Freitag, 27.06.2008

EM 2008

Ballacks Sehnsucht nach großem Titel

Tenero - Endlich die Krönung oder ewig unvollendet? 39 Tage nach dem tränenreichen Champions-League-Endspiel will Michael Ballack im EM-Finale seine große Sehnsucht nach dem ersten internationalen Titel stillen.

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© DPA

"Es ist schon etwas ganz, ganz Besonderes, im Finale zu stehen. Das kommt nicht alle Tage vor", sagte der 31-Jährige, der die Bilder vom letzten deutschen Europameisterschafts-Triumph vor zwölf Jahren oft genug gesehen hat.

Wie Jürgen Klinsmann 1996 im Londoner Wembleystadion die Stufen der Ehrentribüne emporklomm und nach dem Finalsieg gegen Tschechien aus den Händen der Queen die EM- Trophäe in Empfang nahm - so möchte auch Ballack am Sonntagabend im Wiener Ernst-Happel-Stadion als strahlender Sieger den Pott in Händen halten.

Fokus auf Spanien

Längst ist Ballack, der sich nach dem dramatischen Halbfinal- Erfolg gegen die Türkei (3:2) völlig zurückzog und seinen Fokus abseits der Öffentlichkeit ganz auf das Finale gegen Spanien richtete, in den Kreis der Kapitäns-Prominenz im Deutschen Fußball-Bund aufgestiegen, die von Fritz Walter über Franz Beckenbauer bis hin zu Lothar Matthäus und Klinsmann reicht.

Sie alle waren Weltmeister - und um richtig dazuzugehören, muss der 43-malige Spielführer Ballack endlich einen internationalen Titel holen.

Fast scheint es, als laste trotz vier deutscher Meistertitel und drei DFB-Pokalsiegen ein "Vize-Fluch" auf dem 86-maligen Nationalspieler. Mit Bayer Leverkusen (2002) und dem FC Chelsea (2008) verlor er im Champions-League-Finale, bei der WM 2002 reichte es für den damals gesperrten Ballack ebenfalls nur zu Platz zwei.

Dreimal deutscher und zweimal englischer Vizemeister sowie ein verlorenes DFB-Pokalfinale runden die Bilanz der Trostpreise ab.

Aufgerappelt zur EM

Am härtesten hatte ihn aber der Elfmeterschock im Champions- League-Endspiel von Moskau vor knapp sechs Wochen getroffen. Schluchzend war Ballack damals auf dem Platz zusammengebrochen, doch für die EM-Bergtour rappelte er sich wieder auf.

"Ich habe gezeigt, dass ich das abgehakt habe. Es ist immer gut, dass man schnell neue Aufgaben im Fußball hat", erklärte der Mittelfeldspieler, für dessen Auftritte in Klagenfurt, Basel und Wien es Lob von Deutschlands höchster Fußball-Instanz gab. "Er hat als echter Kapitän agiert. Er hat gelernt, Verantwortung zu übernehmen", sagte Beckenbauer.

Dabei fehlt bislang ein überragender Ballack-Auftritt bei der Europameisterschaft, wenngleich er wie kein Zweiter den Anführer verkörpert. Mit unbändigem Siegeswillen hämmerte er beim Gruppen- Finale gegen Österreich einen Freistoß zum entscheidenden 1:0 ins Tor, gegen Portugal traf er per Kopf.

Als Anführer ging er zudem stets voran. Lautstark gab er die Kommandos, kompromisslos ging er in die Zweikämpfe. Immerzu angetrieben vom tiefen Verlangen, seine Laufbahn mit einer internationalen Trophäe zu veredeln.

"Unser Kapitän"

"Wir wünschen ihm ein schönes Finale. Er ist unser Kapitän, er hat gezeigt, dass er die Verantwortung übernimmt. Es ist das Wichtigste, dass er die Mannschaft führt, dass er Halt gibt", sagte Nationalmannschaft-Manager Oliver Bierhoff am Freitag. "Seine Klasse und seine Präsenz sind gefordert, um in schwierigen Momenten den Mitspielern Lösungen anzubieten."

Körperlich steht Ballack, der von einem intensiven Aufbauprogramm nach langer Verletzungspause beim FC Chelsea profitiert, so gut im Saft wie nie zuvor. Da ist es kein Wunder, dass er mit 57,52 Kilometern Laufleistung bei der EM die mit Abstand weiteste Strecke aller deutschen Finalteilnehmer zurückgelegt hat. Und um den Fluch des ewigen Zweiten zu besiegen, dürfte er auch am Sonntag bis zum Umfallen rennen.


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