Blitzlichter aus Europa

Rotzbremsen, wohin man blickt

Von SPOX
Montag, 05.12.2011 | 14:34 Uhr
Shaun Derry von den Queens Park Rangers (r.) trägt seinen hübschen Schnäuzer zur Schau
© Getty
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In England läuft ein Schnauzer schöner als der andere herum. Außerdem wird ein Premier-League-Coach zum opfer der Geografie. Javier Zanetti erlebt im zarten Alter von 38 Jahren sein erstes Mal, und in Spanien geht ein Schiedsrichter gehörig auf die Eier. Unsere Korrespondenten vor Ort berichten.

Serie A

von Oliver Birkner

Traumaktionen im Nebel: Am Montagmorgen wusste dank der Zeitungen auch der Letzte, wie die Partie Parma gegen Palermo ausgegangen war. 0:0 vermeldeten alle seriösen Informationsquellen übereinstimmend. Vielleicht war es aber auch nur eine insgeheime Absprache, denn echte Augenzeugen gab es nicht. Ein dichter Nebel hatte sich in, um, und um das Stadion herum gelegt, so dass die Tifosi Freunde daheim vor dem TV anriefen, wen sie denn nun feiern oder ob einer ausgelassenen Chance per Sprechchor diffamieren sollten. Einziges Problem: Auch am Fernseher sah man die meiste Zeit - Nebel. Der Referee besaß wahrlich eine gehörige Portion Mumm, diese Partie tatsächlich durchzuziehen. "Ich kann meinem Team heute keinen Vorwurf machen, denn ich habe nichts gesehen", sagte Parma-Coach Franco Colomba. "Aber ich glaube wir haben ein Mal den Pfosten getroffen oder war das Palermo? Zumindest hörte ich das Geräusch, wie ein Ball gegen den Pfosten klatschte." Laut Sebastian Giovinco war es Parma. "Das war die Szene meines Lebens. Ich habe das gesamte gegnerische Team zwei Mal ausgetanzt, den Ball angelupft, vier Mal jongliert und dann per Fallrückzieher leider nur Aluminium getroffen. Hat das etwa niemand gesehen?" zwinkerte die "Atom-Ameise Giovinco und verschwand im Nebel.

Javiers erstes Mal: Ziemlich nebulös geht es derzeit auch bei Inter zu. Nur ein Mal in der Klubgeschichte startete der Verein schlechter in die Saison. Und wer auf die Idee kam, Mauro Zarate und Ricardo Alvarez zu verpflichten, muss zweifelsohne inflationär intensiv am Grappa geschmeckt haben. Die beiden Argentinier ließ das 0:1 gegen Udine samt ihrer bislang infernalen Leistungen allerdings kalt und starteten im Anschluss eine berauschende Sause in einer Mailänder Disco. Luft genug hatten sie schließlich noch. Vielleicht mal ein Beispiel am Capitano Javier Zanetti nehmen, der zumindest Opferbereitschaft erkennen lässt. Dessen Platzverweis gegen Udine war übrigens sein allererster im 548. Serie-A-Spiel! Überhaupt hatte der Argentinier seit dem Wechsel 1995 nach Italien erst ein Mal Rot gesehen: am 17. Februar 1999 beim 0:2 gegen Parma im Pokal.

Kurze-Knochen-Clowns-Serse ist zurück: Und wo wir schon bei Leidenschaft sind, Willkommen zurück Serse Cosmi. Er ersetzt den gefeuerten Eusebio Di Francesco in Lecce. Der 53-Jährige gehört ohne Frage zu den charmantesten Figuren im italienischen Trainergeschäft. Er startete als Coach von einem Bar-Team und schaffte es über die staubigen Plätze der Kreisliga in die Serie A und Champions League. Kein gewöhnlicher Trainer, der sich selbst den ersten Ultra nennt, einer seiner Mannschaften Porno-Videos im Teambus präsentierte und bereits für Tausende von Euro Trainerbänke zertrümmerte. "Mit der Bank habe ich eben eine erotische Beziehung", sagt Cosmi. "Ich will sie besitzen. Und das geht nicht ohne Leidenschaft." Cosmi musste sich lange gedulden. Sportstudium, Sportlehrer an einer Grundschule seines Heimatortes nahe Perugia. Ein langer Weg bis in den Kreis der Elite. Für die Serie-A-Lizenz brauchte er vier Anläufe. "Beim ersten Mal fragten die mich was ein kurzer Knochen sei. Ich wollte über Systeme und Raumdeckung reden. Und die kamen mit kurzen Knochen. Im Fußball gibt es zu viele von diesen Kurze-Knochen-Clowns." Seine Erfahrung im Amateurbereich nennt er unbezahlbar. "Dieser Hunger in den Blicken der Spieler. Wenn ich heute viele Jungprofis sehe, mit ihren Jungprofi-Freundinnen, ihren Jungprofi-Autos und ihren Jungprofi-Klamotten, weiß ich, dass sie nie Männer oder wahre Fußballer werden. Den meisten fehlt Leidenschaft und Fantasie." Seine Passion verlor er nie. Noch heute ist er Mitglied der Perugia-Ultras "Betrunkene Jungs". Vielleicht könnten sich dort auch Zarate und Alvarez als Mitglieder bewerben.

