"Ich bekomme viele Angebote"

Von Interview: Haruka Gruber
Marko Pantelic (l.) erzielte in 22 Liga-Spielen bereits zwölf Tore für Ajax Amsterdam
© Imago

Ex-Hertha-Star Marko Pantelic ist dank seiner starken Saison bei Ajax umworben. Erst kurz vor dem Transferschluss im Sommer nach Amsterdam gewechselt, avancierte der 31-Jährige zu einem der Garanten für den Höhenflug. Der 7:0-Erfolg gegen Venlo am Wochenende, zu dem er drei Tore beisteuerte, war der elfte Sieg in Folge für den Tabellen-Zweiten Ajax. Pantelics Liga-Bilanz: zwölf Tore, neun Vorlagen.

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SPOX: Marko Pantelic, Sie waren nach der vergangenen Saison über drei Monate ohne Verein und konnten zeitweise nur alleine trainieren - dennoch haben Sie sich in Amsterdam schnell durchgesetzt. Wie kam das?

Marko Pantelic: Diese drei Monate stellten eigentlich kein großes Problem da. Das einzig Negative war, dass ich immer und immer wieder gefragt wurde, warum ich noch keinen Verein habe und ob ich zu unattraktiv für einen Topklub bin. Aber ich habe ein riesiges Selbstbewusstsein und habe mich nicht verrückt machen lassen.

SPOX: War die Zeit wirklich so einfach?

Pantelic: Im Fußball geht es nicht nur auf dem Platz darum, im Kopf stark zu bleiben. Und das bin ich definitiv. Auch als Gerüchte aufkamen mit AS Rom und anderen Verein, blieb ich geduldig und habe auf das richtige Angebot gewartet. Ich wusste, dass ich eine starke Saison spielen werde. Mitte August kam dann Amsterdam auf mich zu und wir haben uns geeinigt.

SPOX: Sie haben sich prompt als Leistungsträger etabliert.

Pantelic: Das schon. Aber bei Ajax war es für mich auch schwierig, vor allem am Anfang.

SPOX: Wie meinen Sie das?

Pantelic: Nicht, dass es falsch rüberkommt: Ajax ist ein grandioser Verein mit großer Historie, vielen Trophäen und der gewissen Aura. Nichtsdestotrotz muss man sich zurechtfinden. Normalerweise verpflichtet der Verein ja 20- oder 21-Jährige - und dann komm ich mit meinen 30 Jahren. Da waren die Fans und die Medien sehr skeptisch. Ich wurde von den Journalisten wahrscheinlich deswegen sofort kritisiert. Aber ich habe gegen die Vorurteile angekämpft und mittlerweile jeden überzeugt.

SPOX: Fühlen Sie sich angesichts all der jungen Mitspieler wie der Übervater?

Pantelic: Wenn überhaupt, ist Trainer Martin Jol der Papa, er sieht ja auch so aus. (lacht) Meine Rolle ist wesentlich weniger glamourös, als man in Deutschland vielleicht denkt. Ich werde nicht an meinen Toren gemessen, sondern an der Arbeit, die ich für das Team erbringe. Es geht darum, Räume zu schaffen, mit gutem Passspiel die anderen einzusetzen und auch psychisch den vielen Talenten Halt zu geben, wenn es nötig ist. Es ist eine verantwortungsvolle Rolle, die ich auszufüllen habe - und so habe ich mir recht schnell Respekt verschafft.

SPOX: Auf welche der von Ihnen angesprochenen Talente sollten die Bundesligisten besonders achten?

Pantelic: Über meinen Sturmkollegen Luis Suarez müssen wir nicht reden. Er ist eine Granate. Dann gibt es noch Christian Eriksen. Ein 18-jähriger Mittelfeldspieler aus Dänemark, der sich in die Stammelf gespielt hat und alles für eine große Karriere mitbringt. Er wäre eine super Investition für jeden Bundesligisten. Aufpassen sollte man auch auf meinen serbischen Landsmann Miralem Sulejmani, genauso wie auf den 20-jährigen Siem de Jong aus dem Mittelfeld, unseren Rechtsverteidiger Gregory van der Wiel sowie die beiden Innenverteidiger Toby Alderweireld und Jan Vertonghen.

SPOX: Sie sind aber auch umworben. Sehen wir den besten Marko Pantelic aller Zeiten?

Pantelic: Schwer zu sagen. Ich werde ja von Jahr zu Jahr besser, daher kann ich die Frage nicht so einfach beantworten. (lacht)

SPOX: Im Sommer sind Sie ablösefrei. Sind Sie sich Ihres Marktwerts bewusst?

Pantelic: Ich bekomme viele Angebote, unter anderem von Ajax und aus der Premier League. Und Deutschland bleibt immer ein Thema, immerhin habe ich in der Bundesliga meine vier besten Jahre als Fußball-Profi erlebt. Aber Amsterdam bleibt mein erster Ansprechpartner.

SPOX: Im letzten Sommer war bereits der FC Schalke an Ihnen interessiert. Und dessen Topstürmer Kevin Kuranyi könnte den Verein nach der Saison verlassen...

Pantelic: Ich möchte im Moment nicht über einzelne Vereine diskutieren. Ich habe in meiner Karriere nie Gerüchte geschürt, daher fange ich jetzt auch nicht damit an.

