sieben Vorlagen. Damit war er an knapp der Hälfte aller Madrid-Tore in der EL direkt beteiligt. Dass er mit Falcao einen Nebenmann hat, der wettbewerbsübergreifend noch häufiger einnetzt, macht die ganze Sache nicht wesentlich leichter für Hannover. Unter Simeone trifft mindestens einer der beiden jedes zweite Spiel.

Bilanz gegen deutsche Teams: 30 Spiele mit 13 Siegen, 6 Unentschieden und 11 Niederlagen.

SPOX-Meinung: Adrian und Falcao im Griff haben, einen Weg durch die dichte Defensive finden und einen der formstärksten Keeper der spanischen Liga überwinden: Die Aufgabenstellung könnte einfacher sein für Hannover. Atleticos Kader ist qualitativ besser besetzt, auch die Formkurve spricht für die Spanier. Doch schon zahlreiche Gegner sind in der laufenden Saison an den unbekümmert wirkenden 96ern gescheitert. Immerhin: Hannover hat im Rückspiel Heimvorteil. Was das bedeuten kann, ist in Lüttich nachzufragen.

 

Der Schalke-Gegner: Athletic Bilbao (7. in der Primera Division)

So läuft die Saison: Der Vorjahressechste der Primera Division verpflichtete in der Sommerpause mit Marcelo Bielsa einen ebenso anerkannten wie exzentrischen Trainer. Der ehemalige argentinische und chilenische Nationalcoach wurde seinem Ruf in den Anfangswochen sofort gerecht und krempelte beim Traditionsklub aus dem Baskenland einiges um. Spieler fanden sich auf anderen Positionen wieder und auch taktisch experimentierte der Trainerfuchs von Woche zu Woche. Entsprechend holprig fiel auch der Start in die Saison aus. Aus den ersten sechs Partien holten die Mannen um Kapitän Carlos Gurpegui nur zwei Punkte. Mittlerweile hat sich das Team aber stabilisiert und kämpfte sich mit einer guten Serie bis auf Platz sieben vor. Auch in der Europa League lief es hervorragend. In der Gruppenphase verwies man Salzburg, Paris St. Germain und Slovan Bratislava auf die Plätze, bevor man mit Lokomotive Moskau und zuletzt Manchester United zwei Hochkaräter aus dem Bewerb kegelte. Als besonderes Highlight steht am 25.05.2012 das Finale in der Copa del Rey an. Im Stadion Vicente Calderon in Madrid treffen die Basken auf Champions-League-Sieger Barcelona.

Player to watch: Fernando Llorente. Der Nationalspieler ist seit Jahren der Torgarant für die ausschließlich mit baskischen Spielern bestückte Elf. Der 27-Jährige gibt mit seinen 1,95 Metern den robusten Alleinunterhalter in der Spitze im 4-2-3-1-System von Bielsa und hat in dieser Spielzeit bereits 23 Pflichtspieltreffer erzielt. Auch in der Nationalelf darf sich Llorente nach der Verletzung von David Villa und der Formschwäche von Fernando Torres berechtigte Chancen auf einen Stammplatz bei der EM machen. Llorente besitzt bei Bilbao noch einen Vertrag bis 2013, welcher eine festgelegte Ablösesumme von 36 Millionen Euro beinhaltet. Von zahlreichen Klubs umworben, meldete laut spanischer Presse zuletzt auch der FC Barcelona sein Interesse an. Die Stärken des 27-Jährigen gehören sein hervorragendes Kopfballspiel, sein enormer Wille sowie seine Effektivität im Abschluss.

Bilanz gegen deutsche Teams: 8 Spiele mit 2 Siegen, 2 Unentschieden und 4 Niederlagen.

SPOX-Meinung: Nach den Siegen gegen Manchester United wohl gemeinsam mit den beiden anderen verbliebenen spanischen Vertretern Atletico und Valencia die stärkste Mannschaft im Lostopf. Vor allem im Rückspiel im heimischen Stadion San Mames muss sich Schalke 04 warm anziehen. Selbst der FC Barcelona musste schon einige unangenehme Niederlagen dort einstecken und reist ungern in die Hafenstadt am Atlantik. Nominell dürfte Schalke zwar etwas besser besetzt sein als Bilbao, aber gegen das kompakte, abwehrstarke Team müssen Huntelaar und Co. schon im Hinspiel in der Veltins-Arena alles aufbieten um sich gute Voraussetzungen für das Rückspiel zu verschaffen.

Champions League: Der Spielplan im Überblick

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