Fussball

Strippen mit Rooney, kiffen mit Wenger

Von SPOX
Wayne Rooney ist nun auch bei Twitter. Rechtschreibung scheint aber nicht sein Ding zu sein
© Getty

Kevin-Prince Boateng plant für die kommende Woche eine Michael-Jackson-Imitation. Wayne Rooney hat Probleme mit der Rechtschreibung und der FC Sevilla mit seinen eigenen Balljungen.

Dies und mehr wie immer montags in den Blitzlichtern aus Europa - zusammengetragen von unseren Korrespondenten vor Ort.

Serie A

von Oliver Birkner

Was wäre wenn: Der Konjunktiv ist selten eine heilsame Medizin, doch Inter-Präsident Massimo Moratti bemühte ihn über die Osterfeiertage ein ums andere Mal. "Wo wären wir bloß, wenn es diese verdammte Woche nicht gegeben hätte?", fragte er in einige Mikrofone. Eigentlich dauerte die verdammte Woche ja verdammte zwei Wochen, in denen die Mailänder die Titelverteidigungen in Champions League und Serie A durch vier bittere Schlappen archivierten. Beim 2:1 über Lazio bewies Inter hingegen, warum der Verein sich selbst "pazza" (verrückt) nennt. Nach den jüngsten blutleeren Partien traten die Spieler plötzlich aus ihrer Anonymität und drehten den frühen Rückstand (24.) in Unterzahl (Rot für Keeper Julio Cesar, 22.) und mit einem angeschlagen humpelnden Ersatztorwart Luca Castellazzi. "Zur Not hätte ich Materazzi in den Kasten gestellt, der ist ja groß genug. Nagatomo wohl eher nicht", sagte Trainer Leonardo. Es wäre aber sicher großes Kino gewesen, die 170 Zentimeter der japanischen Rakete mal im Tor zu bestaunen.

Jacko Boateng: Auf großes Kino muss San Siro allerdings nicht lange warten. Bereits am nächsten Sonntag könnte Milan mit einem Sieg über Bologna die Meisterschaft eintüten, falls Inter zuvor in Cesena nicht mehr als ein Remis gelingt. Dann will Kevin-Prince Boateng die Massen unterhalten: "Michael Jackson war für mich immer der Größte. Wenn wir den Scudetto holen, tanze ich in San Siro den Moonwalk als Michael Jackson verkleidet." Man ist auch als Nicht-AC-Fan verleitet, kommendes Wochenende die Daumen zu drücken. Boateng steht ja immer noch unter Doppelbesitz zwischen den Rossoneri und Genua, am Verbleib des Berliners in Milanello bestehen nach seiner formidablen Saison jedoch keine Zweifel. Geschäftsführer Adriano Galliani verriet, dass es zwischen beiden Klubs bereits ein Gentlemen's Agreement gäbe.

Neuer Rekord: Eine Vereinbarung existiert offenbar auch zwischen Juventus und der Saison, die meiste Zeit mittelprächtig vor sich hin zu dümpeln. Gegen das beschauliche Catania reichte zu Hause selbst ein 2:0-Vorsprung nicht - man kassierte zwei Gegentore in der 83. und 95. zum Ausgleich. Das Remis verstimmte Alessandro Del Piero, der zuvor zwei Mal getroffen, und damit Giuseppe Meazza in der Rekordliste "Meiste Pflichtspieltore für denselben Verein" überholt hatte. Del Piero kommt nun auf 283 Juve-Treffer in offiziellen Partien (204 in Serie A und B, 53 im Europapokal, 26 in den italienischen Pokalen). Um noch ein Jahr dranzuhängen, würde der 36-Jährige nach eigenen Angaben übrigens einen Blanko-Vertrag unterschreiben. Nur die Vereinsführung rührte sich noch nicht. Darin ähnelt sie in dieser Saison so ein wenig ihren Spielern.

 

Premier League

von Raphael Honigstein

Strippen mit Rooney: Wayne Rooney kehrt am Dienstag in die Veltins-Arena zurück, jene Spielstätte, in der er bei der WM 2006 wegen einem Tritt gegen die falsche Art von "balls" vom Platz flog. Von dieser schmerzhaften Geschichte war im Vorfeld des Champions-League-Spiels gegen Schalke komischerweise jedoch kaum die Rede. Schuld daran ist Rooney selbst, beziehungsweise ein grandioses Ablenkungsmanöver: Der 25-Jährige ging am Sonntag mit seiner Twitter-Seite (@wazzaroon08) live. Der allererste Tweet war gleich großartig. "Hi Rio, soll ich dich morgen mitnehmen?", fragte Roo vor mehr als hunderttausend Followern. Wir wissen nicht, ob Rio alias @rioferdy5 auf das generöse Angebot einging, müssen aber hoffen, dass sonst niemand die Verlautbarungen des Man-Utd-Stürmers allzu wörtlich genommen hat. "Hi all this is Wayne Rooney just started so bare with me", hieß es im zweiten Tweet (ohne Punkt und Komma) - ob das so gemeint war? Rooney wollte wahrscheinlich "bear with me" schreiben, frei übersetzt: "habt Geduld". "Bare with me" ist grammatikalisch ganz falsch, man könnte es als "zieht Euch mit mir aus" übersetzen. Ein Missverständnis, bestimmt.

