Freitag, 06.06.2008

EM 2008

Die Rückkehr der Klatschhand

Berlin - Sie sind zurück: Aufblasbare Klatschhände mit garantiertem Schweißfaktor, Deutschlandfahnen für patriotische Autofahrer, Trikots in allen Farben und Größen.

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© DPA

Zur EM sind die Ladenregale voll mit der ganzen Palette der Fan-Artikel - von billig bis edel. Die Requisite für ein neues Sommermärchen steht. Auch wenn der Ball anderswo rollt und Deutschlands Fanmeilen meist kleiner ausfallen als 2006: Ohne mehr oder minder geschmackvolles Fan-Zubehör wird es bei vielen nicht gehen - ob vor Leinwänden im Freibad oder in Public-Viewing-Zonen.

"Trikots waren zum Teil schon zu Weihnachten begehrt, jetzt werden zunehmend auch Fähnchen und Ähnliches gekauft", sagt Karstadt- Sprecher Martin Schleinhege. Kurz vor dem Turnier decken sich die Deutschen ein für den perfekten Auftritt: Schminke in den Nationalfarben sei in Warenhäusern begehrt.

Donuts mit Trillerpfeifen 

Alternativ gibt es im Handel auch schwarz-rot-goldene Abzieh-Tattoos. Wem das offizielle Trikot für rund 70 Euro zu teuer ist, der kann sich für wenige Euro mit T-Shirts als "Torjäger", "Flankengott" oder "Elfmeter-Töter" brüsten.

Selbst Fußball-Muffel kommen nicht an EM-Souvenirs vorbei. Eine Bäckerei-Kette verkauft Donuts mit Trillerpfeifen als Zugabe, ein Discounter verschenkt luftgefüllte Klapper-Röhren (in Fachkreisen: "Klatschwurst").

Auch Kostümhersteller setzen auf den EM-Trubel, etwa mit schwarz- rot-goldenen Perücken (gelockt wie Rudi Völler) und mit handtuchgroßen Kunstrasen-Fußballfeldern als Hut - was im Gedränge vor Kneipenfernsehern nicht unbedingt für neue Freunde sorgen dürfte.

Historische Trikots als großer Renner

Weniger konfliktträchtig sind die Mini-Bierkrüge zum Umhängen, die bei einem Berliner Souvenirhändler im Regal stehen - trotz der aufgedruckten Sprüche der Kategorie "Je länger das Spiel dauert, desto weniger Zeit bleibt." Der Verkauf werde noch in Gang kommen, gibt sich die Verkäuferin überzeugt.

Doch noch ist offen, ob sich die Deutschen neu mit Wimpeln, Trikots und Rasseln eindecken. Viele dürften noch einiges im Schrank haben. "Es gibt grundsätzlich die Bereitschaft, sich über das ganze Jahr mit Fußballartikeln zu umgeben", sagt Tülin Duman, Gründerin des Fußball-Ladens "Goal" in Berlin-Kreuzberg, der sich mit historischen Trikots und Designer-Produkten unter modebewussten Fans einen Namen gemacht hat. "Das läuft seit der WM 2006 und nimmt immer mehr zu."

Frauen machen Männern Konkurrenz 

Dabei seien die Kunden nicht auf die deutsche Elf festgelegt, fügt Duman hinzu. "Wenn ich das brasilianische Design gut finde, trage ich eben Brasilien." Mittlerweile fänden es ebenso viele Frauen wie Männer schick, ein Fußballerhemd zu tragen, egal zu welcher Jahreszeit. Viele hätten sich am Fußballsommer 2006 erfreut und dächten nun gar nicht daran, den Männern wieder das Feld zu überlassen. Die weibliche Kundschaft bei Fußball-Fanartikeln wachse stetig, heißt es auch bei Karstadt.

Und so kommen die Damen nicht nur in Nischengeschäften zum Zug: Selbst Discounter lockten zuletzt mit Fanshirts für Frauen, klassisch in schwarz und weiß mit Bundesadler - aber besonders körperbetont geschnitten. Bikinis mit Bundesadler werden ebenso angeboten wie künstliche Fingernägel in Schwarz-Rot-Gold.

Ball aus echtem Kuhfell

Auch wer das Wohnzimmer zur Arena machen will, wird fündig, etwa bei der Fußmatte in Fußballfeldoptik. Für Stadionatmosphäre sorgt die Sofadecke mit aufgedruckten Hartschalensitzen für Trainer, Masseur und Bierholer (100 Prozent Polyester!). Vom Kaminsims grüßt Fritz, der aufblasbare Gummi-Adler mit Deutschland-Schärpe, als Snack bieten sich gekochte Eier mit Fußball-Muster aus dem Supermarkt an.

Wenn das den Gästen nicht imponiert, der inoffizielle EM-Ball eines Berliner Designer-Trios wird es gewiss: Er ist handgenäht und - passend zu den EM-Gastgeberländern - aus echtem Kuhfell.


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