Gestern Bundesliga - heute Ausland

Luca Toni hat seinen neuen Klose

Von Fatih Demireli/Christian Bernhard
Mittwoch, 14.04.2010 | 20:47 Uhr
Zwei der erfolgreichsten Ex-Bundesliga-Spieler: Lucio (l.) und Luca Toni kommen in Italien gut zurecht
© Getty
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Sie waren feste Größen in der Bundesliga und verdienen ihre Brötchen jetzt im Ausland. SPOX blickt in einer neuen Serie auf die Situation früherer Bundesliga-Stars. Mit dabei: Luca Toni, der beim AS Rom sein Glück gefunden hat, ein Ex-Wolfsburger, der Probleme mit den Schiedsrichtern hat, ein Stuttgarter Meisterkapitän, der in Russland nur noch auf der Bank sitzt, und ein Deutscher, der "Everbody's Darling" in der Türkei ist.

Luca Toni (AS Rom): Der AS Rom ist Tabellenführer in der Serie A. Das ist auch ein Verdienst von Luca Toni, der eine feste Größe bei Trainer Claudio Ranieri ist. Tonis sportlicher Erfolg hat einen Namen: Mirko Vucinic. Der Montenegriner ist ein Konkurrent, aber viel mehr ist er sein idealer Partner. Das Duo harmoniert prächtig! Der Brecher Toni und der lauf- und kampfstarke, uneigennützige Vucinic - das passt und erinnert an das Duo Toni/Miroslav Klose. Auch dass sein Nebenmann in Rom genau dann trifft, wenn Toni nicht auf dem Platz steht, erinnert an Münchener Zeiten. Beim 2:1 gegen Bergamo fand sich Toni aber auf der Bank wieder. Möglicherweise auch eine Schonung für das Derby bei Lazio.

Robert Vittek (Ankaragücü): Bei der Suche nach Neuzugängen in der Winterpause fiel beim 1. FC Nürnberg auch der Name Robert Vittek. Seine 36 Tore für den Club sind unvergesslich. Das Rennen machte jedoch der türkische Klub Ankaragücü. Der Slowake hat sich beim Hauptstadtklub schnell integriert und sich bei Trainer Roger Lemerre auf Anhieb einen Stammplatz erspielt. "Ich fühle mich hier sehr wohl. Wenn der Klub mich am Saisonende halten will, würde ich gerne bleiben. Die Rahmenbedingungen sind klasse", so die Leihgabe vom OSC Lille. Und da ist ja auch noch das Ziel WM 2010: Mit der Slowakei hat sich Vittek für die Spiele in Südafrika qualifiziert: "Wir haben eine gute Gruppe. Wenn wir Neuseeland schlagen, ist alles möglich."

Christoph Metzelder (Real Madrid): Diesen Einsatz hätte wohl auch Christoph Metzelder selbst nicht erwartet. Vor zwei Wochen stand der Deutsche beim Gastspiel gegen Racing Santander plötzlich in der Startelf und durfte 90 Minuten durchspielen. Sollte der Ex-Nationalspieler bei Real Madrid auf der Zielgeraden der Saison doch noch durchstarten? Nein. Der zweite Saisoneinsatz war für Metzelder eine Ausnahme. Beim Clasico gegen den FC Barcelona saß er wieder 90 Minuten auf der Bank und inzwischen ist Metzelder wieder einmal verletzt. Knieprobleme setzen den Ex-Dortmunder für zwei bis drei Wochen außer Gefecht.

Ricardo Costa (OSC Lille): Die erste Teilnahme an der Champions League war beim VfL Wolfsburg vor allem für Ricardo Costa ein Highlight. Der Portugiese machte mit tollen Leistungen auf sich aufmerksam - vor allem beim 1:2 bei Manchester United machte Costa ein überragendes Spiel im Old Trafford. In der Winterpause trennten sich die Wege dennoch. Costa ging zum OSC Lille und schaffte es dort auf Anhieb in die Startelf. Nur an die Liga scheint er sich noch zu gewöhnt haben. Der Ex-Nationalspieler brachte es in acht Ligaspielen schon auf zwei Platzverweise. So zuletzt auch beim 1:1 in Lyon.