SPOX: Letzter Versuch: Dieter Hoeneß, der Sie damals zur Hertha geholt hat, ist nun Geschäftsführer in Wolfsburg und muss für die Zeit nach Edin Dzeko planen.

Pantelic: Ich verstehe mich gut mit ihm und wir telefonieren hin und wieder. Ich habe ihn vor einigen Wochen angerufen, um ihm zu seinem neuen Job in Wolfsburg zu gratulieren. Wir haben gemeinsam eine riesige Zeit in Berlin erlebt und tolle Erfolge gefeiert. Unser Kontakt ist aber nur noch privater Natur. Ein Wechsel war nie Thema unserer Gespräche.

SPOX: War es ein Fehler von der Hertha, sich von Hoeneß zu trennen?

Pantelic: Dieter wollte das Beste für den Verein und hat die Hertha erst zu dem gemacht, was sie ist. Er hat Charisma, Visionen und eine Persönlichkeit. Natürlich hat auch er Fehler gemacht - aber wer macht sie nicht? Wer viel arbeitet, viel voranbringt, liegt auch mal falsch. Dennoch hat am Ende immer das Resultat gestimmt. Das sagt alles aus.

SPOX: Hoeneß verlor den Machtkampf mit Trainer Lucien Favre, der Sie, Andrej Woronin sowie Josip Simunic aus Kostengründen gehen ließ und mit seinen Neuzugängen fast komplett danebenlag. Wurde an falscher Stelle gespart?

Pantelic: Für mich haben die Probleme nicht in dieser Saison, sondern schon in der letzten begonnen, obwohl diese so erfolgreich war. Schon damals wurden die Führungsspieler nicht geschützt, über irgendwelche Kanäle sind sogar Vertragsdetails in die Öffentlichkeit gelangt. Der Verein hat nicht verstanden, was er an den Spielern hatte. Stattdessen wurde alles gut geredet und so getan, als ob der Erfolg nur von einem Mann abhängen würde: Lucien Favre. Jetzt bezahlt Hertha für alle Sünden der Vergangenheit.

SPOX: Zuletzt wurde darüber spekuliert, dass Sie zur Hertha zurückkehren könnten, da Sie sich in Berlin ein Haus suchen würden.

Pantelic: Das ist eine Privat-Angelegenheit und hat nichts mit meiner sportlichen Zukunft zu tun.

SPOX: Berlins Kapitän Arne Friedrich vermisst im positiven Sinn "Arschlöcher", die die Mannschaft anführen könnten. Fühlen Sie sich angesprochen?

Pantelic: Arne ist ein Freund. Wir haben über die Jahre viel Zeit zusammen verbracht und er kennt mich als Fußballer und als Mensch. Er weiß, dass ich nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine jemand war, der vorangegangen ist. Jetzt gehen solche Typen dem Team ab. Aber vielleicht hat Arne mit seinem Interview ein Signal gesetzt und die Mannschaft aufgeweckt. Das 5:1 in Wolfsburg war ein gutes Zeichen. Arne ist ein richtig guter Kapitän, der manchmal nicht den nötigen Respekt und die Wertschätzung in der Öffentlichkeit bekommt.

SPOX: Über mangelnden Respekt klagte auch Ihr Freund Gojko Kacar. Nicht von der Öffentlichkeit, sondern von Trainer Friedhelm Funkel.

Pantelic: Ich verstehe Gojko. Es ist nicht einfach für ihn, weil er erst verletzt war und jetzt manchmal auf der Bank sitzt. Die letzten Wochen haben aber gezeigt, was für einen Riesencharakter er hat. Er kämpft, er ist laufstark, er geht voran, er gibt alles für die Hertha. Dass Berlin wieder auf den Klassenerhalt hoffen kann, seit Gojko wieder spielt, ist kein Zufall. Ihn trifft keine Schuld, dass es zuletzt zwischen ihm und dem Verein nicht so gepasst hat. Daher muss man sehen, wie es im Sommer weitergeht. Ich bin sicher, dass die Bundesliga die perfekte Liga für so eine Mittelfeld-Maschine wie Gojko ist.

SPOX: Nicht nur wegen Ihnen und Kacar gilt Serbien bei der WM als Geheimfavorit. Ist die Nationalmannschaft wirklich so stark?

Pantelic: Auf der einen Seite haben wir viele Talente, auf der anderen Seite aber auch Spieler wie Dejan Stankovic, Nemanja Vidic, Branislav Ivanovic oder mich, die im besten Fußballer-Alter sind. Das ist unsere größte Stärke. Wir haben eine gute Altersstruktur und sind körperlich wie mental sehr stark.

SPOX: Was ist der Grund für Serbiens Aufschwung?

Pantelic: Ganz einfach: unser Trainer Radomir Antic. Er ist ein Mann mit Erfolg und Charme - und er findet immer die richtigen Worte. Serbien hatte schon immer eine unglaubliche Qualität. Die Schwierigkeit bestand nur darin, die Spieler so zusammenzustellen, dass es ein harmonisches Ganzes ergibt. Antic hat es geschafft, dass es nicht nur 90 Minuten passt, sondern sogar über eine ganze Qualifikationsphase. Daher glaube ich auch: Wenn alle Stammspieler fit zur WM fahren, sind wir für Deutschland sehr gefährlich.

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