Premier League

von Raphael Honigstein

Ausverkauf bei Chelsea: Beim FC Chelsea könnte die Welt nach dem 3:0-Auswärtssieg bei Newcastle United eigentlich wieder in Ordnung sein. Doch Andre Villas-Boas überraschte die anwesenden Reporter im St. James Park - pardon: in der "SportsDirectArena" - mit der Meldung, dass für Nicolas Anelka und Alex Transferangebote angenommen wurden und die beiden ab sofort ein gesondertes Training bestreiten müssen. "Mein Gespräch mit beiden war fair und direkt. Ihr Professionalismus und ihre Integrität stehen nicht in Frage", sagte der Portugiese. Warum Villas-Boas beide schon einen knappen Monat vor der Wechselperiode aufs Eis legt, ist allerdings schon fraglich. Entweder die Zwei sind in der Kabine nicht mehr gern gelitten - oder die Angebote sind aus Sicht von Chelsea so gut, dass man mit allen Umständen vermeiden will, dass sie sich im Mannschaftstraining verletzen. Falls die zweite Option zutrifft, muss man sich wohl auch um Frank Lampards Zukunft bei den Blauen sorgen machen. Der 33-Jährige wurde nach einer Stunde ausgewechselt und machte aus seinem Unmut keinen Hehl. Zahlreiche Sonntagsblätter berichteten, dass "Super-Frank" im Winter mit Luka Modric (Spurs) verrechnet werden soll. Interessanterweise wurde die Story an der Stamford Bridge nicht ausdrücklich dementiert....

Bruce, ein Opfer der Geografie: Mit Steve Bruce vom FC Sunderland erwischte es unter der Woche den ersten Trainer in der Premier League. Als Tabellensechzehnter hatte der frühere ManUtd-Verteidiger wenig gute Argumente, doch wenn man Kollege Ian Holloway von Absteiger Blackpool glaubt, waren gar nicht die vielen Niederlagen und unglücklichen Transfers schuld. "Bruce ist ein Opfer der Geografie", meint Holloway. "Er hatte nie eine Chance, weil das Blut von Tyneside durch seine Adern fließt, nicht das von Wearside." Die Flüsse Tyne und Wear stehen hier für Newcastle beziehungsweise Sunderland, als "Geordie" (Newcastle-Bewohner) hätte er in Sunderland von Haus aus keinen Kredit gehabt, so Holloways These. Alex Ferguson nahm diese Argumentation ebenfalls auf und gab nebenbei noch den "Fans von heutzutage" einen mit, weil sie "keine Geduld" mehr hätten. Nun ja. Insider berichten, dass die eher abenteuerlichen Trainingsmethoden der Hauptgrund für die Entlassung gewesen wären, aber "Opfer der Geografie" klingt natürlich besser. Die englischen Blitzlichter kannten übrigens schon vor gut 20 Jahren genau so einen Fall - einen Klassenkamerad, der wegen einer Fünf in Erdkunde eine Ehrenrunde drehen durfte.

Rotzbremsen wohin man schaut: Mit dem (erstaunlich milden) November ging auf der Insel auch der "Movember" zu Ende. Wie jedes Jahr ließen sich britische Männer für einen guten Zweck (Prostata- und Hoden-Krebs-Hilfe) vier Wochen lang Rotzbremsen in allen möglichen Formen und Farben wachsen. Voila, die schönsten Kicker-Exemplare (auf die Play-Taste drücken). Besonders gelungen war das mexikanischer-Bandito-meets-Asterix-Exemplar von QPR-Mann Shaun Derry und der äußerst strenge Retro-Schnauzer von Vereinskollege Anton Ferdinand. Nur gut, dass der 26-Jährige nicht unter Rassismus-Verdacht steht, muss man an dieser Stelle sagen.

Primera Division

von Paula Villamarin Temperan

Hier Barca: Willkommen in der clasico-Woche! Bevor das Spiel aber die komplette Berichterstattung einnimmt, ein Zitat von Pep Guardiola über seinen Youngster Isaac Cuenca, der das 3:0 gegen Levante erzielt hatte: "Vielleicht gefällt er den Frauen nicht, aber seine Arbeit macht er perfekt." Worauf diese Woche der Fokus liegt, ließ Guardiola leicht durchscheinen. Für das bedeutungslose Champions-League-Spiel gegen Borissow hat der Barca-Coach diese 13 Herren nicht einberufen: Valdes, Alves, Puyol, Abidal, Mascherano, Keita, Sergio Busquets, Xavi, Iniesta, Cesc, Messi, Alexis und Villa. Den einen oder anderen davon hat man schon mal gehört.

Hier Real: Und was machen die Königlichen so? Adan - Arbeloa, Varane, Albiol, Coentrao - Sahin, Granero - Altintop, Kaka, Callejon - Higuain, so könnte die Startelf in Amsterdam aussehen. Casillas, Ramos, Lass und CR7 fliegen gar nicht erst mit, aber wie man sieht, sollen auch die anderen Stammspieler geschont werden. Übrigens: Die Frage, warum Jose Mourinhos Fitnesscoach Rui Farias beim 3:0-Sieg in Gijon auf die Tribüne verbannt wurde, ist laut der iberischen Presse geklärt. Nach einem Foul von Khedira an Trejo soll Farias den vierten Offiziellen gebeten haben: "Sag ihm (dem Schiri, Anm. d. Red.), dass er eine Schande ist."

Keine Lust auf Eiertreten: Espanyol-Spieler Didac Vila war von der Leistung des Schiedsrichters im Spiel gegen Valencia, sagen wir mal, nicht wirklich begeistert. "Der Schiedsrichter ist uns von Beginn an auf die Eier gegangen und es hat ihm Spaß gemacht, Elfmeter zu pfeifen." Sein Foul in der 6. Minute, das zum Elfer geführt hat, kommentiert er wie folgt: "Den pfeift einer von hundert. Wenn es jeden dieser Elfer geben würde, hätten wir zehn pro Spiel." Valencia gewann das Spiel mit 2:1, Schiri Carlos Velasco Carballo zückte insgesamt zehnmal Gelb.

Alle Daten und Fakten zum internationalen Fußball

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