Diego (Juventus Turin): Die holprige Saison hat sich durchaus auch auf den Ex-Bremer ausgewirkt. Trotz viel versprechenden Beginns kommt der Brasilianer in Turin nicht recht zur Entfaltung, auch weil er sich im System von Juve noch nicht zu Hause fühlt. Weder Ciro Ferrara noch dessen Nachfolger Alberto Zaccheroni haben für Diego die ideale Position gefunden. Der 25-Jährige soll zwar das Spiel machen, lässt sich aber permanent tief zurückfallen, geht weite Wege und lässt dann die Frische in der Offensive vermissen. Diego muss sich den Vorwurf gefallen lassen, seine Mannschaft gerade in schwierigen Zeiten nicht gepusht zu haben. Zuletzt laborierte er an einer Oberschenkelverletzung, soll gegen Inter Mailand aber wieder spielen.

Fabian Ernst (Besiktas): In den türkischen Stadien gibt es einen Brauch: Die Spieler werden beim Aufwärmen einzeln zu einer so genannten Faust-Show gerufen. Der Spieler muss mit der Faust drei Mal ein "Ole" zelebrieren. Die Reihenfolge der Spieler dient durchaus als Beliebtheitsskala. Bei Besiktas ist Fabian Ernst regelmäßig der erste Spieler, der gerufen wird. Der Publikumsliebling läuft aber derzeit seiner Form etwas hinterher - die Folgen einer hartnäckigen Verletzung. Dennoch: Aus der Mannschaft ist der Ex-Schalker nicht wegzudenken. Für Trainer Mustafa Denizli ist er die Schaltzentrale zwischen Defensive und Offensive.

Fernando Meira (Zenit St. Petersburg): Zu den Gewinnern des Trainerwechsels beim FC Zenit darf sich Fernando Meira nicht gerade zählen. Luciano Spalletti hat den portugiesischen Innenverteidiger, der bei Dick Advocaat und Interimstrainer Anatoli Davydov eine feste Größe war, auf die Bank gesetzt. In der noch neuen Saison in Russland kam der Ex-Kapitän des VfB Stuttgart gerade mal auf zwei Kurzeinsätze. Doch Meira will vor allem im Hinblick auf die WM 2010 in Südafrika unbedingt spielen. Auch nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Real Madrids Pepe ist der Kampf in der Abwehr bei den Portugiesen groß. Doch bei Zenit führt derzeit an Ivica Krizanac und Tomas Hubocan kein Weg vorbei.

Lincoln (Palmeiras): Die Europa-Tour Lincolns endete im Februar 2010 endgültig. Der Spielmacher, der für den 1. FC Kaiserslautern, Schalke 04 und Galatasaray spielte, hat beim brasilianischen Klub Palmeiras angeheuert. "Ich hätte auch in Europa bleiben können, aber ich wollte zu Palmeiras", so Lincoln. Zu einer sofortigen Verstärkung avancierte der 31-Jährige aber nicht. Eine Verletzung und fehlende Fitness setzten ihn wochenlang außer Gefecht. Inzwischen spielt Lincoln und hat mit zwei Saisontoren auch schon auf sich aufmerksam machen können.

Boubacar Sanogo (AS St. Etienne): Seine Bundesliga-Mission beendete Boubacar Sanogo nach Stationen in Kaiserslautern, Hamburg, Bremen und Hoffenheim, um in Frankreich wieder zu seinem Glück zu finden. Doch auch bei AS St. Etienne läuft es für den Ivorer nicht rund. Nur auf 13 Einsätze kam Sanogo in der laufenden Saison, erzielte sein einziges Tor im September 2009. Beim neuen Trainer Christophe Galtier war Sanogo zuletzt wieder eine feste Größe, ehe ihn eine erneute Verletzung zurückwarf. Gegen Paris Saint-Germain sollte Sanogo eigentlich sein Comeback geben. Daraus wird aber noch nichts, weswegen Trainer Galtier auch seinen Umut äußerte: "Das ist sehr ärgerlich. Wir hatten mit ihm geplant!"

Lucio (Inter): Dass sich Lucio nach seinem Weggang vom FC Bayern bei Inter Mailand durchsetzt und unangefochtener Stammspieler wird, überrascht selbstverständlich nicht. Der Brasilianer ist der Abwehrchef von Jose Mourinho. Gerade in den Top-Spielen, vor allem in der Champions League, bewies Lucio seine große Klasse. Seine Auftritte gegen den FC Chelsea und ZSKA Moskau waren überragend. Wie schon zuletzt bei Ottmar Hitzfeld beim FC Bayern konzentriert sich Lucio voll auf seine Aufgaben in der Defensive. Mourinho lässt seinen angriffslustigen Verteidiger nicht nach vorne.

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