Kiffen mit Wenger: Schwere Zeiten für Arsene Wenger. Seine Gunners schießen im sechsten Jahr in Folge nur mit Platzpatronen, das zehrt natürlich an den Nerven. "Als er nach England kam, nannten sie ihn den Professor, weil er auf der Bank immer so ruhig war", sagte Harry Redknapp vor dem 3:3 im Nord-Londoner Derby über seinen Kollegen, "jetzt ist er einer von den Verrückten." Das wollte Wenger so nicht auf sich sitzen lassen. "Ich kann ja nicht draußen gelassen rumsitzen, als ob ich auf Dope bin", konterte der Franzose vor dem abermals schwer frustrierenden 1:2 gegen Bolton. Aber warum eigentlich nicht? Bevor der 61-Jährige vor lauter Stress Probleme mit dem Herzen wie Kollege Gerard Houllier bekommt, sollte er vielleicht doch lieber zur Kräutertüte greifen.

Bleibe gesucht: Ziemlich crazy ist auch Martin Allen, das ist bei seinem Spitznamen ("Mad Dog") auch nicht weiter verwunderlich. Der frisch zum Trainer des Drittligisten Notts County ernannte 45-Jährige schrieb kürzlich eine Art offenen Brief auf der Internetseite des Vereins, in dem er sich bei allen Angestellten für die tolle Arbeit bedankte. Interessant war besonders der letzte Absatz, der sich, mmmh, irgendwie eher wie ein persönliches Mietgesuch las: "Ich suche einen Platz zum Pennen. Ich mag keine vornehme Hotels, ich mag nichts Protziges. Falls Sie jemanden kennen: es ist für mich und meinen Hund Monty, der ein braver Junge ist". Also, wer noch ein Zimmer inklusive Hundehütte im Garten für Allen und Monty übrig hat - bitte bei Notts County melden.

Primera Division

von Paula Villamarin Temperan

Sevillas Balljungen schon wieder: In Deutschland hat man gewisse Erfahrungen mit ungezogenen Balljungen. Jens Lehmann wird einem das ohne weiteres bestätigen. Auch Borussia Dortmund fühlte sich in der Europa League beim FC Sevilla von den Jungs hinter den Toren regelrecht verarscht, als die Ballholer alles andere machten, nur nicht den Ball wieder aufs Spielfeld zu befördern. Beim ohnehin schon hitzigen 3:2-Sieg gegen den FC Villarreal verfolgten die andalusischen Ballkinder eine andere Strategie. Als Villarreal-Torhüter Diego Lopez in der Schlussphase einen Abschlag kurz ausspielte, pfefferte auf der anderen Seite des Tores ein Balljunge einen weiteren Ball aufs Feld. Auch von den Rängen kam noch eine Kugel. Die Spieler hatten alle Hände voll zu tun, um die Bälle wieder hinter die Bande zu schießen. Für ein Tor reichte es nicht mehr. Immerhin war Sevillas Trainer Gregorio Manzano die Aktion ziemlich peinlich. "Das Verhalten der Balljungen muss sich ändern", sagte er. Sevilla-Präsident Jose Maria del Nido forderte Konsequenzen. Schiedsrichter Alberto Undiano Mallenco hielt die Aktion in seinem Bericht fest. Der spanische Verband allerdings pflegt in Sachen Strafen für gewöhnlich eine eher laxe Einstellung.

Wenn der kleine Gerard mal groß ist...: Barcas 2:0-Sieg über Osasuna war eine eher zähe Angelegenheit. Trainer Pep Guardiola schonte die meisten seiner Stars und brachte Iniesta, Messi und Xavi erst in der zweiten Halbzeit. Carles Puyol und Gerard Pique saßen sogar nur auf der Tribüne. Letzterer immerhin mit seiner Freundin Shakira. Und so hatten die Kameras und Fotografen ein wunderbares Motiv, zumal sich Pique und Shakira fröhlich turtelnd gaben. Sollte Pique in ferner Zukunft aber seinen Traum verwirklichen, muss er sich noch ein geziemenderes Verhalten zulegen. "Eines Tages will ich Präsident von Barca werden", sagte Pique der Zeitung "El Pais". Dann ist Knutschen auf der Tribüne nicht mehr drin.

Perfektes Wochenende für Kaka: Real Madrids zweite Garde feierte am Samstag ein ziemlich unerwartetes Schützenfest beim FC Valencia (6:3). Dabei lieferte Kaka eine herausragende Partie ab. Der Brasilianer, der seit seinem 65-Millionen-Euro-Transfer vom AC Milan meist mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte, erzielte zwei Treffer und zeigte, warum er einst als bester Spieler der Welt gefeiert wurde. "Wir brauchen ihn. Er hat fantastisch gespielt und die Position ausgefüllt, auf der er bei Milan groß geworden ist", schwärmte Trainer Jose Mourinho. Das Highlight des Tages sollte für Kaka aber erst ein paar Stunden nach dem Spiel geschehen. Um 23 Uhr brachte seine Frau Carol Celico ihr zweites gemeinsames Kind auf die Welt: eine Tochter. Sie heißt Isabella, wurde im Albert-Einstein-Krankenhaus in Sao Paulo geboren, ist 48 cm groß und 3170 Gramm schwer. Herzlichen Glückwunsch!

Alle Informationen zum internationalen Fußball

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung