Mittwoch, 04.06.2008

Die alternative EM-Prognose

Regenschlacht mit Prosecco-Aperol

München - Unappetitlich, anrüchig oder beides gleichzeitig ist es, in Tierkadavern rumzupokeln, Kaffeesatz zu lesen oder in den miefigen Wohnwagen der Rummelplatz-Hexe zu steigen.

Viel besser dran ist man da mit der EM-Prognose von SPOX.com, die nichts verschweigt und nichts beschönigt. Für alle, die es gar nicht mehr abwarten können, geht's los mit einer Live-Einblendung ins deutsche Eröffnungsspiel gegen Polen...

Nicht aus dem Hintergrund schießen  

"Sechs Minuten noch in der Hypo Group Arena in Klagenfurt. Keiner wankt. Der Regen prasselt unaufhörlich hernieder. Es ist schwer, aber die Zuschauer, sie harren aus. Und Blaszczykowski, immer wieder Blaszczykowski, der rechte Buchstabensalat der Polen, am Ball. Er hat den Ball - verloren diesmal, gegen Schweinsteiger, Schweinsteiger nach innen geflankt - Kopfball - abgewehrt - aus dem Hintergrund müsste Odonkor schießen - Odonkor schießt! - vorbei! Nein! Vorbei! Halten Sie mich für verrückt, halten Sie mich für übergeschnappt, ... aber Odonkor sollte nie wieder für Deutschland aufs Tor schießen!"

Dies nur als kleiner Appetithappen, aber jetzt der Reihe nach. Denn Ordnung muss sein. 

1. Spieltag

Gruppe A: Portugal schlägt die Türkei souverän mit 3:0. Für den eigentlichen Aufreger aber sorgt Christoph Daum, den das ZDF als Türkei-Experten eingeladen hat. Er provoziert mit schlüpfrigen Anspielungen auf die sexuelle Orientierung von Portugals Cristiano Ronaldo. Leider kann Theo Zwanziger die Wogen nicht glätten. Der DFB-Präsident weilt im Zypern-Urlaub mit Birgit Prinz und Simone Laudehr und ist für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Tschechen und Schweizer spielen 1:1.

Zum Heulen! Der da links ist Odonkor. Oder war's der da rechts? ZDF-Oldie Poschi klärt auf.
Zum Heulen! Der da links ist Odonkor. Oder war's der da rechts? ZDF-Oldie Poschi klärt auf.
© Getty

Gruppe B: Schiet-Wetter in Kärnten. Klagenfurt steht unter Wasser. Fußball gespielt wird trotzdem. In einer Neuauflage der Regenschlacht von Frankfurt 1974 (Bild) trennt sich Deutschland nur 2:2 von Polen. Für den eigentlichen Aufreger aber sorgt ZDF-Kommentator Wolf-Dieter Poschmann, weil er während des Spiels permanent David Odonkor mit Marcell Jansen verwechselt. Jogi Löw verweigert daraufhin das Interview: Er will ab sofort nur noch mit Monika Lierhaus sprechen. Österreich luchst Kroatien einen Punkt ab.

Gruppe C: Italien schlägt die Niederlande mit 1:0, Freistoß Andrea Pirlo in der 90. Minute. Für den eigentlichen Aufreger aber sorgt Felix Magath. Inzwischen zum Konzernchef bei VW befördert verspricht er bei seiner Antrittsrede: "Ich hol euch den Pirlo nach Wolfsburg! Der würde gut zu uns passen!" Frankreich bezwingt Rumänien durch einen Doppelpack von Claude Makelele mit 2:0. Niemand hat eine Erklärung.

Gruppe D: Spanien fidelt die Russen auch ohne Cesc Fabregas mit 4:0 vom Platz und steigt vom Turnierfavoriten zum absoluten Top-Favoriten auf, so geschmeidig ist der Ballvortrag der Iberer. Gänzlich ungeschmeidige Griechen spielen von Otto Rehhagel mit Doppelsechs, Manndeckung und Libero bis an die Zähne bewaffnet 0:0 gegen Schweden. So richtig aufregen will sich aber keiner. Nur Christoph Daum äußert Bedenken wegen der zu femininen Frisur von Ioannis Amanatidis: "Der müsste dringend mal zum Haartest!"

2. Spieltag

Gruppe A: Skandal in Basel: Schweizer und Türken liefern sich einen würdigen Rückkampf zur berühmten Fightnight von Istanbul. Jeder tritt jeden, die Schweizer jedoch den Ball einmal mehr ins Tor als ihr Gegner. 2:1. Sechs Platzverweise werden brüderlich geteilt. Für den eigentlichen Aufreger aber sorgt Kommentator Steffen Simon, der sich aus Angst vor Christoph Daum auf die Schnelle noch einen mehrheitsfähigen Fassonschnitt verpassen ließ. Tschechen und Portugiesen spielen 1:1.

