Europa League - 1. Spieltag

Verunsicherung oder Krise?

SID
Freitag, 21.09.2012 | 13:50 Uhr
Nach dem Schlusspfiff zeigte sich Martin Harnik enttäuscht
© Getty
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Die Partie war lange schon abgepfiffen, als Cacau noch immer auf dem Rasen der Stuttgarter Arena stand. Der Nationalspieler starrte, die Hände in die Hüfte gestützt, auf die Videowand und konnte einfach nicht glauben, was er da vorgespielt bekam.

Dort flimmerten noch einmal die Höhepunkte des Europa-League-Spieles zwischen dem VfB und Steaua Bukarest (2:2) über den Bildschirm. Cacau sah, wie Vedad Ibisevic und Martin Harnik kurz vor Schluss an Torhüter Ciprian Tatarusanu und ihrem eigenen Unvermögen scheiterten. "Wir hatten so viele Chancen, das Spiel zu unseren Gunsten zu entscheiden", sagte der 31 Jahre alte Stürmer später, als er den Platz doch noch verlassen hatte, weil ihm die Rasenpfleger dezent darum baten. Womöglich würde Cacau noch heute dort stehen und sein Haupt schütteln.

Cacau selbst hatte zweimal Pech, als er zunächst mit einem Kopfball und später mit einem Rechtsschuss die Latte traf. "Wir haben uns für unsere Großchancen nicht belohnt", haderte hinterher auch der Stuttgarter Trainer Bruno Labbadia, dem langsam die Erklärungen für den missratenen Saisonstart ausgehen.

Labbadia erkennt viele gute Ansätze

Die Stuttgarter Verunsicherung hält weiter an, ob sie zur Krise erwachsen könnte, werden die nächsten Begegnungen zeigen. Seit fünf Pflichtspielen warten die VfB-Profis nun schon auf einen Sieg in dieser Saison. "Wir brauchen endlich mal ein Erfolgserlebnis", sagte Cacau und sprach das aus, was jeder im Stadion sah. Das Stuttgarter Spiel unterliegt zurzeit solch extremen Schwankungen, die man eigentlich nur von der Börse her kennt. "Ich habe viele gute Ansätze gesehen", sagte Labbadia, "aber gleichzeitig auch so viele Schwächen mit einfachen Fehlern im Spielaufbau, die wir mit unserer Qualität nicht machen dürfen."

Auf diese Weise kam Bukarest selbst immer wieder zu eigenen Torchancen. Und als Raul Rusescu in der 80. Minute einen Foulelfmeter zum 2:1 verwandelte, sah es sogar so aus, als ob der 23-malige rumänische Meister als Sieger in die Heimat zurückfliegen sollte. Doch nach dem Rückstand spielte der VfB plötzlich nach vorne, direkt, schnell, mit viel Tempo zum Tor. Es war die erfrischende Spielweise, die die Stuttgarter nach einer prächtigen Rückrunde erst in den Europacup geführt hatte. Der Lohn ließ nicht lange auf sich warten, nach einem Zuspiel des stark verbesserten Cacau köpfte Innenverteidiger Georg Niedermeier den Ausgleich, ehe Ibisevic, der die 1:0-Führung erzielte hatte, und der eingewechselte Harnik das 3:2 verpassten.

Erst in der Schlussphase spielt der VfB mit Mut und Risiko

Erst in der turbulenten Schlussphase deuteten die Stuttgarter ihre spielerischen Fähigkeiten an, ihr schnelles, schnörkelloses Spiel über die Außenpositionen. "Da haben wir endlich mit Risiko gespielt und nicht versucht, eigene Fehler zu vermeiden", sagte Cacau, der sich im linken offensiven Mittelfeld mit allen Freiheiten sehr viel wohler zu fühlen scheint als vorne alleine in der Spitze. Groß kommentieren wollte er seine neue Position allerdings nicht. "Darüber ist schon alles gesagt", sagte der gebürtige Brasilianer.

Viel lieber als über sich sprach er über diese Stuttgarter Verzagtheit, die raus muss vor dem Spiel am Sonntag in Bremen. "Nur wenn wir mutig und mit Überzeugung nach vorne spielen, können wir bei Werder einen Punkt holen", sagte Cacau. Von einer drohenden Krise, die aus der Verunsicherung erwachsen könnte, wollte er nicht sprechen. Zumindest Cacau hatte seinen Glauben im Souterrain des Stadions wieder gefunden.

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