Gruppe B: Deutschland schlägt Kroatien mit 4:1 und die Welt ist wieder in Ordnung. Für den eigentlichen Aufreger aber sorgt Jogi Löw, der sich nach dem Spiel im Aufruhr der Hormone vor laufenden Kameras mit Moni Lierhaus zu Maultaschen und Badener Reblaus auf dem Großglockner verabredet. Österreich luchst Polen einen Punkt ab.

Wer braucht schon Henry? Frankreichs Torjäger heißt Claude Makelele.
Wer braucht schon Henry? Frankreichs Torjäger heißt Claude Makelele.
© Getty

Gruppe C: Italien schlägt Rumänien mit 1:0, Kopfball Ambrosini in der 88. Minute. Magath: "Den hol' ich nach Wolfsburg. Der würde gut zu uns passen!" Die Niederlande spielen gegen Frankreich den schönsten Fußball aller Zeiten und gewinnen 4:3. Für den eigentlichen Aufreger aber sorgt Claude Makelele, der sich mit seinem zweiten Doppelpack des Turniers an die Spitze der Torjägerliste setzt.

Gruppe D: Trotz 78 Prozent Ballbesitz verliert Spanien erwartungsgemäß mit 0:1 gegen Schweden. Der berühmteste aller Larssons besorgt den Job. Griechenland spielt erwartungsgemäß 0:0 gegen Russland. So richtig aufregen will sich wieder keiner. Auch Fabregas nicht, der noch keine Minute spielen durfte.

3. Spieltag

Gruppe A: Alle spielen 1:1, weshalb Portugal und die Schweiz ins Viertelfinale einziehen. Für den eigentlichen Aufreger aber sorgt Günther Netzer, der sich im Hormonrausch vor laufenden Kameras mit Gerd Delling zum Candlelight-Dinner auf dem Matterhorn verabredet.

"Högschde Disziplin, Moni!" Jogi Löw legt sich mit ARD-Frontfrau Monika Lierhaus an.
"Högschde Disziplin, Moni!" Jogi Löw legt sich mit ARD-Frontfrau Monika Lierhaus an.
© Getty

Gruppe B: Fast ein Skandal in Wien: Österreich trifft schon nach 42 Sekunden zum 1:0 und bietet Deutschland daraufhin einen Nichtangriffspakt an, den Ballack aber pikiert ablehnt und gemeinsam mit Frings einen wütenden Angriff nach dem anderen inszeniert. Bringt aber alles nichts und Österreich feiert 30 Jahre Cordoba mit einem Sieg über Deutschland. Beide kommen ins Viertelfinale. Kroatien hilft auch ein 13:1 über Polen nichts mehr. Für den eigentlichen Aufreger aber sorgt Jogi Löw, der auf kritische Nachfragen von Moni Lierhaus recht unwirsch reagiert: "So ein Scheiß! Aber Du kannst ja leicht reden: Sitzt hier bequem im Studio und hast schon den dritten Prosecco-Aperol gezwitschert!" 

Gruppe C: Ausgerechnet Cannavaro-Killer Chiellini bringt Italien gegen Frankreich in der 89. Minute in Führung und Les Bleus droht das Aus. In der Nachspielzeit überlistet Makelele Buffon jedoch mit einem raffiniert angeschnittenen Freistoß zum 1:1. Beide sind weiter, weil die Niederländer gegen Rumänien beim Stand von 1:2 mehrfach vom Elfmeterpunkt scheitern. Für den eigentlichen Aufreger aber sorgt Rumäniens Adrian Mutu, der nach dem Spiel in einem Züricher Nachtlokal verhaftet wird - mit zwei Frauen im Arm und Kokain im Blut. Daum will sich dazu nicht äußern, dafür meldet sich der ehemalige VW-Vorstand zu Wort: "Der würde gut zu uns passen!" Nur am Rande: Trotz seines fünften Turniertreffers wird Makelele in der Torjägerliste durchgereicht. Die Führung übernimmt das Kroaten-Duo Olic/Modric mit je sieben Buden (siehe Gruppe B).

Gruppe D: Am letzten Spieltag fällt genau ein Tor. Nach einem Eckstoß von Stylianos Giannakopoulus landet der Ball nach zweifacher Kopfballverlängerung von Traianos Dellas und Nikos Lyberopoulos schließlich bei Angelos Charisteas, der für Spaniens 88-minütige Fußballdemonstration gespickt mit technischen Feinheiten und atemberaubenden Kombinationen so gar keinen Sinn hat. Griechenland und Schweden kommen mit einem Torverhältnis von 1:0 weiter. Diesmal regt sich sogar was in der Siechen- und Griechengruppe: Spaniens Trainerkauz Aragones verlängert auf Lebenszeit. Fabregas fühlt erste Anzeichen von Müdigkeit.

Stefan Moser/Oliver Wittenburg

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